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Gegen den Zeitgeist, für Atomkraft

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Eberhard Gienger beim BZ-Wahlfrühstück in der Bäckerei Katz in Bietigheim.  Foto: 

Der Titelverteidiger mag es deftig: Ein Laugenweckle mit Fleischkäse und ein Buttercroissant bestellt Eberhard Gienger zum Frühstück. Es ist 8.30 Uhr am Montagmorgen. Die heiße Wahlkampfphase für den CDU-Bundestagsabgeordneten hat noch nicht begonnen, aber jetzt, Mitte August, beginnen sich die Auftritte zu häufen. Bislang allerdings geht es – der nächste Termin ist Stunden entfernt. Und so spricht Gienger beim BZ-Wahlfrühstück in der Bäckerei Katz im Bietigheimer Wohngebiet Buch entspannt über seinen Wunsch-Koalitionspartner, über den Reiz der Atom­energie und zur Frage, ob die AfD nicht die bessere Heimat für einen Konservativen wie ihn sei.

Gienger muss gewinnen. Einen Platz auf der Landesliste hat er nicht. Wenn er also zum fünften Mal in den Bundestag einziehen will, muss er im Wahlkreis Neckar-Zaber das Direktmandat holen. In einem traditionell schwarzen Wahlkreis gibt es unlösbarere Aufgaben.

Das war allerdings nicht immer so: Als Gienger im Jahr 2002 das erste Mal in den Bundestag eingezogen war, besiegte er nur hauchdünn den damaligen Träger des Direktmandates: Das war Hans Martin Bury, und der war immerhin Staatsminister im Kanzleramt unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Schon damals ist Gienger aufs Ganze gegangen. „Als Matthias Wissmann angefragt hatte, ob ich kandidieren wolle, sagte er zu mir: ,Eins müssen Sie wissen, Sie kommen nicht auf die Liste.’“ Gienger, der ehemalige Kunstturner, der am Reck Weltmeister war und noch mit 66 Jahren einen doppelten Salto schafft (“kein Problem“),  ging das Risiko ein.  „Und jetzt würde es doch komisch aussehen, wenn ich mich absichern lasse, nachdem ich es viermal ohne Listenplatz geschafft habe“, sagt er und beißt zufrieden in den Fleischkäse.

Am liebsten würde er seine CDU nach der Wahl eine Koalition mit der FDP eingehen sehen. „Mit denen haben wir die größten Schnittmengen.“ Gienger spricht aber auch von der „guten Zusammenarbeit“ mit den Sozialdemokraten, zumindest in seinen Bereichen Ehrenamt, Sport und Bildung. Zuletzt war er eher angesäuert über den Koalitionspartner. Die SPD hatte die Abstimmung über die Homo-Ehe vorangetrieben – entgegen einer Vereinbarung mit der CDU. Gienger spricht von „Koalitionsbruch“ – und stimmte gegen die Homo-Ehe: „Wir hatten ja bereits eine faktische Gleichstellung mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft“, sagt er. Ein Viertel der CDU-Abgeordneten sahen es anders als Gienger und stimmte für die Homo-Ehe.

Ist ihm die CDU unter Merkel manchmal zu wenig konservativ? Gienger tastet sich an die Antwort heran. So macht er es sehr oft, wenn es heikel wird: „Ich wünschte mir manchmal schon, dass man das Gute, das aus der Tradition heraus kommt, bewahrt, ohne sich dem Neuen zu verschließen“, sagt er vorsichtig. Schließlich landet er bei der Einschätzung, dass die CDU „vielleicht manchmal zu sehr im Zeitgeist verfangen“ sei.

Wäre dann nicht die AfD die bessere Heimat für einen Konservativen wie ihn?  Ist die AfD von heute die CDU von früher? „Nein“, sagt Gienger, schnell und entschieden. Das erste Argument, das bereits nach einer Sekunde seine Lippen verlassen hat: „Wegen Europa.“ Die AfD ist eine äußerst EU-skeptische Partei – sie will  eher einen Bund eigenständigerer Nationalstaaten. Und nein, die AfD sei auch nicht die konservative Gegenbewegung, das Korrektiv, das die CDU wieder auf konservativeren Kurs gebracht hätte, betont Gienger: „Das wäre auch ohne die AfD so gekommen.“ Die nächste Frage stellt kein Journalist, sondern ein Kunde der Bäckerei, der Gienger erkannt hat. Der Mann, Jeans, Hemd in der Hose, Mitte 50, stellt eine Frage zu dem Thema, mit dem die AfD groß geworden ist: zu Flüchtlingen. „Wie kann es sein, dass man auf Teufel komm’ raus alle integrieren muss, obwohl sich gar nicht alle integrieren lassen. Mit geringeren Kosten könnte man die Flüchtlinge doch dort unten versorgen“, sagt der Mann. Mit „dort unten“ meint er:  in den Nachbarländern der Krisenregionen des Nahen und Mittleren Ostens.

