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Literatur an den Bushaltestellen

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Jonas Ott aus Hohenhaslach, Moritz Buse aus Bietigheim, Luis Mohrlang aus Sachsenheim und Robin Hoffmann aus Hohenhaslach freuen sich über den Büchersegen an der Bushaltestelle vor den Ellentalgymnasien.  Foto: 

Das gab es in Bietigheim-Bissingen noch nie: Statt auf Weihnachten zu warten, bis sich ein neuer Vorrat an Lesestoff vielleicht unter dem Tannenbaum findet, mussten Kinder und Jugendliche in Bietigheim am Dienstagvormittag einfach nur zur Bushaltestelle gehen. Dort hatten Büchereileiter Hans-Christian Pöhnl und sein Team am Abend vorher rund 200 neue Kinder- und Jugendbücher aufgehängt, heimlich, still und leise.

„Hanging books“ kennt man sonst nur in Metropolen: In Berlin hatte der Bietigheimer Leiter der Otto-Rombach-Bücherei, Hans-Christian Pöhnl, schon erlebt, dass Büchereien zusammen mit Hilfe von Spenden aus dem Buchhandel versucht haben, mit „Hanging books“ die Lesefreude bei Kindern und Jugendlichen zu steigern. „Das könnte auch in Bietigheim funktionieren“, dachte sich der Büchereileiter, schnappte sich einen Helfer, eine Leiter und Geschenkband und scheute weder Zeit noch Mühe, um Kindern auf ihrem nebeligen Weg in die Schule gestern früh eine Freude zu machen. Dafür hängten Pöhnl und sein Mitarbeiter am Montagabend stundenlang Bücher an die Bushäuschen.

Am Montagabend, als es richtig dunkel war, stiefelten Pöhnl und sein Mitarbeiter los, um an sechs zentral gelegenen Bushaltestellen mit Geschenkband Bücher zu befestigen.

Die Bücherspenden kamen kostenlos von der Umbreit GmbH, der Aufwand, die 200 Exemplare so zu hängen, dass Kinder und Jugendliche sie wahrnehmen und doch der Busverkehr nicht gestört wird, blieb an den Büchereimitarbeitern hängen, und so musste Pöhnl am Montagabend ziemlich oft die Leiter hoch und runter, bis der Büchersegen an den Bushaltestellen am Kronenzentrum, am zentralen Busbahnhof, am Rathaus in Bissingen und an der Sandschule, der Waldschule und den Ellen­talgymnasien hing.

Am Dienstagfrüh waren die Reaktionen an den Bushaltestellen zum Teil überwältigend: „So eines aus dieser Reihe habe ich schon zuhause“, freute sich Felix Grol (8 Jahre) diebisch über das große Meeresbuch aus der „Was ist was?“- Reihe, das am Faden in der Bushaltestelle Ellentalgymnasien baumelte. „Toll, dass hier auch an kleine Kinder gedacht wurde“, Monika Beyerle aus Oßweil beobachtete, dass es längst nicht mehr weit verbreitet sei, den Kindern zuhause aus Büchern vorzulesen. „Meine Tochter hat im Kindergarten Freunde, die haben gar keine Bücher zuhause, weil die Eltern da keinen Wert drauf legen“, sagte Pauline Rossnagel aus Bissingen. Alle die Kinder, denen ihre Eltern nie etwas vorlesen, oder diejenigen Jugendlichen, die von sich aus lieber am Smartphone die Finger fliegen lassen, als die Nase in ein gutes Buch zu stecken, wollen die Organisatoren von „Hanging books“ erreichen.

Ob das utopisch ist? Für einen Moment sieht es so aus, denn in einer Bushaltestelle an den Ellentalgymnasien lagen achtlos auf der Bank einige der Bücher, die dort vorher aufgehängt gewesen waren. „Hanging books“ bringt Wahrheiten ans Licht – auch die, dass Bücher vielleicht im Leben vieler Kinder heute nicht mehr die erste Geige spielen. „Ich lese nie Bücher, auf die Idee würde ich gar nicht kommen. Das wäre mir viel zu stressig, lieber schau ich meine Serie“, erklärte zum Beispiel Daniel Römer (16) aus Bietigheim.

Andere wiederum wurden von ihren Eltern mit dem Lese-Virus infiziert. „Ich liebe Abenteuer, die im alten Griechenland spielen, und genau so ein Buch habe hier entdeckt, krass“, strahlt Clemens Bergner. Das Lesen hat er von seinem Vater, sagte er, der „tonnenweise Krimis verschlingt, auch heute noch“.

„Wir haben schon beim Aufhängen der Bücher ein großes Feedback bekommen“, freute sich Pöhnl. Zumindest am Bahnhof und am Kronenzentrum seien bis Dienstagmittag alle Bücher weggewesen. „Ein Erfolg auf der ganzen Linie“, so der Büchereileiter. Da noch ein paar Bücher übrig waren, wurde am Nachmittag die Haltestelle Kronenzentrum nochmal nachbestückt.

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