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Offene Fragen im Drogenprozess

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Als das Stuttgarter Landgericht im Februar dieses Jahres einen 36-Jährigen aus Kornwest­heim wegen Drogenhandel zu viereinhalb Jahren Haft verurteilte, ahnte man noch nicht genau, woher das Rauschgift stammte und um welche Lieferanten es ging. Dem ist das Gericht jetzt in einem Verfahren gegen einen 41- und einen 51-jährigen Niederländer nur einen kleinen Schritt näher gekommen. Die Beiden sollen große Drogenmengen nach Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen eingeführt haben.

Zwei Kronzeugen sagen aus

In diesem Prozess vor der 8. Großen Strafkammer in Stuttgart könnte es sich um einen der größten Rauschgiftfälle der letzten Jahre im Kreis Ludwigsburg handeln. Der 36-Jährige, der bereits verurteilt ist, hatte zugegeben, an die 130 Kilo verschiedene Drogen-Substanzen an Unterhändler verkauft und obendrein in seinem Keller in Kornwestheim eine Cannabis-Zuchtanlage betrieben zu haben. Dass er nur viereinhalb Jahre, anstatt einer höheren Strafe bekam, lag daran, dass er neben seinem Angeklagten-Status auch noch in den Genuss des Kronzeugen-Daseins kam. Er hatte einen anderen Dealer, der in Pleidelsheim wohnhaft war und von dort seine Geschäfte betrieb, verraten. Letztlich kam auch dieser Angeklagte mit der Freiheitsstrafe von 51 Monaten davon. Auch er durfte den Kronzeugenstatus für sich beanspruchen.

Zugriff war ein Misserfolg

Nun haben die Stuttgarter Richter aber die beiden Männer auf der Anklagebank, die für die Lieferung dieser Drogenmengen in den Raum Ludwigsburg verantwortlich sein sollen. Im Januar hatten die Drogenfahnder der Polizei in Bietigheim-Bisssingen einen Zugriff gestattet, in der Meinung, nicht nur eine große Drogenlieferung, sondern auch die Hintermänner erwischt zu haben. Doch der Erfolg war ein Trugschluss, wie jetzt von einem der Fahnder im Zeugenstand zu vernehmen ist. Man fand gerade mal 19 Gramm des Rauschgiftes.

Dennoch ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, dass die zwei Männer nicht ausschließlich wegen eines Autokaufs von einem Bietigheimer Privatmann die weite Reise aus den Niederlanden hierher machten, sondern weil sie Rauschgift lieferten. Die Rede ist von einer Tasche mit rund 20 Kilo Haschisch im Verkaufswert von fast 100 000 Euro. Die beiden bereits verurteilten angeblichen Empfänger der Drogen sollen der Strafkammer nun als Belastungszeugen dienen. Den 36-Jährigen, der in Handschellen gefesselt in den Gerichtssaal geführt wurde, hatte das Gericht bereits vernommen. Er sagte – wenig überraschend – aus, die beiden Niederländer nicht zu kennen.

Der 36-Jährige verbüßt derzeit seine Strafe. Ein Kriminalbeamter schilderte im Zeugenstand, dass der Kornwestheimer nach seiner Enttarnung mit den Fahndern kooperierte, auch zur Rettung der eigenen Haut. Den Namen seines Lieferanten verschwieg er allerdings. Doch sein Mittäter, der als Vertrauensperson der Polizei fungierte und hauptberuflich ein Tattoo-Studio in Marbach betrieb, habe beste Verbindungen zum Niederländischen Drogenkartell gepflegt. Waren die beiden Angeklagten aus den Niederlanden also die Lieferanten?

Autokauf als Reisegrund

Sie beteuerten ihre Unschuld. Man sei lediglich in den Landkreis Ludwigsburg gefahren, um ein Auto zu kaufen. Sie hätten keine Ahnung gehabt, dass sich 21 Gramm Kokain in der Jackentasche des einen Angeklagten befanden, die man dann in einen Plastikbecher verstaute und auf den Rücksitz legte. Bevor man den Stoff wie geplant wegwerfen konnte, habe die Polizeikontrolle stattgefunden.

Die Richter sind skeptisch, weil einer der beiden Angeklagten erst vor vier Jahren vom Heilbronner Landgericht wegen Drogenhandel im Wert von 180 000 Euro zu knapp sieben Jahren Haft verdonnert worden ist. Zweidrittel davon hat er verbüßt. Der Prozess wird am 14. September fortgesetzt.

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