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Radfahrt gegen die Depression

Seit Wochen sind Menschen auf Rädern unterwegs, um über Depression zu informieren, Eine Station der deutschlandweiten Mut-Tour war auch Bietigheim.

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Die drei Frauen und drei Männer informierten auch in Bietigheim über das Thema Depression.  Foto: 

Sie fallen auf in der Bietigheimer Fußgängerzone. Und das liegt nicht nur daran, dass die sechs Radler mit Tandems unterwegs sind und beim Hin- und Herrangieren doch einiges an Kraft und Geschick aufwenden müssen. Sondern auch an dem großen gelben Smiley, den sich eine Frau fürs Foto vors Gesicht hält. Er soll all jene repräsentieren, sie sich nicht trauen, öffentlich über den Grund für die Radtour zu sprechen: ihre Depressionen. Die sechs tun das aber. Als eine von mehreren Gruppen sind sie derzeit auf der „Mut-Tour“ unterwegs, quer durch ganz Deutschland. Ihr Weg hat sie nun unter anderem nach Bietigheim geführt, ehe sie an diesem Samstag beim Aktionstag in Nürtingen sind.

Gestartet ist das „Team 2“ Ende Juni in Köln in Fahrtrichtung Süden bis nach Regensburg, eine weitere Tandemgruppe fuhr Anfang Juni von Heidelberg aus los, bei der vierten Auflage der Veranstaltung erstmals mit dabei sind auch zwei Teams mit Kajaks und Esel, die durch Norddeutschland touren. Von den sechs Frauen und Männern, die am Donnerstag durch Bietigheim fuhren, sind aber nicht alle vom Deutschlandstart aus dabei, auch einzelne Etappen können begleitet werden.

Mia etwa radelt seit Dienstag vergangener Woche mit. „Mehr Urlaub gab’s einfach nicht“, sagt sie und lächelt. Wie so oft während des Stopps. „Nur weil wir fröhlich erscheinen, heißt das nicht, dass wir nicht depressiv sind“, erklärt sie. Auch das soll der Smiley symbolisieren, die Fassadenhaftigkeit. Und trotz aller guten Dinge, die sie derzeit erleben, gebe es ebenso schwierige Tage. Aber dann seien die anderen als Stütze da.

Neben der Gemeinschaft helfe auch die Bewegung, die Natur – vor allem der Enztalradweg sei „sehr sehr schön und entspannend“ gewesen – und die Struktur, die der Reiserhythmus gebe: Pünktlich aufstehen, Zelte abbauen, Route planen, losfahren. Die grobe Strecke werde zwar vom Organisationsteam in Bremen festgelegt, wo der Initiator Sebastian Burger herkommt. Doch wie sie zwischen dem Start, einzelnen Gesprächsterminen und dem Zielort genau fahren, legen sie selbst fest.

Und meistens auch, wo sie übernachten. Hier in der Region geschieht das zwar bei Aktiven des Trägervereins der Tour, der Deutschen Depressionsliga, doch meistens zelten sie irgendwo. Auf der ersten Etappe habe man fast nur draußen übernachtet, berichtet Maria. „Wir haben alles dabei, und Wasser bekommt man ja immer.“ Dazu klingle mal auch an fremden Tür – und lege so die Grundlage für eines der wichtigsten Ziele: aufmerksam machen, informieren und gegen die Stigmatisierung ankämpfen. Auch in Bietigheim werden sie oft angesprochen. Viel Positives hätten sie in Gesprächen erlebt, so Mia. Und viel erklären können, wie es ist, mit Depression zu leben, und dass man weder belächelt, noch mit Samthandschuhen angefasst werden will.

Marias Arbeitgeber wisse zwar von ihrer Erkrankung, aber Verständnis gebe es wenig, ist aus ihrem Gesicht herauszulesen. „Es ist erschreckend, wie oft man hört, dass Menschen mit Depression schnell gekündigt wurde“, sagt Mia. „Die Toleranz ist nicht sehr groß“, ergänzt Maria. „Wenn etwas weh tut oder gebrochen ist, sieht man das. Aber die Seele kann man nicht fotografieren.“

mut-tour.de

Die „Mut-Tour“

Zahlen
2012 und 2014 kamen 82 Menschen mit und ohne Depressionserfahrung mit auf das ehemals als Mood-Tour (Englisch für Stimmung) bekannte Projekt. Sie radelten 5000 und 8000 Kilometer für einen offenen Umgang mit der Volkskrankheit durch die Bundesrepublik. 2015 gab es Mini-Mut-Touren. 2016 radelt Initiator Sebastian Burger mit 52 Tandemfahrern. Vier Teams legen rund 7300 Kilometer zurück, auf Rädern, im Kajak und auf Eselrücken.

Unterstützung
Veranstalter ist der ADFC Bremen, Projektträgerin die Deutsche DepressionsLiga. Unterstützung kommt von der Techniker Krankenkasse und der Deutschen Rentenversicherung Bund sowie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und dem Bündnis gegen Depression. Betroffene können sich an die Telefonseelsorge unter (0800) 111 0 111 und das „Seelefon“ unter der Nummer (01805) 95 09 51 wenden.

www.depressionsliga.de

www.deutsche-depressionshilfe.de

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www.bietigheim-bissingen.de/

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