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Jetzt ist Kreativität gefragt

Die Rektorin der Grundschule im Buch, Dorothee Glage-Saur, erwartet den Ansturm von Schülern aus der Flüchtlingswelle erst ab Januar. Sie und die für die Vorbereitungsklasse (VKL) zuständige Konrektorin Erika Ziwey sagen: "Wir schaffen das, hoffentlich".

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Konrektorin Erika Ziwey und Rektorin Dorothee Glage-Saur sind sich einig: Auch wenn viele Flüchtlingskinder an die Grundschule im Buch kommen, sie sind pädagogisch mit einem guten Konzept sowie sozial mit einem guten Netzwerk ausgestattet.  Foto: 

Frau Glage-Saur, Frau Ziwey, wie viele Flüchtlingskinder unterrichten Sie in der Grundschule im Buch derzeit?

DOROTHEE GLAGE-SAUR: Zurzeit sind es elf Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse, die in der Vorbereitungsklasse von unserer Fremdsprachenlehrerin Frau Ziwey unterrichtet werden.

ERIKA ZIWEY: Da ich selbst aus einer Flüchtlingsfamilie stamme, kann ich mich sehr gut in die Situation der Kinder und Familien hinein versetzen.

Sind bereits Kinder aus der aktuellen Flüchtlingswelle dabei?

GLAGE-SAUR: Nein. Das sind Kinder, die mit ihren Familien im Laufe dieses Jahres kamen, aber kein Deutsch sprachen. Da für Flüchtlingskinder die Schulpflicht sechs Monate ausgesetzt wird, erwarten wir die Kinder aus dieser Welle erst Anfang nächsten Jahres. Obwohl es meiner Meinung nach besser wäre, wenn die Kinder bald eingeschult würden, denn das Lernen der Sprache ist das A und O für Integration. Die viel diskutierte "Krise" kann ich im Moment noch nicht erkennen. Schauen Sie doch mal raus auf unseren Schulhof, wir sind jetzt schon eine multikulturelle Schule, die funktioniert.

Wissen Sie, mit wie vielen Kindern Sie rechnen müssen?

GLAGE-SAUR: Nein. Das erfahren wir erst, wenn die Kinder kommen. Aber wir gehen davon aus, dass es einige sein werden und dann müssen die Hausaufgaben von Land, Kommune und der Schulgemeinde gemacht werden.

Sind Sie darauf vorbereitet?

GLAGE-SAUR: Wir haben unsere Vorbereitungsklasse. Bei maximal 28 Schülern ist sie voll. Obwohl eine Klasse mit 28 Schülern in der Grundschule, dazu noch in unterschiedlichem Alter, verschiedener Herkunft und Bildung eine ambitionierte Aufgabe ist. Wir sind darauf vorbereitet und bestens eingestellt, noch 17 Schüler aufnehmen zu können, ohne dass wir in nennenswerte Schwierigkeiten geraten. Wenn es mehr werden, haben wir ein Problem, dann benötigen wir zusätzliche Lehrerstunden, die es zurzeit vom Staatlichen Schulamt nicht gibt. An der Grundschule im Buch gibt es momentan noch nicht mal eine Krankheitsvertretung.

Meinen Sie, Sie bekommen durch das Staatliche Schulamt oder das Kultusministerium dann zusätzliche Lehrerstunden?

GLAGE-SAUR: Gerade heute kam ein Schreiben aus dem Kultusministerium, in dem um Mithilfe bei der Gewinnung von Lehrern gebeten wurde. Es wird vor allem nach pensionierten Lehrern gesucht.

Haben Sie das Gefühl, die staatlichen Stellen sind auf die Welle an potenziellen Schülern vorbereitet? GLAGE-SAUR: Da die Schüler erst mit Verzögerung an unsere Schulen kommen, sehe ich schon, dass das Ministerium bereit ist, uns zu unterstützen. Wir erhalten Handreichungen und zahlreiche Fortbildungsangebote. Ich denke aber, das meiste muss an der Schule selbst geleistet werden. Vor allem, was den Umgang mit Flüchtlingskindern betrifft. Da ist Sensibilität und Kreativität gefragt, weil man auf jedes Kind individuell eingehen muss. Oft sind sie ja doppelt sprachlos, aus Unkenntnis der Sprache und weil sie unter Umständen Schreckliches erleben mussten, ihnen ein Teil der Familie fehlt oder die früheren Freunde und sie sich in der neuen Umgebung noch nicht angenommen fühlen.

