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Französische Wochen: Vincent Klink gastiert im Kleinkunstkeller

Am Montag stellte Sternekoch Vincent Klink im ausverkauften Kleinkunstkeller in Bietigheim sein neues Buch "Ein Bauch spaziert durch Paris" vor. Er präsentierte sich als leidenschaftlicher Jazz-Posaunist.

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Sternekoch Vincent Klink las im Kleinkunstkeller aus seinem neuen Buch "Ein Bauch spaziert durch Paris".  Foto: 

Er kocht in seinem Degerlocher Restaurant Wielandshöhe und im ARD-Buffet, schreibt kulinarische Bestseller und ist ein exzellenter und scharfsinniger Beobachter. Und Vincent Klink ist ein leidenschaftlicher Musiker. Ein ganzes Berufsleben stecke in seinem neuen Buch, schickt Meisterkoch Vincent Klink voraus. Und dieses Berufsleben ist ein langes, buntes und sehr erzählenswertes: Seit über 40 Jahren steht der 66-Jährige an den Herden der Republik und führt seit 1991 gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth, der "fleischgewordenen Kalaschnikow", die Wielandshöhe. Die Arbeit dort lasse ihm nur wenig Zeit zu reisen, bedauert er. Doch wenn er ein paar Tage Luft habe, ziehe es in an die Seine. "Frankreich und Paris haben es mir angetan", bekennt Vincent Klink aus vollem Herzen und gerne auch mit vollem Magen. Davon zeugt nicht zuletzt der Titel seiner in Buchform gepackten Frankophilie, an die der Verfasser die Besucher rund zwei Stunden teilhaben lässt. "Ein Bauch spaziert durch Paris" nimmt die Zuhörer mit nach Paris, in die Stadt, "in der als junger Mensch für mich beruflich der Hammer hing" und die er bis heute sehr gerne bereist.

Wörtlich zitierend oder mündlich: In seiner schwäbisch-pragmatischen, wortwitzigen und unterhaltsamen Art offenbart Vincent Klink publikumswirksam, warum er ein bekennender Frankreich-Fan ist. "Da ist, ganz klar, die Freude am Tisch. Die gefällt mir." Er sei beeindruckt, wie viel Geld die Nachbarn auf der anderen Seite des Rheins fürs Essen ausgeben. "Da tun wir uns im Schwabenland ja etwas schwer", sagt er augenzwinkernd und es sind diese Randbemerkungen, für die ihn sein Publikum liebt.

Apropos Geld: Vincent Klink gibt zwar den Normalo, spielt aber doch in einer anderen Liga: Welcher Familienvater mit Durchschnittseinkommen kann sich schon während eines Paris-Trips mal eben ein 200 Euro teures Mittagsmenü für sich und den 15-jährigen Filius leisten? "Ich bin nicht wie all die anderen Touristen eine Stunde angestanden, um den Eiffelturm hochzufahren", erzählt er und ist ganz Sterne-, Fernsehkoch und Erfolgsautor. "Ich bin zum roten Teppich und wurde von Dienern in Livree zum Zwei-Sterne-Restaurant ,Le Jules Verne' geleitet, wo ich meinen Sohn in Sachen Genuss unterrichten wollte." Klar, dass ein Spitzenverdiener sich ab und an mal einen Campari in einem Palast-Hotel gönnen kann. "Der koschd halt dann mal 25 Euro. Aber das isch es wert." An die Normalverdiener im Publikum richtet Vincent Klink seine persönlichen Paris-Spar-Tipps. "Ich buche immer im Voraus im Internet eine Fahrt bei der französischen Eisenbahngesellschaft und nicht bei der Deutschen Bahn", verrät er. "Da kommsch jetzt vor Weihnachten für 39 Euro nach Paris", sagt der Schwabe. Ins Schwärmen gerät Vincent Klink angesichts der architektonischen Schönheit der Seine-Stadt. "Die Bahnhofshalle erhebt sich wie eine Kathedrale", liest er aus seinem Werk. "Das kann man vom Stuttgarter Bahnhof ned grad sagen", fügt er verschmitzt hinzu und erzählt mit Hingabe von all den Bauten, die es ihm angetan haben, vom jüdischen Viertel und von den Museen. "Die mir liebste Gemäldesammlung findet man im Musée d'Orsay", liest er aus seinem Buch. Dort hänge das "Stillleben mit Zwiebeln" von Paul Cézanne, so Vincent Klink, der dann gekonnt den Bogen zu guten und schlechten Zwiebelsuppen und ihren eventuellen unangenehmen Begleiterscheinungen schlägt. Jetzt ist er ganz der in Schwäbisch Gmünd aufgewachsene Sohn einer "Rock 'n' Roll-Mutter mit Nescafé und Dosen-Ravioli" und einem Tierarzt, "der mich mit rustikaler Pädagogik aus dem ganzen Künstlerischen rausgekickt hat." Ein Mann, der es "zu ebbes gebracht hat" und dabei nie die Bodenhaftung verloren hat. Doch, halt, er verliert sie doch: Wenn er mit seinem kongenialen Partner Patrick Bebelaar, seinem "Blindenhund am Flügel", Musik macht. Da baumelt der Musikliebhaber Vincent Klink lässig mit einem Bein und bläst bei "den Liedern, mit denen ich aufgewachsen bin", dem Jazz und Bebop von Louis Armstrong, Charly Parker und all den anderen in die Posaune, als ob es nichts anderes gäbe im Leben des Vielbeschäftigten.

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