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Polio: Impfschutz bleibt wichtig

Alljährlich am 28. Oktober findet auf dem ganzen Erdball der Welt-Polio-Tag statt, denn mit Viren, welche die Kinderlähmung auslösen können, infizieren sich immer noch Menschen vor allem in Afghanistan und Pakistan.

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Marianna Fabian leidet an den Spätfolgen von Kinderlähmung.  Foto: 

Marianna Fabian sitzt im Rollstuhl. Sie hat täglich mit Muskel- und Gelenkschmerzen, mit Müdigkeitsanfällen und Problemen mit dem Magen zu kämpfen. Die 59-Jährige leidet unter den Spätfolgen der Poliomyelitis oder spinalen Kinderlähmung. "Ich stamme aus Rumänien und hatte schon im Säuglingsalter diese tückische Krankheit. Bei uns gab es damals noch keinen ausreichenden Impfschutz. Dies hat sich zum Glück heute weitgehend geändert", betont Fabian. Nach Angaben des Bundesverbands Poliomyelitis gibt es in Deutschland rund 60.000 Betroffenen des sogenannten Post-Polio-Syndroms, häufig Menschen, die sich mit Polio-Viren infizierten und jahrelang beschwerdefrei lebten.

Die Virus-Krankheit, die vor allem Säuglinge und Kleinkinder unter fünf Jahren befällt, kann aber auch tödlich verlaufen. Dies lässt sich durch Impfung wirkungsvoll verhindern. Der amerikanische Mediziner Jonas Salk entdeckte im Jahr 1955 als Erster einen sicheren Impfstoff gegen Kinderlähmung. Der Geburtstag des US-Mediziners am 28. Oktober wurde alljährlich zum Welt-Polio-Tag erklärt, um an das Ziel der weltweiten Ausrottung der Krankheit zu erinnern. In Deutschland selbst begannen systematische Impfaktionen in der 60er-Jahren. Nach Angaben der Fachleute des Robert-Koch-Instituts sind inzwischen in unserem Land 95 Prozent aller Schulanfänger gegen Kinderlähmung geimpft. "Polio-Impfungen waren bei Kindern des diesjährigen Einschulungsjahrganges in Ludwigsburg zu 98,6 Prozent dokumentiert, wobei bei 92,7 Prozent eine vollständige Grundimmunisierung vorlag", berichtet der Gesundheitsdezernent des Landkreises Ludwigsburg Dr. Thomas Schönauer.

Allerdings gibt es noch immer Länder wie Pakistan oder Afghanistan, in denen Polio-Wildviren in größerem Maße zirkulieren. Dort werden unter anderem von den Taliban Impfaktionen bekämpft, da unter ihrem Deckmantel beispielsweise Spionageversuche des Westens vermutet werden. 80 Prozent der Weltbevölkerung gelten aber nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen als frei von Polio. In Deutschland selbst gab es den letzten einheimischen Fall im Jahr 1990. "Im Landkreis Ludwigsburg liegt der letzte Polio-Fall deutlich vor dem Jahr 1990", erklärt Schönauer. In den Jahren danach kam es jedoch in Deutschland noch zu Erkrankungen durch eingeschleppte Viren, daher ist es wichtig, dass die Immunisierung der Bevölkerung dauerhaft bestehen bleibt.

"In meiner Generation ist das Bewusstsein für Kinderlähmung noch vorhanden. Eine Klassenkameradin von mir hatte Kinderlähmung. In der jüngeren Generation jedoch hat kaum noch jemand einen Bezug zu dieser Krankheit. Die allgemeine Impfmüdigkeit ist natürlich festzustellen", sagt der im Jahr 1957 geborene Schönauer.

Bei der bis in die 80er- und 90er-Jahre verbreiteten Schluckimpfung gegen Poliomyelitis traten Probleme auf, denn dazu wurden lebende Polioviren verwendet, die neue Infektionen auslösen konnten. "Inzwischen gibt es nur noch die Impfung mit der Spritze mit einem sogenannten Totimpfstoff. Die erfolgt je nach Impfstoff drei- bis viermal im ersten Lebensjahr, einmal im zweiten Lebensjahr und als Auffrischung bei Jugendlichen zwischen neun und 17 Jahren", schildert der Gesundheitsdezernent des Landkreises.

Wer in die noch von Polio betroffenen Länder fährt, sollte seine Impfung im Rahmen der reisemedizinischen Vorsorge auffrischen, wenn diese länger als zehn Jahre zurückliegt. In den vergangenen Tagen erst verkündeten die Verantwortlichen der WHO, dass jetzt auch Nigeria von Polio befreit ist. Bis 2018 soll die Krankheit auf der ganzen Welt ausgerottet sein. "Die Impfung ist aber dennoch wichtig, damit die Ausrottung auch dauerhaft bestehen bleibt, denn Poliowohlviren gibt es immer noch in der Umwelt, beispielsweise im Wasser", unterstreicht Schönauer.

Betroffenene wie Marianna Fabian aus Bietigheim-Bissingen, die am Post-Polio-Syndrom leiden, steht meist eine lange Odyssee von Arzt zu Arzt bevor, denn die Ursache ihrer Schmerzen wird häufig zunächst nicht erkannt. "Dies ist leider bei allen ganz seltenen Erkrankungen so, denn die Schmerzen können ganz viele Ursachen haben", bekennt Schönauer.

"Inzwischen habe ich einen guten Arzt gefunden, doch die Suche war lange und nicht einfach. Auch eine Kur bekomme ich jetzt jährlich genehmigt, wenn ich will. Das war vor Jahren noch nicht so. Sogar um meinen elektrischen Rollstuhl für meine Wohnung musste ich kämpfen, denn ich konnte wegen der Schmerzen in den Armen, den normalen Rollstuhl nur schwer bewegen", ergänzt Fabian.

Aktuelle Fälle von Kinderlähmung in der Ukraine

Unzureichende Impfung Am 1. September dieses Jahres hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwei Polio-Fälle in der Ukraine bestätigt. Betroffen waren am 30. Juni und am 7. Juli zwei Kinder im Alter von vier Jahren beziehungsweise zehn Monaten im Südwesten des Landes. Dies gilt als Rückschlag für die Ausrottung der Krankheit in Europa. Laut dem Robert-Koch-Institut tritt die Art des Virus vor allem in unzureichend geimpften Bevölkerungsgruppen auf. Wie es heißt, sind die Impfquoten in der Ukraine seit 2009 stark gesunken. Laut Angaben der WHO und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen waren seit dem Jahr 2014 nur 50 Prozent der Kinder gegen Kinderlähmung und andere Erkrankungen geimpft. Aufgrund der Impflücken und der in einigen Landesteilen unzureichenden Polioüberwachung schätzt die WHO das Risiko einer weiteren Ausbreitung innerhalb des Landes als hoch ein.

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