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Pizzabäcker muss seinen Mehlverbrauch erklären

Im Wiederaufnahme-Prozess um Pizzazutaten, einen Pizzabäcker aus Bietigheim-Bissingen und den Vorwurf der Steuerhinterziehung ging es am Donnerstag vor dem Stuttgarter Landgericht in die zweite Runde.

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Am zweiten Prozesstag rechtfertigt sich ein 47-jähriger italienischer Pizzabäcker aus Bietigheim-Bissingen vor den Wirtschaftsrichtern des Stuttgarter Landgerichts energisch gegen den Vorwurf, jahrelang den Fiskus um insgesamt zwei Millionen Euro betrogen zu haben. Das Verfahren, welches zunächst auf mehrere Monate angesetzt ist, könnte aber schon nächste Woche zu Ende gehen. Nach Meinung der Verteidigerin des Angeklagten können die Steuerfahnder des Finanzamts Ludwigsburg schlecht mit Zahlen umgehen. Sie wollen nämlich herausgefunden haben, dass sich die Mehlmengen, die der Angeklagte - übrigens Inhaber von 18 Pizza-Filialen im Kreis Ludwigsburg, in Kirchheim und Heilbronn - verbrauchte, für weitaus mehr Pizzen verarbeiten ließen, als er in seinen jährlichen Steuererklärungen angegeben hat.

Schlechte Rechenaufgaben bescheinigte der Bundesgerichtshof übrigens den Fahndern ebenso, wie auch den Richtern einer anderen Stuttgarter Strafkammer, die den Italiener schon im November 2012 deswegen zu viereinhalb Jahren Haft verurteilte. Karlsruhe hob den Schuldspruch auf und verordnete dem Gericht eine Neuverhandlung. Grund: Absolut falsche Berechnungen. Seitdem ist der Pizzabäcker wieder ein freier Mann.

Jetzt kämpft er seit gut einer Woche vor der 20. Wirtschaftsstrafkammer am Stuttgarter Landgericht um seine Rehabilitation. Ein Steuerhinterzieher sei er überhaupt nicht, lässt er durch die Anwältin jetzt am zweiten Verhandlungstag vortragen. Es geht um die Mengen Mehl, das Wasser, die Hefe und die weiteren Zutaten für Pizzas, die der Angeklagte in den Jahren 2002 bis 2006 von verschiedenen Lieferanten eingekauft hatte. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsverbrechen mit Sitz in Stuttgart hatte sich daraus den Berechnungen der Steuerfahnder angeschlossen, dass die Gesamtmengen eigentlich für viel mehr Endprodukte ausgereicht hätten, als angegeben. Fazit: Zwei Millionen Steuern zu wenig bezahlt. "Falsch", kontert der Angeklagte durch seine Anwältin jetzt. Ihr Mandant sei ein angesehener und anständiger Geschäftsmann, der jetzt zum Straftäter stilisiert werde. Er kam als 20-Jähriger nach Deutschland und übernahm 1994 einen Pizzaservice in Bietigheim, der schnell expandierte.

Was den Vorwurf betrifft, klärte der Beschuldigte jetzt die Wirtschaftsrichter so auf: Mehl habe verschiedene Feuchtigkeitsstufen, ergebe demnach auch verschieden hohe Stückzahlen an Pizzen, je nach Temperatur und Wassermenge. Dazu komme die Konsistenz beim Teigkneten. Außerdem, so die gestrige Erklärung seiner Anwältin, habe er auch an Aktionen mitgemacht, Gutscheine für gute Kundschaft vertrieben, die allerdings nicht in den Büchern stehen. Obendrein habe er auch in vielen Fällen in einer Rundfunk-Werbeaktion Gratis-Pizzen verteilt. Außerdem weißt er den Vorwurf der Anklage zurück, er habe im Jahre 2005 einmal eine riesige Menge Mehl eingekauft und die daraus gebackenen Pizzen nicht angegeben. Da sei kein Mehl gekauft worden, konterte er.

Mit einem dicken Ordner voller Tabellen und seinen Berechnungen sowie mit einer Reihe Zeugen will der Angeklagte seine Unschuld beweisen. Doch möglicherweise geht der Prozess schneller zu Ende, als er terminiert wurde. Nämlich schon nächste Woche: Am Montag sollen die Schlussplädoyers gehalten werden. Die Wirtschaftsstrafkammer hat aber Verhandlungstermine bis zum 15. Juli dieses Jahres angesetzt. Verfahrensabkürzungen entstehen meist dann, wenn ein Angeklagter plötzlich geständig wird.

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