ZIWEY: Wir haben an unserer Schule mittlerweile viele Kinder mit Migrationshintergrund, so dass wir gut vorbereitet sind, gute Lernmethoden haben und vor allem ein gutes soziales Netzwerk mit unserer Schulsozialarbeiterin, die die Kinder individuell begleitet. So können wir auch mit mehr Flüchtlingskindern unser Konzept von sprachlicher Ausbildung und sozialer Betreuung anwenden.

GLAGE-SAUR: Da kann ich noch hinzufügen, dass wir schon seit vielen Jahren eine sehr gut funktionierende Kooperation mit der Kirchengemeinde Sankt Johannes haben. Zweimal in der Woche bietet die Kirchengemeinde das Projekt ZLS - Zusammen Lernen Spielen an. Ehrenamtliche Jugendbegleiter bieten an zwei Nachmittagen eine Hausaufgabenbetreuung und soziales Spiel an. Gerade für Kinder mit wenig deutschen Sprachkenntnissen plant man dort ein zusätzliches Angebot.

Wie lösen Sie zu Anfang das Sprachproblem mit den Kindern?

ZIWEY: Mit Händen und Füßen und reichlich Bildmaterial. Die Kinder saugen die Sprache auf, denn in diesem Alter sind die Lernfenster für das Sprachenlernen weit geöffnet. Spiele, Reime und Lieder unterstützen diesen Lernprozess.

GLAGE-SAUR: Problematisch wird es nur dann, wenn wir keine Übersetzer finden, wie im letzten Jahr bei einem kleinen Jungen aus Bulgarien, der war verhaltensauffällig, hustete ständig und störte den Unterricht. Und als ich endlich eine bulgarische Übersetzerin gefunden hatte, hat diese in Zusammenarbeit mit unserer Sozialarbeiterin Julia Kasper herausgefunden, dass die Familie in einer total verschimmelten Wohnung lebt und der Junge allergisch reagierte. An dem Beispiel möchte ich aufzeigen, dass die Probleme oft weit über den Unterricht hinausgehen und die Unterstützung vieler Helfer notwendig ist. Zwischenzeitlich gibt es vom Staatlichen Schulamt Listen mit Adressen von Übersetzern, die wir rege in Anspruch nehmen.

Frau Glage-Saur, haben Sie die Befürchtung, dass ihre Sporthalle als Flüchtlingsunterkunft eingesetzt wird?

GLAGE-SAUR: Grundschulen stehen hoffentlich ganz hinten auf der Liste der potenziellen Flüchtlingsunterkünfte. Aber wir haben noch im November ein Schulleitertreffen, in dem die Stadtverwaltung uns informiert, wie es mit den Hallenbelegungen weitergeht.

Meinen Sie, Sie schaffen das, wenn ein Ansturm an Kindern kommt?

GLAGE-SAUR: Ja, die Bereitschaft in unserer Schule ist groß, nach Lösungen zu suchen. Da bin ich ganz zuversichtlich. Von einer Krise zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich nicht sprechen, denn mit Engagement und Kreativität hoffen wir das zu schaffen. Es ist uns ein Anliegen, unbegründete Ängste durch intensive Elterngespräche zu minimieren.

ZIWEY: Kinder reagieren auf Neuankömmlinge in der Regel neugierig und unkompliziert und unterstützen und helfen sich gegenseitig. Sie sind stolz, wenn sie mir Wörter aus ihrer Heimatsprache beibringen können.

Info In dieser Woche fragte die BZ, "Schaffen wir das?" und berichtete über Menschen, die in der Region von der Flüchtlingswelle betroffen sind, seien es Asylkreis-Mitarbeiter, Bürgermeister oder Asylsuchende.

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