Partner der

Erfolg mit zufriedenen Näherinnen

Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch wächst der Druck auf die Industrie. Auch Olymp produziert in dem Land, aber nicht um jeden Preis - im Gegenteil. Olymp-Chef Mark Bezner erklärt die Unternehmensphilosophie.

|
Der Auftritt von Olymp bei der Panorama in Berlin: Der Hemdenhersteller aus Bietigheim-Bissingen lässt seine Textilien in Osteuropa und Asien fertigen - unter sauberen Bedingungen, wie das Unternehmen versichert.  Foto: 

So schlimm die Katastrophe von Bangladesch am 24. April mit mehr als 1.000 Toten auch war, Mark Bezner, Chef des Bietigheim-Bissinger Hemdenherstellers Olymp, kann nur hoffen, dass nach dem Fabrikeinsturz endlich ein Ruck durch die Branche geht und Billiganbieter dort nicht länger unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen produzieren können. Tatsächlich haben nach dem schweren Unglück, das nicht das erste seiner Art war, vor allem die großen Handelskonzerne wie Kik, H&M oder etwa Metro und Otto reagiert und sich einem internationalen Abkommen für mehr Sicherheit in den Fabriken Bangladeschs angeschlossen.

Wie stark der Druck ist, zeigte sich jüngst bei einer Talk-Show mit Günther Jauch, bei der die großen Textilunternehmen dem Talkmaster reihenweise Absagen erteilten. Olymp gehörte nicht dazu. Er sei auch nicht gefragt worden, erklärt Bezner. Und wenn, dann wäre er in die Sendung gekommen, um seine Philosophie beziehungsweise die des Unternehmens zu erklären. "Ich kenne die Fabriken in Bangladesch, in denen in schmutzigen, dunklen und völlig überfüllten Produktionshallen unter unfassbar schlimmen Bedingungen Textilien zu Spottpreisen hergestellt werden", sagt Bezner, der mit solchen Unternehmen vor Ort nie kooperieren würde, wie er versichert.

Aber auch Olymp-Mode kommt aus Asien, seit 20 Jahren aus Indonesien und seit zwei Jahren aus Bangladesch. Das Bietigheim-Bissinger Traditionsunternehmen lässt dort eine Million Hemden jährlich vom Kooperationspartner Interfab der Viyellatex Group nähen. Das entspricht etwa einem Zehntel der Jahresproduktion. Olymp-Fertigungen stehen außerdem noch in Osteuropa, Vietnam und China. Allein in Asien sind 5.000 Menschen mit der Produktion von Olymp-Hemden beschäftigt, in Bangladesch sind es 700.

Und diese 700 müssen nicht unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. Da kann sich Bezner nach eigenen Angaben sicher sein. Denn für Olymp zählt nicht nur der Preis, sondern das Unternehmen muss auf Qualität achten. Olymp hat einen Namen zu verlieren. Deshalb sind die Firmen, mit denen die Schwaben zusammenarbeiten handverlesen. Das hat Tradition. Schon Bezners Vater Eberhard achtete bei seinem Fernost-Engagement darauf, dass die Produktionsbedingungen stimmen. Bis heute engagiert sich Olymp - auch über die Olymp-Bezner-Stiftung - sozial in den jeweiligen Ländern. Der Arbeitgeber aus Deutschland finanziert Schulen, Infrastruktur und ärztliche Versorgung.

Ein Aufwand, der sich für Olymp auszahlt. "Qualität wird nicht in düsteren, krank machenden Fabrikhallen von unterernährten und unzufriedenen Näherinnen erzeugt", sagt Bezner. Deshalb achte man darauf, dass es den Beschäftigten gut gehe, dass die sozialen Standards stimmten und Überstunden vermieden würden.

