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Schutzgeld-Prozess: Bietigheimer Zeugen bedrängt und bedroht

Das Landgericht geht weit über 20 Jahre zurück, um einen der spektakulärsten Schutzgeldfälle endlich restlos aufklären zu können. Vier Täter wurden damals verurteilt. Nun ging es um Bietigheimer Opfer des mutmaßlich letzten Erpressers.

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Zeugen, Zeugen, nichts als Zeugen. Doch die Zeugen, die die Richter der 16. Strafkammer seit nunmehr über drei Monaten Prozessdauer gegen einen 43-jährigen angeklagten Italiener vernehmen, müssen sich an Geschehnisse aus den Jahren 1995 bis 1997 erinnern. Damals hatten Mitglieder seiner Familie in Bietigheim, Asperg, Markgröningen und Hoheneck Landsleute um hohe Geldsummen erpresst und zu erpressen versucht. Es waren brutale Schutzgelderpressungen, verbunden mit Anschlägen, Brandstiftungen, bis hin zu sechs Schüssen in ein Eiscafé in Markgröningen 1995, wobei glücklicherweise niemand verletzt wurde.

Die vier damaligen Täter, darunter der Vater des jetzigen Angeklagten und einer seiner Brüder, sind vom Landgericht zu Haftstrafen bis zu 12 Jahren verurteilt worden. Der jetzige dritte Sohn des Italieners setzte sich ab, kam aber Anfang 2015 nach Deutschland - und wurde festgenommen. Die Anklage gegen ihn: vollendete und versuchte räuberische Erpressung, versuchter Menschenraub.

Seine einstigen Finanzgeschäfte und die eines damaligen Erpressungsopfers aus Bietigheim-Bissingen wollen die Stuttgarter Richter jetzt detailgenau unter die Lupe nehmen, um festzustellen, ob beispielsweise ein Bankkonto der Commerzbank in Zuffenhausen damals dazu diente, die Erpressungsgelder zu waschen.

Allerdings erinnert sich der Banksachbearbeiter jetzt gut 20 Jahre später nicht mehr an die Einzelheiten der Kontoeröffnung. Aber er bestätigt, dass der jetzige Angeklagte damals zusammen mit dem mutmaßlichen Erpressungsopfer erschien und man ein Konto eröffnete. Klar wurde ihm später dann, dass der Kreditrahmen weit überzogen wurde und dass die Bank damals aufgrund dubioser 100.000 DM-Geldbewegungen eine Konto-Verdachtskündigung aussprach und die Polizei informierte. Ernste Gedanken machte sich der Bankbeamte dann Wochen später, als plötzlich ein Mann bei ihm privat in seinem Wohnort bei Bietigheim anrief und um ein Gespräch bat.

Eine heute 61-jährige Bietigheimer Kauffrau jedoch erinnert sich noch genau an Geschehnisse vom Februar 1994. Da sei das eine Erpressungsopfer verletzt bei ihr aufgetaucht und habe von einem Überfall berichtet. Ab da habe man in dem Bietigheimer Wohngebiet Angst gehabt. Kinder mussten zu Hause bleiben. Ihr Ehemann sei dann später von einem roten BMW abgedrängt und angehalten worden. Dessen Fahrer habe ihn mit vorgehaltener Waffe bedroht und Geld verlangt. Danach sei die Angst in der Wohngegend noch größer gewesen. Auch deshalb, weil just zur selben Zeit im Lager ihres Geschäfts in Bietigheim eingebrochen wurde.

Die 16. Strafkammer will jetzt weitere Zeugen zu den Geschehnissen vor 20 Jahren vernehmen. Darunter Polizeibeamte, Beamtes des Landeskriminalamts und Opfer. Am 13. November geht der Prozess weiter. Es sind noch Termine bis zum 16. Dezember vorgesehen, ehe ein mögliches Urteil gesprochen wird.

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