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Budget nur knapp überschritten

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    Gerade ist der Kurs „Babys in Bewegung“ im Sportquadrat des TSV Bietigheim gestartet. Das Kinderturnen findet in der Gymnastikhalle im Obergeschoss statt. Foto: 
  • Günter Krähling, Vorsitzender TSV 1848 Bietigheim. 2/2
    Günter Krähling, Vorsitzender TSV 1848 Bietigheim. Foto: 
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Bauprojekte, die nach Beginn der Arbeiten nicht den Kostenrahmen sprengen sind selten. Laut Günter Krähling, Vorsitzender des TSV Bietigheim, gehört das Sportquadrat dazu. „Die letzten Abrechnungen stehen noch aus, aber wir haben unser Budget um maximal fünf Prozent überschritten.“ Der Komplex in der Schwarzwaldstraße kostete 5,75 Millionen Euro – das wären Zusatzkosten von 285.000 Euro. Um die Summe für die Baukosten nicht in die Höhe schnellen zu lassen, sei der Verein von einigen Wünschen wieder abgewichen: „Wir wollten ursprünglich eine Lochblechfassade. Dass wir darauf verzichtet haben, hat enorm Kosten gespart.“ Stattdessen ist es eine Wärmedämmfassade geworden.

Fachleute vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) standen vor Beginn beratend zur Seite. „Ich würde jedem Verein, der eine derart große Investition plant, raten, auf die Sportverbände zurückzugreifen“, sagt Krähling rückblickend. Mitarbeiter des WLSB haben unter anderem die Wirtschaftlichkeitsberechnung übernommen, anhand derer der Kostenrahmen festgelegt wurde. Der TSV erhielt zudem einen Zuschuss des WLSB in Höhe von 378 000 Euro. „Wir haben jede Ausschreibung für Aufträge genau definiert“, sagt Günter Krähling.

Mehr Mitglieder erwünscht

Vier Monate sind seit der Eröffnung vergangen, der Vereinsvorsitzende ist zufrieden, sieht aber noch Optimierungsbedarf: „Dass wir am Sommeranfang eröffnet haben, war nicht optimal.“ Viele Leute bevorzugten sportliche Aktivitäten an der frischen Luft, deshalb sei der Start etwas langsamer angelaufen, als „wir uns das vorgestellt haben“.

Dadurch gab es für die Mitarbeiter des Sportquadrats noch Gelegenheit, Abläufe zu verbessern. Unter anderem bei der Klimatisierung wurde noch an einigen Stellschrauben gedreht. „Wir wünschen uns mehr Mitglieder für das Sportquadrat“, sagt der Bietigheimer deshalb. Die Konkurrenzsituation in Bietgheim-Bissingen sei härter als beispielsweise in Sachsenheim. Etwa 20 bis 30 Prozent der Mitglieder im Sportquadrat sind laut Krähling bestehende Vereinsmitglieder, die anderen neu akquiriert. „Der Bedarf ist da und in Bietigheim war ein Vereinszentrum überfällig“, findet der TSV-Vorsitzende.

Etwas anders vorgestellt hatte sich der TSV auch die Nachbarschaft: Auf dem Grundstück zwischen Dojo des Judovereins und dem Sporquadrat baut die Bietigheimer Wohnbau gerade ein mehrstöckiges Bürogebäude, das als Ausweichquartier für die Ellental-Gymnasien dienen soll. Allerdings hat der TSV im ersten Stock des Sportquadrats eine Sauna eingerichtet. Bei der Eröffnung hatten die Saunagänger noch freien Blick aus dem Ruheraum bis zum Bahnhof Ellental, jetzt können die Bauarbeiter vom Gelände gegenüber den Saunagängern beim Entspannen zusehen. „Dass hier so schnell gebaut wird, war vor drei Jahren nicht abzusehen“, sagt Krähling.

Doch zur Not könne der Verein in Richtung des Pumptracks neben dem Jugendzentrum 4 D anbauen. Anschlussmöglichkeiten im Bestandsbau sind vorhanden, jedoch „es ist nichts geplant“, sagt Krähling. Der Verein hatte 500.000 Euro der 5,75 Millionen selbst aufgebracht. Was würde Krähling anderen Vereinen raten, die eine ebenso große Investition planen? „Kompetente Berater hinzuholen, der WLSB hat schon einigen Vereinen zum neuen Vereinszentrum verholfen.“ Der TSV griff sogar auf einen Architekten aus den Reihen des Sportbundes zurück. „Die Mitglieder möglichst früh miteinbeziehen und Ideen einholen“, ergänzt Krähling noch. Letztendlich trug der Vereinsvorsitzende einen Großteil der Arbeitslast. „Ich bin damals gerade rechtzeitig in Rente gegangen.“ Für den TSV Bietigheim habe sich der Neubau gelohnt, „ich würde ein derartiges Projekt nicht wieder betreuen – es war ein Ganztagsjob“, sagt der Bietigheimer.

Schaut her und lernt

Zwar ist das Sportquadrat ein privates Projekt des TSV Bietigheim und kann daher nur bedingt als Vorbild für städtische Baustellen wie den Neubau an der Hillerschule dienen. Jedoch können sich städtische Planer ein Beispiel an den Abläufen an der Schwarzwaldstraße nehmen. Das Vereinszentrum war mit langem Vorlauf geplant, der Bau stand innerhalb eines Jahres. Mit dem WLSB als Ansprechpartner hat sich der TSV die richtigen Experten ins Boot geholt. Die Kosten wurden laut Aussage des Vereinsvorsitzenden weitestgehend eingehalten.

Eine starke Leistung, wenn man bedenkt, dass es in direkter Nachbarschaft zig Bauprojekte gibt, die viel später fertig und viel teuer als geplant geworden sind: zum Beispiel der Umbau zur Gemeinschaftsschule in Sachsenheim, bei der sich die Kosten im Laufe der Jahre fast verdreifacht haben und die Kinder noch nicht mal in den Ausweichquartieren untergebracht sind. Günter Krähling kann sich und seinen Mitarbeitern also auf die Schulter klopfen: Projekt erfolgreich gemeistert. Nur die Mitgliederzahlen bleiben hinter den Erwartungen des Vereins zurück und lassen vermuten, dass die Kritiker um Milko Hess und andere Fitnessstudiobetreiber zu früh gezittert haben: Auch beim TSV stehen die Neumitglieder nicht Schlange, jeder Betreiber hat die Chance mit seinem Angebot zu punkten.

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