Partner der

Radierungen erzählen Geschichte

Die Radierung ist eine Kunsttechnik, die an der Kunstakademie in Stuttgart schon immer eine große Rolle spielte - bis heute. Die Ausstellung "Die Schärfe der Bilder" in der Städtischen Galerie erzählt die Geschichte der Radierung.

|
Professor Volker Lehnert lehrt an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und ist Initiator des studentischen Projektes zur Geschichte der Radierung an der Kunsthochschule.  Foto: 

Die Radierung: Für Laien schwer zu verstehen, wie sie funktioniert. Ein Mysterium, das sich in Begriffe wie Kupferstich, Kaltnadel oder Ätzradierung, Aquatinto oder Mezzotinto, auffächert, die die Technik noch geheimnisvoller machen. Deshalb steht gleich am Anfang der neuen Ausstellung "Die Schärfe der Bilder - Die Radierung im Umkreis der Stuttgarter Akademie" in der Städtischen Galerie die Definition der verschiedenen Arten von Radierungen. Zudem mehrere Blätter, die laut Galerieleiterin Isabell Schenk-Weininger "ein Schnelldurchlauf durch die Geschichte der Radierung" seien.

Die Ausstellung präsentiert 150 Blätter von Lehrenden und Schülern der Stuttgarter Akademie, ergänzt durch grafische Blätter bedeutender Stuttgarter Professoren wie Bernhard Pankok, Willi Baumeister, K.R.H. Sonderborg oder Alfred Hrdlicka. An der Stuttgarter Akademie, im sogenannten "Labor", der Druckwerkstatt, ist die Radierung nicht wegzudenken, erklärt Professor Volker Lehnert, der gemeinsam mit dem Kunstgeschichte-Professor Nils Büttner das Projekt mit Studierenden der Stuttgarter Akademie initiierte. Sie recherchierten die Geschichte der Radierung an der Akademie, was sich als schwierig erwies, da alle Blätter vor 1945, die sich an der Akademie befanden, verbrannt sind. Nach akribischer Suche und mit der Hilfe von Galerien und Privatleuten ist es dem Team gelungen, eine repräsentative, "wenn auch nicht vollständige Ausstellung", so Lehnert, zu konzipieren. Sie ist eine bebilderte Geschichte der Radierung in Stuttgart und steht stellvertretend für die Geschichte der Radierung generell, nur, so Lehnert, "dass die Radierung an der Stuttgarter Akademie nie konjunkturellen und modischen Schwankungen unterworfen war".

Dabei spannt sich der Bogen von der sogenannten "Maler-Radierung" um 1900 bis hin zur Gegenwart. Einzelne Radierplatten, Probeabzüge und Zustandsdrucke geben Einblicke in den Entstehungsprozess einer Radierung. Und dann ist da noch der dicke Katalog, das eigentliche Herzstück des Projektes, dem auch die Ausstellung unmittelbar folgt. Volker Lehnert und auch Isabell Schenk-Weininger ist es wichtig, dass die Ausstellung keine für Akademiker und Kunstfachleute ist, sondern für den Laien konzipiert wurde. So erzählen Katalog - und auch die Ausstellung mit außergewöhnlich viel Text - von den Künstlern, den Grafiken und der Verbindung zwischen beiden. Viele Geschichte, viele Anekdoten und viel Wissenswertes machen diese auf den ersten Blick so wissenschaftliche Ausstellung sehenswert, "wenn man genau hinschaut", rät Isabell Schenk-Weininger. Da hängen zum Beispiel die Grafiken des Bietigheimer Künstlers Gustav Schönleber und seines Sohnes Hans-Otto Schönleber. Der Filius hatte zuerst Medizin studiert und entschied sich mit 39 Jahren, in Stuttgart Kunst zu studieren. Der Misserfolg seiner Werke brachte ihn dazu, ein paar Jahre später Selbstmord zu begehen.

