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Mit den Ärzten geht der Punk ab

Sie sind nicht nur "Die beste Band der Welt", sondern nach eigenem Bekunden auch "Die besten Kumpeltypen der Welt", die "Das beste Publikum der Welt" haben. Die Ärzte und 17.000 Besucher feierten eine riesengroße Sommerparty unterm Viadukt.

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Der Auftritt der Ärzte begann passend zu Bietigheim-Bissingen - mit dem Pur-Song "Abenteuerland" aus dem Off. War es eine Hommage an die Bietigheimer Band oder eher die Feststellung, jetzt kommt eine ganz andere Musik, die der Pur-Auftritte gewohnte Festplatz unterm Viadukt noch nicht gesehen hat? Sicher ist: Dieser Auftritt begeisterte die 17.000 Besucher auf dem Festplatz und die Hunderte, die außerhalb zuhörten, auch. "Wir sind nicht brav und auch nicht langweilig", stellte Farin Urlaub gleich zu Beginn fest. Und er behielt Recht. Das einzige brave und langweilige an dem Ärztival, das war der Tee, den Farin Urlaub zweieinhalb Stunden lang trank, und der ihm von Roadie Jochen immer wieder gebracht wurde. Grund, dem treuen Kameraden ad hoc ein Lied zu widmen.

Überhaupt war es weniger ein distanzierter Auftritt von Stars denn ein herzliches Miteinander von Freunden, auf und vor der Bühne. "Ihr könnt machen was ihr wollt, ihr seid jetzt Mitglied in der Ärzte-Familie", so Farin Urlaub. Und wie in einer Familie achteten Bela B. und Farin Urlaub sorgsam darauf, dass kleine Mädchen im vorderen Bereich Ohrstöpsel trugen, fragten einzelne Personen, ob es ihnen gut geht, sorgten dafür, dass Wassernachschub für die erste Reihe gebracht wurde. Und schafften sogar, dass die anwesenden Polizisten eine La-Ola-Welle begannen. Eine herzliche, wenn auch selbstironische Kommunikation führten die drei Musiker Farin Urlaub, Bela B. und Rod Gonzalez. Anekdoten wurden erzählt, Witze gerissen. Und natürlich kamen die großen Hits: "2000 Mädchen", "Lasse reden", "Hurra", "Schrei nach Liebe", "Ist das noch Punkrock?" Und die Antwort auf diese Frage: "Ihr müsst euch immer fragen, was würde Hartmut Engler sagen?" Egal, was der Pur-Sänger sagen würde, auf jeden Fall ging beim Ärztekonzert unterm Viadukt der Punk ab.

Über Sound und instrumentelle Fertigkeit der drei kann man nur eines sagen - fantastisch und perfekt, wie die Ärzte es laut des Textes in einem Song auch gerne hätten. Natürlich ging es - in den Songs sowieso, aber auch in den Plänkeleien der drei, immer wieder nur um das eine und das mit "bösen Worten", wie Bela B. anmerkte. Also versprachen sich die drei, sofort aufzuhören zu spielen, beim nächsten "bösen Wort". Das kam gleich im nächsten Lied als erstes Wort - schöne Selbstironie. Vielleicht haben die Berliner jeden der Gags, die in Bietigheim super ankamen, schon hundertmal gemacht - und trotzdem, den Fans unterm Viadukt kam es so vor, als ob alles, was die Ärzte taten oder sprachen, ein ganz exklusiver Moment wäre. Anspielungen auf Bietigheim kamen wie nebenbei: Der "H0"-Zug, der übers Viadukt fährt, "kommt doch auch, ich weiß gar nicht, warum hier in der Nähe ein Bahnhof tiefer gelegt werden muss, in der Höhe funktionierts doch auch", spielte er auf Stuttgart 21 an.

Der Unterhaltungsfaktor bei diesem Open Air war so groß wie die beiden "Gwendolines" am Bühnenrand, das Erkennungszeichen der Ärzte. Eine Spiegelgitarre, eine Gitarre aus den 1960ern oder eine Gitarre in Form von Sylt, die am Ende von "Westerland" ein Feuerwerk versprühte und immer wieder Nebelschwaden - es gab wenige, aber ausgewählte Showelemente auf der Riesen-Bühne, die Farin Urlaub, Bela B. und Rod Gonzalez vollkommen bespielten. Bela B. bearbeitet, wie man weiß, ja nur deswegen sein Schlagzeug im Stehen, damit er sich viel auf der Bühne bewegen kann. So unterbrach er Songs, um an den Bühnenrand zu gehen, BHs und "Schlüpper" einzusammeln, während Farin Urlaub - der "Marathon Man", wie Bela ironisch kommentierte - nur einmal rechts und links zu den Bühnenflügeln spazierte. Schwäbische Behäbigkeit ließen die Ärzte gar nicht zu, machten einen Klatschschnellkurs und waren überrascht, als eine Frau - "das ist ja gar nicht schwäbisch" - die Hüllen fallen ließ. "Wir sind phänomenal, fantastisch, spektakulär, einzigartig", drückte Bela B. bescheiden aus, was auf dem Festplatz in dem Moment alle spürten. Die Stimmung, die unterm Viadukt herrschte, war Partylaune - alle tanzten, alle feierten und hatten einfach Spaß. Mit den Worten der Ärzte: "Sch...egal, obs Punkrock ist, Hauptsache, es macht Spaß." Und wie.

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