Partner der

Glaubensvielfalt: 24 religiöse Gruppen im Ort

Mit so viel Brisanz hatte der SPD-Ortsverband Bietigheim-Bissingen beim Erstellen seiner Tagesordnung für die Jahrestagung gar nicht gerechnet. Am Samstagmorgen ging es um religiöse Vielfalt.

|
Türkinnen vor einer Halle in der Adolf-Heim-Straße in Bissingen. Das Bild entstand im Juni 2014. Dort will der Verein "Ditib - Türkisch-Islamische Gemeinde zu Bietigheim-Bissingen" Vereins- und Gebetsräume bauen. Es fehlt aber eine Zufahrt, die Stadt hat im November daher den Bauantrag erst mal abgelehnt.  Foto: 

Wie sieht das Miteinander der Religionen in der Stadt aus? Mit dieser höchst aktuellen Frage befassten sich am Samstagvormittag die Teilnehmer einer vom SPD-Ortsverband Bietigheim-Bissingen im Kulturraum Rommelmühle veranstalteten Diskussion. Etwa 30 Besucher, meist Mitglieder der SPD, beteiligten sich an den Gesprächen, zu denen der als Moderator mitwirkende Landtagsabgeordnete Thomas Reusch-Frey Vertreter der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Stadt (ACK), der syrisch-orthodoxen Christen sowie des Dachverbandes Türkisch-Islamische Union (DITIB) eingeladen hatte.

Bereits vor Wochen habe man das Thema auf die Agenda der Jahrestagung gesetzt, erklärte er, aber erst durch die barbarischen Ereignisse in Paris sei allen dessen brennende Aktualität bewusst geworden. Die Menschen in der Stadt wollten wissen, wie es "vor der eigenen Haustür" aussieht. Jeder Mensch habe ein Recht, seine Religion zu leben, allerdings in den Grenzen, die ihm die Toleranz gegenüber anderen Religionen gebiete. In unserem Land ist die Religionsfreiheit garantiert. Religion werde aber auch radikalisiert und somit missbraucht, so Reusch-Frey. Ziel der Gesprächsrunde: untersuchen, ob und wie die verschiedenen religiösen Verbände und Institutionen miteinander kommunizieren. Allein in Bietigheim-Bissingen gibt es 24 religiöse Gemeinschaften.

Numan Acan von den syrisch-orthodoxen Christen berichtete, dass es diese bereits seit 70 Jahren hier gebe. Deren aktuelles Hauptziel ist, eine Kirche und ein Gemeindezentrum zu bauen. "Damit wollen wir den Anwohnern und allen Außenstehenden zeigen, wer wir sind, wie wir leben", erklärte Acan. Noch bedeutsamer sei die Intensivierung der Jugendarbeit zur Erhaltung der Identität der syrischen Christen und die Pflege der aramäischen Sprache. Yilmaz Akan räumte als Vorsitzender der Gemeinschaft ein, "von der Entwicklung der Flüchtlingssituation sind wir überrollt worden". Die bereits hier lebenden syrischen Christen bemühten sich darum, ihren aus der Heimat geflohenen Verwandten zu helfen. Gegenwärtig seien der Gemeinschaft etwa 20 Flüchtlingsfamilien im Ort bekannt.

Die Ökumene zu beleben und zu pflegen, sei ein wesentliches Ziel der ACK, hob der Vorsitzende, Pfarrer Siegfried Seehofer, hervor. Der ACK gehören sieben christliche Konfessionen an. Diese habe einen Arbeitskreis für Flüchtlingsfragen eingerichtet, der sich dafür engagiere, Institutionen in den einzelnen Kirchen mit Behörden, auch dem Landkreis, an einen Tisch zu bringen, um Hilfen besser zu koordinieren.

Mit großem Interesse hörten die Teilnehmer dem Sprecher der Türkisch-Islamischen Gesellschaft in Bietigheim-Bissingen, Murat Tigli, zu. Auch seine Organisation will ein Gotteshaus errichten. Hier lebten 250 Menschen türkischen Ursprungs in 140 Familien, erklärte er. Auch ihnen sei die Förderung der Jugend wichtig. Zugleich könne es eine Plattform sein, auf der nach außen der, wie er es ausdrückte, "normale Islam" vorgestellt werde. Bisher habe es keine Probleme im Zusammenleben mit den Nachbarn und Mitmenschen gegeben. Mit der Gemeinde der- Martin-Luther-Kirche bestünden wegen der Einrichtung des eigenen Gemeindezentrums gute Kontakte. Ein Freundeskreis für Flüchtlinge sei eingerichtet worden, der sich regelmäßig treffe und sich darum bemühe, "dass die Menschen hier wieder zu Ruhe kommen".

Im weiteren Verlauf der Gespräche kam der Wunsch zum Ausdruck, die Ausbildung von deutschsprechenden Religionslehrern des Islam zu intensivieren, und es sollte auch erreicht werden, dass in den Moscheen noch mehr Imane in deutscher Sprache predigten. Erfreut stellte Murat Tigli fest, dass man zum ersten Mal mit Vertretern der syrisch-orthodoxen Christen sprechen konnte. Er wünschte sich die Fortsetzung solcher Kontakte. Thomas Reusch-Frey unterstrich abschließend die Bedeutung von Gemeinderäumen, die nicht nur das Zusammenleben in einer Gemeinde fördern würden.

Info
Am 15. Januar um 19.30 Uhr diskutieren die Jusos in der Bärenstraße 5 in Ludwigsburg über das "Unterbingungskonzept für Flüchtlinge in Ludwigsburg". Referent: Saliha Bercin, isalmischer Sozialdienst Stuttgart.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Wappen
Ludwigsburg

Bietigheim-Bissingen

Einwohner: 42968 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74321
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 211 m ü. NHN
Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD)

www.bietigheim-bissingen.de/

Nachrichten aus Ihrer Gemeinde

Mehr aus der Region
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Bietigheimer eine Runde weiter

Pishtar Dakaj hat mit seinem Gesang bei der Sendung „The Voice of Germany“ die Juroren überzeugt. weiter lesen