Man muss sich Zeit lassen in der Ausstellung, in Ruhe betrachten, lesen und in Beziehung stellen. Und den Katalog, der als Gemeinschaftsarbeit an der Kunstakademie entstand und 24 Euro kostet, als Hilfsmittel sehen. "Er ist eigentlich das dickste Buch, das es über die Radierung gibt", sagt Volker Lehnert.

Info
Am Montag, 27. Juli, um 17 Uhr sind Lehrkräfte und Erzieher eingeladen, sich bei einer Führung mit der stellvertretenden Galerieleiterin Dr. Petra Lanfermann ein Bild von der Ausstellung zu machen. Eine erste öffentliche Führung findet am Sonntag, 9. August, um 11.30 Uhr mit Petra Lanfermann statt. Der Eintritt ist frei. Die Führung kostet drei Euro .

Die Radierung und ihre Geschichte

Erklärung Die Radierung ist ein Tiefdruckverfahren. Die tiefer liegenden Bereiche einer Druckplatte werden gedruckt. Diese werden mit einer Nadel oder einem Stichel in die Platte gekratzt oder geschnitten oder mit der Hilfe von Säure hineingeätzt. Zum Druck wird die Platte mit Farbe eingerieben und mit einem gazeartigen Tuch wieder blankgewischt, wobei die Farbe in den Vertiefungen bleibt. Die eingefärbte Platte wird mit einem angefeuchteten Papier bedeckt durch die Presse gezogen, wobei das Papier die Farbe in den Vertiefungen aufnimmt und ein seitenverkehrter Abdruck dabei entsteht.

Kupferstich Mit Grabsticheln aus gehärtetem Stahl und von verschiedenen Querschnitten werden Linien in eine Platte aus Kupfer geschnitten. Der dabei entstehende beidseitige Grat wird später mit einem Schaber entfernt.

Kaltnadel Mit einer spitzen Nadel aus Stahl wird die Zeichnung direkt in eine Metallplatte geritzt, wodurch eine Vertiefung mit einem Grat entsteht. Beim Einfärben der Platte bleibt Farbe nicht nur in der Vertiefung, sondern auch am Grat hängen.

Linienätzung Dazu wird die Platte mit einer Wachs- oder Lackschicht überzogen. In diese Schicht wird mit einer Nadel hineingezeichnet, wodurch das Metall freigelegt wird. Im Säurebad zersetzt die Säure diese freigelegten Stellen, wobei Vertiefungen entstehen.

Vernis Mou Die Platte wird mit einem speziellen Wachs beschichtet, welches nicht härtet, sondern weich bleibt. Auf die beschichtete Platte wird ein dünnes Papier gelegt, auf das mit verschiedenen Zeichengeräten gezeichnet werden kann.

Aquatinta Zur Ätzung von Flächen mit verschiedenen Dunkelwerten wird auf die Platte ein säurefestes Raster aufgebracht. Die dann bestäubte Platte wird von unten erhitzt, wodurch der Staub anschmilzt und in gehärtetem Zustand säurefest wird.

Mezzotinto Vor Beginn wird die ganze Platte gleichmäßig mit einem Wiegemesser aufgerauht. Mit einem Schaber oder Polierstab werden diese Höhenunterschiede im kreativen Prozess dann eingeebnet.

Geschichte Die ersten Tiefdrucke waren Kupferstiche und entstanden vermutlich um 1430. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kam die Technik der Kaltnadelradierung auf. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Flächenätzung, Aquatinta, entwickelt. Der Kupferstich verlor mit dem Aufstieg des Holzstichs im 19. Jahrhundert und mit der Erfindung von Photographie und Lithographie an Bedeutung.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Wappen
Ludwigsburg

Bietigheim-Bissingen

Einwohner: 42968 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74321
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 211 m ü. NHN
Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD)

www.bietigheim-bissingen.de/

Nachrichten aus Ihrer Gemeinde

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Evangelische Kirche: 61 Millionen Euro an Steuereinnahmen im Kreis

Nur in Stuttgart hat die evangelische Kirche in Baden-Württemberg mehr Kirchensteuer eingenommen als im Landkreis Ludwigsburg, vermeldet das Statistische Landesamt. weiter lesen