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Schotterwerk Fink gibt auf - Betreiber sehen Pläne für Biovergärungsanlage dadurch "erleichtert"

Überraschende Nachricht in der Diskussion um die geplante Biovergärungsanlage: Das Schotterwerk Fink will seine Anlagen zum Jahresende 2017 aufgeben. Hintergrund sind die Widerstände vor allem wegen des erwarteten Verkehrs.

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Das Unternehmen Fink gibt zum Jahresende 2017 auf - bis dahin läuft die vorläufige Betriebsgenehmigung.  Foto: 

Eigentlich hatte die CDU-Regionalfraktion am Dienstag den Steinbruch Fink besichtigen wollen, um sich ein Bild von dem für die Biovergärungsanlage geplanten Standort zu machen. Doch dann wurde der Termin am Montag abgesagt, ein anderer sei dazwischen gekommen, hatte Firmenchef Hellmut Fink noch am Montag gegenüber der BZ erklärt. Einen Alternativtermin bot er nicht an.

Am alternativen Ort für das Treffen im Bietigheimer Rathaus wurde dann auch klar, warum: Fink hatte kurz zuvor der Stadt mitgeteilt, dass er seine Pläne aufgeben werde. Diese sahen vor, eine Baustoffrecyclinganlage sowie einen Umschlagplatz für Schüttgüter neu zu erstellen und das Asphaltmischwerk und das Betonwerk weiterzubetreiben. Fink will nun die Anlagen nach dem Auslaufen der Genehmigung zum Jahresende 2017 stilllegen und sich auf die Verfüllungs- und Rekultivierungsarbeiten konzentrieren. Das Aus betrifft nach Angaben der Stadt auch das Makadamwerk Schwaben auf dem Gelände von Fink. Die Pläne für die Biovergärungsanlage sind davon aber unberührt.

Gerade die Erweiterung von Fink hatte für viel Unmut gesorgt, weil damit deutlich mehr Verkehr einhergegangen wäre, zusätzlich zu den An- und Ablieferungen des Biomülls für die Anlage. Fink sprach deshalb in einem Schreiben an die Stadt auch von einer verringerten "Akzeptanz unserer Betriebe in der breiten Öffentlichkeit". Was aber vermutlich noch schwerer wog: Wegen des neu errichteten Seniorenheims in der Bahnhofstraße in Bissingen hätten "zwingend Immissionswerte mit erhöhten Schutzanforderungen eingehalten werden müssen", so Fink weiter. Das hätte "erhebliche zusätzliche Investitionen in Lärmschutzmaßnahmen und eine Einschränkung der im Baugewerbe erforderlichen flexiblen Produktionszeiten bedeutet". Von "schweren wirtschaftlichen Nachteilen" und "möglichen weiteren Risiken im Genehmigungsverfahren" ist die Rede. Offenbar war Fink sich nicht sicher, tatsächlich die nötigen Genehmigungen zu bekommen. Er war am Dienstag nicht zu sprechen, vermutlich, weil gerade parallel eine Personalversammlung war.

Ein sichtlich überraschter Oberbürgermeister Jürgen Kessing bedauerte den Schritt. Die Bürgerinitiative habe "zumindest einen Teilerfolg erzielt". Nun müsse der Gemeinderat in der nächsten Sitzung entscheiden, wie man damit umgehe. Auch Rainer Kübler, Chef der Stadtwerke und der Biogutvergärung Bietigheim, bedauerte den Rückzug. Er sagte aber auch: "Für unser Projekt ist die Situation nun eher erleichtert." Gerade der Verkehr und die Mehrbelastung habe der Bürgerinitiative viel Zuspruch gebracht. Entfalle nun der Betrieb bei Fink, schrumpfe der Verkehr auf ein Viertel, so Kübler. Auf den Vertrag mit Fink als Grundstückseigentümer für das Bioanlagengelände habe dessen Rückzug keinen Einfluss, hier sei der Ausgang des Bürgerentscheids maßgebend.

Dass es Gegenwind für die Biovergärungsanlagenpläne gibt, wurde auch in der Veranstaltung mit der CDU deutlich. So war ein Anwohner anwesend, der der Stadt falsche Versprechungen gegenüber den Eigentümern im Wohngebiet Ellental vorwarf. Diese habe gesagt, alle Betriebsteile von Fink würden Ende 2015 stillgelegt. Einige Räte hakten zudem nach, weil ihnen die Entfernung zur Wohnbebauung gering schien - der Mindestabstand werde aber eingehalten, so Andrea Schwarz vom Stadtentwicklungsamt. Auf die Frage nach Umweltverträglichkeitsprüfungen erklärte sie, man sei noch am Anfang der Planung, alles Nötige würde gemacht. Bislang hätten sich keine Beeinträchtigungen ergeben, ergänzte Kübler. Er versprach zudem, eine Liste im Internet zu veröffentlichen, auf der vergleichbare Anlagen in Deutschland aufgeführt würden.

 

Ein Kommentar von Julia Schweizer: Kein Erfolg

Die Nachricht von Hellmut Fink war überraschend. So überraschend wie für wohl die meisten die erste Nachricht, dass das Unternehmen fortbestehen werde und neben der Biovergärungsanlage ein Gewerbegebiet entstehen solle. Erfahren haben das die meisten so richtig erst im Februar, was für Unmut gesorgt hatte. Salamitaktik war Betreibern und Stadt immer wieder vorgeworfen worden. Und das hat der Bürgerinitiative den Zulauf beschert. Sie habe nun einen Teilerfolg eingefahren, so der OB. Doch was wäre gewesen, hätten die Verantwortlichen von Beginn an mit offenen Karten gespielt? Was wäre gewesen, hätten sie den gewünschten – und vorläufig genehmigten – Weiterbetrieb kommuniziert? Vielleicht hätte sich die Stimmung nicht so sehr gegen das Projekt gewandelt. Und vielleicht wäre dann auch für Fink nicht fraglich gewesen, die nötigen Genehmigungen zu bekommen. Sicher ist jedoch: Für ihn und seine Mitarbeiter ist die Biovergärungsanlage nun das, was es für viele Bürger schon längst ist: kein Erfolg. Angesichts des Umgangs der Verantwortlichen mit dem Thema eigentlich wenig überraschend.

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Kommentare

06.04.2016 12:55 Uhr

aus der Presseerklärung der FDP Regionalfraktion

"Im Regionalverband werden auch Zweifel bezüglich der Wirtschaftlichkeit der Anlage geäußert. Kai Buschmann (FDP) sieht bei einer für die Wirtschaftlichkeit benötigten Menge von 48 000 Tonnen Biomüll im Jahr „ein Delta von 20 000 Tonnen“, das der Landkreis von außerhalb auftreiben müsste. Zudem sei bei der Standortsuche das von der Region vorgesehene Verfahren, das beispielsweise Industriegebiete priorisiert, nicht angewendet worden."

Es ist mittlerweile bekannt das der Grünabfall per LKW von Karlsruhe zugeführt werden soll. Das wären 1000 Voll - und Leerfahrten an ca. 250 Arbeitstagen im Jahr, eine beachtliche Anzahl wie ich meine.

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