Aber kann er da so sicher sein, in einem Land, in dem eher weg- als hingeschaut wird? Bezner ist davon überzeugt, dass das Olymp-Prinzip funktioniert. Natürlich sind auch Olymp-Hemden zertifiziert, aber das allein gibt dem Unternehmen noch längst keine Sicherheit. Bezner setzt auf "maximale Einflussnahme" aus Bietigheim-Bissingen, wie er es nennt. Bevor ein Vertrag mit einem Hersteller am Ort abgeschlossen wird, müssen Standards erfüllt sein, von denen sich der Chef persönlich überzeugt. Das Unternehmen steht dann unter ständiger Beobachtung. Man überlasse die Produktion nicht den Kooperationspartnern, erklärt der Firmenchef. Olymp-Mitarbeiter seien ständig in Bangladesch und anderswo präsent. Es gebe regelmäßige Betriebsbesuche von Olymp-Reisetechnikern und zwei bis drei Mal im Jahr kommt der Chef selbst auf Visite. Darüber hinaus setze man auf langfristige Kooperationen. "Die Zusammenarbeit ist sehr eng, wiederholte Lieferantenwechsel gibt es nicht", so Bezner.

Viyellatex sei für ihn ein "idealer Partner", versichert er. Tatsächlich hat das Unternehmen einiges vorzuweisen, was eigentlich nicht in die Vorstellung der Textilverarbeitung in Bangladesch passt. Das Unternehmen ist ein Vorzeigebetrieb in dem bitterarmen Land und will bis 2015 den Status "bestes und höchst angesehenes Unternehmen Bangladeschs" erreicht haben. Es hortet schon jetzt Auszeichnungen für besondere Leistungen aus den Bereichen Umwelt und Soziales. Die Viyellatex-Spinnerei ist die erste durch Fair Trade zertifizierte Produktionsstätte in Bangladesch und garantiert: keine Diskriminierung, keine Zwangsarbeit, keine Disziplinarmaßnahmen, keine Kinderarbeit, Versammlungsfreiheit und das Recht auf Gewerkschaftsbildung.

Rahmenbedingungen, von denen die Mitarbeiter in der eingestürzten Textilfabrik nur träumen konnten und von denen ein Großteil der Textilproduktion in Bangladesch weit entfernt ist. Bezner schätzt, dass er die Lohnkosten um mehr als 50 Prozent drücken könnte, würde er in anderen Fabriken fertigen lassen. Viyellatex zahle 20 Prozent über dem Industriestandard, was dem gesetzlichen Mindestlohn entspreche. Bezner ist daran interessiert, dass sich in dem Land etwas ändert. "Der Preiskampf der Großen setzt uns ebenfalls unter Druck", gibt Bezner zu. Auch Olymp muss wirtschaftlich produzieren und geht deshalb in die Länder, in denen die Textilindustrie stark ist und die Stückkosten niedriger als anderswo sind. Und da zieht die Karawane in regelmäßigen Abständen weiter. China war lange das Stammland der Textilherstellung. Mittlerweile verlagern sich die Schwerpunkte im asiatischen Raum, "weil es für die Hersteller immer schwieriger wird, Mitarbeiter zu finden", so Bezner.

Bangladesch wird nach seiner Einschätzung noch sehr lange zu den führenden Produktionsstandorten der Textilindustrie gehören. Damit sich in dem Niedriglohnland etwas ändert, müsse Druck auf die Regierung ausgeübt werden, nicht nur Standards festzulegen, sondern deren Einhaltung auch konsequent zu überwachen.

Und nicht zuletzt müsse sich auch am Konsumverhalten in Europa, speziell in Deutschland etwas ändern. "Wir haben eine ungebrochene Billig-Mentalität in unserem Land. Aber es muss jedem klar sein, dass ein Hemd für unter zehn Euro Ladenpreis nicht unter sauberen Bedingungen hergestellt worden sein kann."

Aber auch Olymp will auf die Katastrophe von Bangladesch reagieren und die eigenen hohen Anforderungen in der Herstellung noch stärker als Marketinginstrument einsetzen. Noch in diesem Jahr werde die komplette Produktionslinie online nachvollziehbar sein.

Olymp

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Wappen
Ludwigsburg

Bietigheim-Bissingen

Einwohner: 42968 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74321
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 211 m ü. NHN
Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD)

www.bietigheim-bissingen.de/

Nachrichten aus Ihrer Gemeinde

Mehr aus der Region
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Tatort-Musik dank der Bietigheimer Musikschule

Ehemalige Schüler aus dem Kreis, die ehemals an lokalen Musikschulen unterrichtet wurden, haben es geschafft, und sind professionelle Musiker geworden. Ein Überblick. weiter lesen