Ertappt

Die Antwort des CDU-Politikers Gienger: Wie sehr er sich über die SPD aufrege, weil die Partei nötige Schritte „konsequent abgelehnt“ hätte. „Was Sie sagen, ist genau die Argumentation, die wir schon lange verfolgt haben“, sagt der Abgeordnete. Unklar ist, ob Gienger sich in seiner Antwort auf die härtere Gangart gegen straffällige Flüchtlinge bezieht oder auf die Hilfe „dort unten“. Denn auch die Bundesregierung, deren Chefin nunmal Giengers Parteifreundin ist, hatte internationalen Hilfsorganisationen die Gelder gestutzt, was die Hilfe „dort unten“ erschwert hat. Erst danach ist 2015 die große Flüchtlingswelle über Deutschland gekommen. Der Wahlkämpfer Gienger sagt davon nichts. Nachdem der Mann gegangen ist, und der Politiker von der BZ auf diese Fakten angesprochen worden ist, räumt er ein: „Das war damals nicht alles richtig.“ Man habe das ja dann korrigiert. Er grinst ertappt und nimmt es sportlich.

Beim Erdbeersmoothie ist wieder der Zeitgeist an der Reihe. Und die Zukunft. Für Gienger bedeutet das: Energie. „An diesem Thema hängt unsere Zukunft“, sagt Gienger. Denn wenn die Mehrheit der Weltbevölkerung damit anfange, im gleichen Umfang wie wir Ressourcen zu verbrauchen, werde es brenzlig.

Was folgt für Gienger daraus?  Brauchen wir künftig doch mehr Kernenergie als geplant? „Das will ich nicht sagen“, antwortet er vorsichtig, sagt es dann aber doch: „Aber zumindest als Absicherung würde ich sie nicht außen vor lassen.“ Er will mehr Gelder für die Forschung: „Vielleicht lässt sich ja die Halbwertszeit der gefährlichen Stoffe reduzieren.“ Wenn es darum gehe, die Energieversorgung für die Welt der Zukunft zu sichern, habe man derzeit nur zwei Alternativen: „Schlecht und sehr schlecht“, sagt Gienger und trinkt seinen Erdbeersmoothie aus.
www.gienger-mdb.de

Alter:   66 Jahre

Wohnort: Bietigheim-Bissingen

Hobbys: Sport jeglicher Art, Briefmarken und Münzen sammeln (derzeit keine Zeit), Lesen

Lieblingsfilm: „Ladykiller“ – ein Klassiker der „Schwarzen Komödie“

Lieblingsbuch: John Grisham, „Die Jury“ – leicht zu lesen und spannend

Lieblingslied: Reinhold Mey „Zeugnistag“ – Das Lied  handelt von bedingungsloser Liebe und Hilfestellung, wenn es darauf ankommt.

Was ist Ihr wichtigstes bundespolitisches Ziel?  In der Forschungspolitik: die Verbesserung von Speichermöglichkeit von Strom, um eine geringere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu erreichen.

In der Sportpolitik: die Umsetzung der Spitzensportreform.

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen? Durch bessere Vernetzung von Wissenschaft und Politik, Schaffung der notwendigen Voraussetzungen, mehr Förderung durch Politik und Wirtschaft.       

Die Umsetzung der Spitzensportreform: in enger Kooperation mit dem DOSB und häufiger Austausch mit dem Sport.

Zwei weitere bundespolitische Ziele? Gute Rahmenbedingungen schaffen für die Wirtschaft (weniger Bürokratie, Erbschaftssteuer vernünftiger Rahmen), keine Vermögenssteuer. Leichtere Bereitstellung von Wagniskapital für Start-ups. Stärkung der Bildungspolitik und der Dualen Ausbildung.

Warum soll man sie wählen? Weil ich mich zuverlässig für die Belange und Anliegen der Bürgerinnen und Bürger, wie auch der Kommunen meines Wahlkreises, in Berlin und hier vor Ort eingesetzt habe und dies auch in Zukunft mit aller Kraft tun werde.

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