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Realsatire mit viel Gaudi

Mit seinem Programm "Ich sag's lieber direkt" gastierte Kabarettist Michael Altinger am Donnerstagabend im Kleinkunstkeller und begeisterte das Publikum mit Realsatire vom Feinsten.

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Michael Altinger plädierte dafür, dass man im Leben Gaudi hat, und die hatte das Publikum im Kleinkunstkeller auf jeden Fall.  Foto: 

Der gebürtige Niederbayer Michael Altinger hat Bühnen- und Fernseherfahrung, das merkte man. Mit dem Bayrischen und dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnet, bot der Moderator ein Kabarettprogramm, das sich durch intelligent überspitzte Realsatire auszeichnet.

Im rasanten Tempo und mit urbayrischem Akzent erzählte er dem Publikum sehr direkt und deutlich, was er von dem heutigen Kommunikations-Hype hält. Wenn Eltern schon ihren Kleinkindern ein Smartphone für 600 Euro schenken, "falls mal was is", lauter selbsternannte "Experten" sich über Facebook und Twitter im Fernsehen wichtig machen und Bücher als e-book oder Kindle mit "zwei Millionen gespeicherten Büchern", die eh keiner je lesen könne, viel besser in den Koffer passen, dann geht das Michael Altinger nicht nur "auf den Sack", sondern bringe sein "Gemächt zum Läuten".

Die absurden Auswüchse technischer Errungenschaften gipfelten in der "Droh-Sprachnachricht", die er über sein "Volksempfängersprechgerätkastl", sprich Telefon, erhalten habe und über deren Bedeutung Altinger den gesamten Abend sinnierte. Beckenbodengymnastik habe ihn fast das Leben gekostet, weil er den Begriff falsch verstanden und versucht habe, auf dem Boden eines Schwimmbeckens Turnübungen zu machen.

Unterstützt wurde Altinger von seiner "eigenen Band", die aus dem Musiker Martin Julius Faber an Keyboard und E-Gitarre bestand, der stoisch die auf ihn bezogenen Frotzeleien über sich ergehen ließ. In Gesangseinlagen persiflierte Altinger herrlich überzogen Heile-Welt-Gefühle. Ob ein Song über "Stille" im Heavy-Metal-Stil geröhrt oder mit viel mimischer Pathetik vorgetragener Chanson: Es sind die Gegensätze, mit denen Altinger Alltägliches wie Politisches ad absurdum führte. Der fiktive Ort "Strunzenöd" bot dafür reichlich Reflektionsfläche. Wenn Altinger mit schauspielerischem Talent verschiedene Einwohner im skurrilen Dialog darstellte, wurde das Absurde umso deutlicher. Er prangerte die "Rokoko-Katholiken" an, die lieber Glanz und Gloria in der Kirche haben als Armut und Verzicht. Früher wäre vieles leichter gewesen: mit 18 Jahren war man einfach nur "ein normaler Depp". Heute hätte die Jugend in dem Alter schon fünf Mal die Welt gerettet, aber was käme dann die 60 Jahre danach? Der Kabarettist plädierte für "Entschleunigung" in allen Bereichen. Letztendlich aber stellte er am Ende fest, dass es "manchmal wichtiger sei, dass man öfter eine Gaudi hat". Die hatte das Publikum mit einem hervorragenden Michael Altinger an diesem Abend auf jeden Fall.

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