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Mirò hat eine Zahnputzuhr gemalt

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Regina Wendling, Volontärin der Städtischen Galerie, übernimmt die Führungen mit den Erstklässlern aus der Gustav-Sieber-Schule in Tamm.  Foto: 

Der Zugang zu abstrakter Kunst fällt so manchem Erwachsenen schwer. Was passiert also, wenn man Kinder – begeisterungsfähig und unbedarft – mit den Werken der Künstler konfrontiert? Bei einer Führung durch die Ausstellung „Meisterwerke der französischen Moderne“ in der Städtischen Galerie in Bietigheim-Bissingen zum Beispiel. Mit dem Angebot will die Galerie die Hemmschwelle zur Kunst senken, sagt Leiterin Isabell Schenk-Weininger. Volontärin Regina Wendling betreute in den vergangenen Wochen die Workshops in der Galerie, zu Beginn jedes Besuchs ging sie mit den Schulklassen durch die Ausstellung.

„Meine Klasse ist aufgeschlossen. Ich vermute, sie betrachten die Bilder zunächst ohne zu werten“, sagte die Klassenlehrerin der 1c der Gustav-Sieber-Schule, Julia Schmidtmann. Die Lehrerin sollte Recht behalten, fast bis zum Ende. Bei der Einführung anhand der Werke von André Derain recken die Kinder die Hälse und stellen viele Fragen zu den gedruckten Seiten. Im nächsten Schaukasten liegt ein Malerbuch von Henri Matisse. Es ist gebunden, aber große und kleine Seiten wechseln sich ab, deshalb wirkt das Buch etwas ungeordnet. Die siebenjährige Mia nennt es „schlampig“, da kann sich ihre Lehrerin die Antwort „Sieht aus wie dein Heft, oder?“ nicht verkneifen. Für die Erstklässler ist zunächst unverständlich, warum die Malerbücher unter Glasvitrinen stecken und sie diese nicht berühren dürfen.

An den bunten, wie in Scherenschnitttechnik gefertigten Werken von Matisse finden die Kinder Gefallen. Als Regina Wendling auf ein Bild deutet, das die Ikarus-Sage zeigt, beginnt Mia sofort die Geschichte zu erzählen. Die Schüler aus Tamm wollen wissen, was die anderen fünf Bilder zeigen. Mit den verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten der Museumsangestellten sind sie nicht zufrieden. Scheinbar wollen die 22 Schüler eine klare Lösung haben.

Weiter geht es zu den Malerbüchern von Joan Miró. Dessen Bilder bieten noch mehr Raum für Interpretation. „Die sehen nicht schön aus“, ist die Reaktion zweier Erstklässlerinnen, auf eine Collage. Simon (7) gefallen die Bilder, weil: „Genau so male ich immer zu Hause.“ Damit bestätigt der Junge unbewusst die Parole kunstferner Erwachsener, das so manches teuere Werk auch ein Kind zu Hause mit dem Wasserfarbkasten hinbekommen hätte. „Je abstrakter die Bilder sind, desto mehr scheiden sich die Geister“, ist Wendlings Erfahrung. Und je länger die Kinder sich mit Miròs Bildern beschäftigen, desto mehr macht ihnen das Deutungsspiel Spaß. Ein Mädchen sieht eine Qualle, ein anderes einen Pinguin, einen Grill oder gar den Zahnputzwecker aus dem heimischen Badezimmer. Anschließend gestalten die Schüler ihre eigenen Malerbücher mit Klebstiften und Buntpapier..

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