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Meinungsbildung statt Meinungsmache

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„Der Dreiklang Hildebrandt – Kästner – Sittler verspricht einiges“, so Oberbürgermeister Jürgen Kessing bei der Begrüßung des zahlreich erschienenen Publikums im Kronenzentrum am Montagabend. Als Schirmherr freute er sich nicht nur auf „einen kulturellen Höhepunkt, sondern auch finanziellen Erfolg“ für die Benefizveranstaltung der Evangelischen Jugendhilfe im Kreis Ludwigsburg-Hochdorf, der es gelungen war, einen der beliebtesten deutschen TV-Schauspieler für eine Lesung zu gewinnen.

Der Stuttgarter Walter Sittler unterbrach sein Tournee-Programm, um an diesem Abend mit seinem extra dafür zusammengestellten Programm „Kästner – Hildebrandt: (K)Ein seltsames Paar“ Texte von Erich Kästner und Dieter Hildebrandt vorzutragen. Er verzichtete auf seine Gage, die ebenso wie der Erlös des Abends dem Projekt „Ausblick“ der Evangelischen Jugendhilfe zu Gute kam, ein Angebot für Kinder psychisch erkrankter Erwachsener.

Mit den ausgewählten Texten von Erich Kästner und Dieter Hildebrandt zollte Walter Sittler in seinem gut zweistündigen Programm zwei Persönlichkeiten der Zeitgeschichte Respekt, denen sich der politisch wie auch sozial sehr engagierte Schauspieler eng verbunden fühlt. Dieter Hildebrandt kannte Erich Kästner noch persönlich und beschrieb seine erste Begegnung mit ihm als einen Höhepunkt in seinem Leben. Erich Kästner gehörte zu den bedeutendsten politischen Satirikern und Kabarettautoren in Deutschland vor dem Dritten Reich. Trotz Bücherverbrennung und Berufsverbot war er auch während des Naziregimes unter Pseudonym als Autor tätig.

„Hildebrandt und Kästner hatten eine hohe Empathie für die kleinen Leute“, so Walter Sittler. Er zeichnete mit der Zusammenstellung der Texte ein eindrucksvolles Bild über die gedanklichen Auseinandersetzungen der beiden Kabarettisten im Kontext ihrer Zeit. Mit Auszügen aus Dieter Hildebrandts Rede anlässlich seiner Ehrung mit dem Erich-Kästner-Preis 2013 eröffnete Sittler die Lesung. Erich Kästners „Von der deutschen Vergesslichkeit“ oder Auszüge aus „Als ich ein kleiner Junge war“ sowie aus „Notwendige Antwort auf überflüssige Fragen“ verdeutlichten den klaren Blick Kästners auf die politischen Verhältnisse. Nicht Meinungsmache, sondern Meinungsbildung mit Witz und Satire waren bei Kästner und Hildebrandt Ziel ihrer Aussagen.

Walter Sittler gelang es, das Publikum mit seiner Rezitation, die nie imitierte, sondern immer natürlich und angenehm war, zu fesseln. Im zweiten Teil des Abends trug Sittler mit viel schauspielerischen Verve Texte von Hildebrandt vor, die sich unter anderem dem Thema „Alter“ widmeten: „Altern ist alternativlos und Würde bleibt ein Konjunktiv“. Für Oberbürgermeister Kessing wie für das begeisterte Publikum „ein genussreicher Abend.“ Und ein lehrreicher, wie Dieter Hildebrandts Aussage unterstreicht: „Sie werden mir zustimmen, meine Damen und Herren, wenn ich in diesen Krisenjahren behaupte: Ein Kästner täte uns gut.“

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