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Keine Angst vor der Vergangenheit

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Lehrer Hans-Peter Lutsch merkt man die Freude über das Engagement seiner Schüler immer noch an, als er in der Ehemaligen Synagoge in Freudental das Projekt „Zukunft der Vergangenheit“ erläutert, das am Montagabend durch eine Präsentation zum Abschluss kam. „Wir waren sehr überrascht, als sich auf unseren Aufruf für das Projekt über 20 Schüler meldeten“, sagt der Lehrer an den Ellental-Gymnasien.

Kooperation Bietigheim und Freudental

Jugendliche für die Auseinandersetzung mit Geschichte und der Ableitung von Fragen für Gegenwart und Zukunft zu begeistern, ist die Idee der Kooperation der Ellental-Gymnasien Bietigheim-Bissingen und des Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge (PKC) Freudental. Die Schüler haben historische Ereignisse in der Region, in Freudental und Umgebung, erforscht. Material fand sich im Staatsarchiv Ludwigsburg genauso wie im Archiv des PKC Freudental. Das Sortieren und Bewerten sowie die Bearbeitung fand während eines Wochenendes in der Tagungsstätte des PKC statt.

Den Abschluss des Projekts bildete am Montag in der Ehemaligen Synagoge die Präsentation von fünf Schülerarbeiten. Den Anfang machte Patrick Mauch zum Thema „Julius Marx – ein Glückspilz in schweren Zeiten?“. Mauch recherchierte das Leben des in Freudental geborenen Marx und wie er den Nationalsozialismus sowie verschiedene Pleiten und einige Schicksalsschläge überlebte. Mauchs Fazit: „Ob er ein Glücks­pilz war, kann ich nicht sagen, aber er schaffte es, in schweren Zeiten durch Glück, aber auch durch seinen Durchhaltewillen, dass er überlebte“, sagte der Schüler.

Volkszorn oder Verbrechen?

Die Reichsprogromnacht in Freudental und Ludwigsburg war das Thema von Timon Blank, der vor allem der Frage nachging, ob die Ereignisse zu Lasten der Juden wie von den Nazis behauptet, „Volkszorn“ waren oder von den Nazis selbst organisiertes Verbrechen. Anhand von Aufzeichnungen konnte Blank nachweisen, dass sowohl in Freudental als auch in Ludwigsburg die Angriffe auf die Synagogen nicht in der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 geschahen, weil in beiden Orten niemand davon erfahren hatte. Erst als der entsprechende Befehl gegeben wurde, zündeten Nazi-Anhänger am 10. November gegen 13.30 Uhr zuerst die Ludwigsburger Synagoge an, dann gingen sie nach Freudental, um dort ihr Unwesen zu treiben. Bürger des Ortes verhinderten aber ein Feuer in der Synagoge.

Einem „vergessenen oder verdrängten“ Thema nahm sich Daniel Szafarski an: dem Durchgangslager für Zwangsarbeiter in Bietigheim-Bissingen und er kam zu dem Schluss, dass dies ein verdrängtes Kapitel in der Stadtgeschichte ist. Bewegend war das, was Jule Bender über das Konzentrationslager Vaihingen berichtete. Vor allem ging die Abiturientin ausführlich darauf ein, wie verschieden man mit der Vergangenheit umgehen könne: In Vaihingen hatten sich schon bald Bürger für eine Aufarbeitung der Geschehnisse im KZ interessiert, woraus eine Gedenkstätte entstanden ist.

In Bietigheim schweigt man

In Bietigheim, so Daniel Szafarski, sei bis heute noch nicht einmal eine Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Durchgangslagers installiert worden, obwohl es schon mehrere Diskussionen im Gemeinderat gab. „In Vaihingen ist es das Erinnern, in Bietigheim schweigt man“, so der Schüler.

Einem Kapitel aus der jüngeren deutschen Geschichte widmete sich Frieder Matthies. Ausgehend von den persönlichen Erfahrungen seiner Mutter und Großmutter suchte er sich das Thema „Friedensbewegung in der Region Ludwigsburg – Strohfeuer oder nachhaltiger Protest“. Eine Besucherin der Veranstaltung brachte ihre Begeisterung zum Ausdruck, dass der Schüler über Friedensmärsche, Friedensproteste und weitere Aktionen in Bietigheim-Bissingen berichtete, „von denen ich keine Ahnung hatte und die ja zur jüngsten Vergangenheit gehören“. 

Das Publikum zeigte sich am Montagabend sowieso begeistert von dem Engagement der Jugendlichen, genauso wie Barbara Schüßler, Leiterin Kultur des PKC.

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