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Genuss an Konzerten im Kirchenraum

Geistliche Musik ist Musik für den Geist und beruhigt, rüttelt aber auch auf. Kurz gesagt, der Besuch eines kirchenmusikalischen Konzerte ist ein Genuss. Der Kantor an der Stadtkirche Bietigheim Bissingen, Burkhard Pflomm, sagt wieso.

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  • Burkhard Pflomm ist es wichtig, dass der Musik an der Stadtkirche Bietigheim, auch den Orgelkonzerten, viel Platz eingeräumt wird. 1/2
    Burkhard Pflomm ist es wichtig, dass der Musik an der Stadtkirche Bietigheim, auch den Orgelkonzerten, viel Platz eingeräumt wird. Foto: 
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Das berühmteste Beispiel im Land, wie populär Kirchenmusik derzeit ist, ist das Freiburger Münster: Allsamstäglich zieht es Hunderte von Menschen zur besten Markteinkaufszeit für eine Stunde in das Gotteshaus. Grund: ein Orgelkonzert. Genauso in der Stadtkirche Ludwigsburg: Auch hier nutzen viele Marktgeher die Gelegenheit zum samstäglichen Besuch des Orgelkonzertes um elf Uhr. Raus aus der Hektik des Marktes, rein in die Stille einer Kirche und sich in der Musik versenken, den Gedanken nachhängen, zur Ruhe kommen.

Für den Bietigheim-Bissinger Stadtkirchenkantor ist genau das der Punkt: "Die Leute lieben die Stille der Kirche und wenn die Musik erklingt, ist die zwar laut, aber ihr Herz wird still", sagt er.

Jonas, 17 Jahre alt, trifft man des öfteren in der Ludwigsburger Stadtkirche beim Orgelkonzert, genauso wie seine Banknachbarin, eine 40-jährige Frau aus Besigheim. "Ich komme eigens hierher auf den Markt und nutze den Einkauf zum Besuch des Konzertes", sagt sie. "Das ist ein Genuss, der mein Wochenende versüßt", erklärt sie weiter. Und Jonas? Der war am Tag zuvor in der Disco, früh wurde es. Mit dickem Kopf ist er in die Stadtkirche gekommen. Er muss für seine Oma einkaufen, das macht er jeden zweiten Samstag. Im Frühjahr sah er einige Menschen in die Kirche gehen und lief ihnen nach. "Das war ein tolles Erlebnis, ich habe mit Kirchenmusik eigentlich nichts zu tun, aber jetzt freue ich mich immer schon darauf", sagt er.

Ein Orgelkonzert zum Wochenmarkt bietet Burkhard Pflomm - noch - nicht an, aber um die Wirkung von Konzerten in Kirchen und Kirchenmusik im Allgemeinen weiß er, nicht nur die von kontemplativen Orgelkonzerten: "Beim Weihnachtsoratorium ist die Kirche rappelvoll, da sieht man Menschen, die sonst nie in die Kirche gehen", sagt er. Es sei die berührende Art der Kirchenmusik, die den Menschen gut täte. "Ich sehe eine richtige Tendenz, dass immer mehr Leute zu kirchenmusikalischen Veranstaltungen gehen", sagt er. Vielleicht, so Pflomm, sei es die Verquickung von "Meisterwerken" der Musik und eines christlichen, moralischen Inhalts, über die der Besucher nachdenken kann. "Mit Musik lassen sich diese Inhalte leichter vermitteln, als Predigt im Gottesdienst sind sie vielen Menschen zu moralbehaftet, in den musikalischen Texten sucht sich jeder das für ihn Passende heraus", so Pflomm. Oft seien sie aber einfach nur berührt, er hätte auch schon einige Oratorienbesucher vor Rührung weinen sehen.

Selbst Martin Luther nahm die Kirchenmusik als Hilfe zur Vermittlung seiner reformatorischen Ideen, vor allem für Analphabeten, die seine Flugblätter nicht lesen konnten. "Die neue Lehre wurde per Lied verbreitet", so Pflomm und nennt Beispiele: "Nun freut euch, liebe Christen g'mein", "Eine feste Burg" oder "Es ist ein Heiland kommen hier". Die Texte, sagt Pflomm, seien heutzutage kaum verständlich, trotzdem sei sein Bestreben als Kantor, neben dem künstlerischen Genuss auch die Inhalte zu vermitteln. Und hier sei auch die Schwierigkeit eines Kirchenmusikers: "Die meisten lieben die Mainstream-Kirchenmusik, zu einer Johannes-Passion kommen nicht sehr viele." Aber letztendlich sei jeder Besucher eines Kirchenkonzertes willkommen, ob es ihm um den Glauben gehe oder um ein meditatives Stündchen. Beim Kulturtag XXL im September, als Burkhard Pflomm einen ganzen Samstag Musik in der Stadtkirche anbot, wurde sie von zahlreichen Flanierern als Ruhepunkt auserkoren. "Viel kommen danach öfter zum Konzert", sagt Pflomm.

Konzerte in der Kirche

Zur Person Burkhard Pflomm studierte Schulmusik in Freiburg und Kirchenmusik an der Hochschule für Kirchenmusik in Esslingen (Abschluss als A-Musiker). Meisterkurse bei Arvid Gast und Heinz Wunderlich rundeten die Ausbildung ab. Seit Oktober 2000 wirkte er auf einer Kombistelle Schulmusik-Kirchenmusik an der Stadtkirche Bietigheim und am Gymnasium im Ellental. Seit 2008 ist er ausschließlich als Kirchenmusiker in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bietigheim tätig. Schon während des Studiums setzte er sich mit dem Harmonium und mit der Literatur für Harmonium auseinander. Als Organist und Harmoniumspieler ist Burkhard Pflomm inzwischen ein gefragter Solist und Begleiter.

Förderkreis Das kirchenmusikalische Leben in Bietigheim ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Neben der Bietigheimer Kantorei bereichern nun auch der Gospelchor "Grace and Glory" die Gottesdienste und Konzerte. Der Kirchenraum der Stadtkirche mit einer guten Akustik und nicht zuletzt einem hervorragenden Instrument, die Orgel, erbaut 1983 von der Firma Tzschöckel, bieten optimale Voraussetzungen zur Durchführung von Konzerten. Auch die Pauluskirche und die Friedenskirche bieten sehr gute Vorraussetzungen für ein gutes kirchenmusikalisches Arbeiten. Um auch in Zukunft Ideen und Mittel für die Kirchenmusik aufbringen zu können, wurde der Förderkreis im Februar 2005 gegründet.

Veranstaltungen Samstag, 14. November, 19.30 Uhr: Gioachino Rossini: Petite Messe solenelle, Pauluskirche.

Sonntag, 29. November, 17 Uhr: Konzert des Stadtorchesters, Stadtkirche.

Sonntag, 6. Dezember, 10 Uhr: Kantatengottesdienst mit der Bietigheimer Kantorei, Stadtkirche.

Donnerstag, 31. Dezember, 22 Uhr: Musik zum Jahreswechsel bei Kerzenschein: Werke von Bach und Mozart, Stadtkirche.

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