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Rudolf Matyas sind Schafe wichtiger als Pferde

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Der Schäfer Rudolf Matyas reiste aus der Nähe von Albstadt an, um seine Ware auf dem Krämermarkt zu verkaufen.  Foto: 

Es gibt Menschen, für die sind die Pferde nicht die wichtigsten Tiere auf dem Pferdemarkt. Für Rudolf Matyas sind es Schafe. Auf dem Krämermarkt nahe der kleinen Altstadtbrücke über der Metter hat der 47-jährige Schäfer aus der Nähe von Albstadt seinen Stand. Sein Angebot: Felle, Fell- und Wollprodukte. Felle von großen, langhaarigen Mutterchafen, Felle von Lämmern, also Schafen, die weniger als ein Jahr alt wurden, Schuhe aus Fell, Pantoffeln aus Fell, Handschuhe, Socken.

Aber aus welchem Grund soll man sich, bitteschön, ein Schaffell kaufen? Zur Dekoration? „Auch. Aber Wolle hat den Vorteil, dass sie Feuchtigkeit vom Wärmepol zum Kältepol leitet“, sagt der Schäfer. Früher sei das geschorene gelbliche Lammfell gern in Wiegen für Babys ausgelegt worden.

Studierter Maschinenbauer

Matyas, sonnengegerbtes Gesicht, breite Schultern, Schäferhut mit breiter Krempe, duzt jeden. „Da darfst Du mir nicht böse sein“, sagt er einer Seniorin. Sie hatte ihn nach einem Artikel gefragt, den er nicht auf dem Tisch hat. Ein heiterer Mann.

500 Schafe hat der Selbständige Schäfer derzeit auf der Sommerweide stehen. Erst um den 1. Oktober holt er sie zurück auf die Winterweide. „Ich darf vorher nicht mit den Tieren über die Wiesen laufen“, sagt er. Erst im Oktober, wenn sie nicht mehr bewirtschaftet werden. Seit Ende April sind die Tiere auf der Sommerwiese. Die Tiere treibt er in der Regel nur mit einem Altdeutschen Schäferhund. „Ein guter Hund reicht. Mit dem Alten“, sagt er. „Der ist ruhiger.“ Der junge der Hunde sei zu aufgeregt. An einer Tagesetappe werden vier bis 15 Kilometer geschafft.

Rudolf Matyas ist studierter Maschinenbauingenieur. „Ich wollte aber immer Schäfer sein; das wusste ich von Anfang an“, sagt der 47-Jährige und zündet sich eine Zigarette an. Gearbeitet hatte er unter anderem im Stahlbau. „Aber dieser Beruf hat mich bloß begleitet“, sagt Matyas. Im Alter von 26 Jahren hat er die Schäferei zum Hauptberuf gemacht. „Als Schäfer habe ich das Naturerlebnis“, begründet er seinen Wechsel in die Landwirtschaft. „Ich liebe die Ruhe, die Ausgeglichenheit, die der Beruf geben kann“, sagt Matyas. Wobei: „Das mit der Ruhe gilt in der Regel nur für die paar Stunden, an denen ich bei den Schafen auf der Weide bin“, sagt Matyas. Ein Chefschäfer hat schließlich noch andere Aufgaben zu erfüllen.

Die Hausschuhe, Handschuhe oder Socken, die der 47-Jährige auf dem Krämermarkt des Bietigheimer Pferdemarkts verkauft, näht er nicht selbst. „Um Gottes Willen. Da würde ich nicht auch noch hinterherkommen. Meine Aufgabe ist es, die Wolle zu produzieren und die Logistik anzuwerfen“, sagt Matyas.

Gut die Hälfte seines Umsatzes bestreitet er mit Schafsprodukten. Seine Frau und seine zwei Angestellten sind an diesem Sonntag noch auf zwei weiteren Märkten im Land.

Für den studierten Maschinenbauingenieur mit dem Schäferhut gibt es noch ein Tier, dass ihn im BZ-Gespräch während des Pferdemarktes weit mehr beschäftigt scheint als das Pferd: der Wolf.

Sorge wegen des Wolfs

Der Großteil der Politiker will ihn als Wildtier zurückhaben, der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Rösler aus dem Wahlkreis Vaihingen ist zum Beispiel Wolf-Beauftragter der Naturschutzorganisation „Nabu“. Er hat  in einem BZ-Interview im Frühjahr gesagt, er würde sich dafür einsetzen, dass die Schäfer entschädigt werden, sollten ihre Tiere gerissen werden.

„Das Geld würde mir nix bringen“, sagt Rudolf Matyas trocken. „Der Wolf ist ein Hetztier. Und wenn der einmal in einer Herde drin war, dann sind die Schafe traumatisiert; die haben erst mal eine Heidenangst vor dem Schäferhund.“ Stattdessen müssten sich Schäfer Herdeschutzhunde anschaffen, „pro Wolf ein Hund“, sagt Matyas. Er rechnet mit etwa fünf dieser Hunde, die er bräuchte, da Wölfe im Rudel auftreten. „Das werden sich die kleineren Schäfer kaum leisten können.“ Von ihnen, prophezeit Rudolf Matyas, werde es wegen des Wolfs  weniger geben.

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