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Eine Kuh als Wahrzeichen

Sich mit Kunst zu schmücken - das steht einer Stadt wie Bietigheim-Bissingen gut zu Gesicht. Wenn dann noch moderne Kunst zum Wahrzeichen wird, wurde alles richtig gemacht. Das Ku(h)riosum von Jürgen Goertz hat das geschafft.

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Zuerst löste die Kuh des "Ku(h)riosum"-Brunnens nicht nur Begeisterung aus. Heute ist sie so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt.  Foto: 

Im besten Falle wird über Kunst gestritten, das liegt im Wesen der Kunst. Über das Ku(h)riosum und den Turm der Grauen Pferde von Jürgen Goertz stritt die öffentliche Meinung heftig. Heute ist das Schnee von gestern, die beiden Tierskulpturen aber stehen immer noch. Besser: Sie gehören mittlerweile zum Stadtbild von Bietigheim-Bissingen wie das Viadukt. Der Kuhbrunnen ist sogar nahe dran, die Eisenbahnbrücke als Wahrzeichen der Stadt abzulösen. Dabei kommt die 1987 aufgestellte überdimensionale Milchkanne mit der Kuh oben drauf nicht im Mindesten an das Alter des Viadukts heran. Tiere wurden in der Kunst zu allen Zeiten als Motive gewählt und die Stadt Bietigheim-Bissingen und ihre Künstler zeigen zahlreiche Beispiele dafür.

Der Künstler Jürgen Goertz hat mit seinem Entwurf vom Kuh-Brunnen schon bei der Vorstellung große Kontroversen ausgelöst. Auf Gegenliebe stieß das Kunstwerk zuerst wahrlich nicht.

Heute sind die Stadt und ihre Bürger stolz, neben der Bundeshauptstadt Berlin (am neuen Hauptbahnhof) mit der Kuh am Kronenplatz und dem Turm der Grauen Pferde am Hillerplatz ebenfalls Werke des renommierten Künstlers zu besitzen. Damals aber waren die Bürger der Meinung, zu provinziell käme die Stadt weg durch die Anspielung auf den ländlichen Charakter der Kuh auf der Milchkanne. Vom schlechten Geschmack, dem man dem Künstler vorwarf, mal ganz abgesehen. Den Verweis Goertzs auf Fehlentwicklungen im Verhältnis des modernen Menschen zu seinen vierbeinigen Zeitgenossen erkannte 1987 noch niemand. Doch Goertz sah damals schon voraus, dass der Brunnen in der Zukunft vielleicht ein Denkmal für die Milchkuh ist, wenn die Menschen tatsächlich denken, die Milch käme aus dem Tetrapak.

Die Stadt Bietigheim-Bissingen hat traditionell ein Faible für tierische Kunst. Das liegt sicher in erster Linie an dem Bietigheimer Künstler Fritz Melis, der von 1958 bis zu seinem Tod 1982 in seinem Künstlerhaus mit Ateliergarten in Bietigheim lebte, in dem heute noch seine Tochter wohnt.

Das Thema von Melis plastischen Arbeiten waren stets Tiere. Und so leistete sich die Stadt einige seiner Skulpturen. Bei der Deutschen Post am Bahnhof fliegen Tauben aus Metall auf. Diese Vogelgruppe ist typisch für Melis Werk: Fernab jeder naturalistischen Darstellung sind die Tiere trotzdem erkennbar und auch die Bewegung zeigt sich deutlich. Seine Arbeiten sind absolut abstrakt und doch scheinen sie gegenständlich zu sein. Wie durchdachte Architektur steht die Plastik da und scheint sich, trotz des schweren Metalls, in die Luft zu erheben. Im selben Strickmuster sind auch seine "Auffliegenden Vögel" am Badepark Ellental gearbeitet.

Im Buch stehen Truthahn und Hennen des Künstlers, die ein Jahr später, nämlich 1968, entstanden sind. Hier ist die realistische Re-Orientierung von Fritz Melis nach seiner abstrakten Phase deutlich zu spüren, wie auch beim Pavian vor dem Schloss (1970) oder den Ziegen im Bürgergarten. Auch der Bietigheimer Künstler Leonard Oesterle, der 1956 nach Toronto in Kanada auswanderte, hinterließ seiner Heimatstadt neben menschlichen auch tierische Skulpturen. In der Pferdemarktstadt darf natürlich ein Pferd, nämlich das "Junge Pferd" von Oesterle aus dem Jahr 1974, nicht fehlen. Wie ein abgemagerter Torso, auf seine primären Merkmale reduziert, steht das Bronzepferd auf einem Sockel. Fern der Heimat war es für Oesterle Ausdruck des Heimwehs. Ebenfalls ein Pferd schenkte Alfred Geiger, der vor über 50 Jahren von Bietigheim in die USA auswanderte, 2004 seiner Heimatstadt. Alljährlich besucht Geiger den Pferdemarkt und so verwundert das Geschenk nicht. Der US-Künstler Douglas Van Howd schuf ein sehr naturalistisches, gefälliges Pferd in Bronze, das am Enzsteg steht.

Info Die Städtische Galerie zeigt vom 26. Juli bis zum 12. Oktober die Ausstellung "Nicht nur Skulptur - Die Bildhauer der Skulpt(o)uren in Bietigheim-Bissingen".

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