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Ein Leben hoch oben über der Stadt

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    Stefan Geiger, Prokurist der Bietigheimer Wohnbau, sieht von seinem Balkon aus weit über die Stadt – spürt dabei aber auch die Kraft des Windes. Foto: 
  • Für ihn ein Herzstück seiner Wohnung: die Küche mit Abzug direkt im Kochfeld. 2/3
    Für ihn ein Herzstück seiner Wohnung: die Küche mit Abzug direkt im Kochfeld. Foto: 
  • In der Nachbarschaft entstehen ein Ärzte- und ein Parkhaus. 3/3
    In der Nachbarschaft entstehen ein Ärzte- und ein Parkhaus. Foto: 
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Wer Stefan Geiger besuchen will, muss erst durch Baustellen.  Dort, wo im Herbst ein Parkhaus am Bietigheimer Bahnhof eröffnen soll, sind Arbeiter gerade am Treppenhaus beschäftigt. Und am medizinischen Dienstleistungszentrum, dessen Fertigstellung in den letzten Zügen liegt, rangiert gerade ein Lastwagen und versperrt die Fahrbahn der Borsigstraße. Dazwischen liegt das „Sky“-Hochhaus der Bietigheimer Wohnbau, in das deren Prokurist Geiger im vergangenen Oktober eingezogen ist.

Doch auch im Innern ist noch nicht alles fertig. Auf einem Terminal mit Touchscreen vor dem Eingang tippt man ein, zu wem man möchte. Nachdem die Schiebetüren aufgegangen sind, wartet vor den Aufzügen ein weiterer Bildschirm zur Wahl des Stockwerks. Einer der beiden ist zum Schutz mit einer Art Matte verkleidet, für die noch folgenden Umzüge.

Und davon wird es noch einige geben. Bislang sind zwar fast alle Wohnungen zwischen dem zehnten und 17. Stockwerk schon verkauft oder vermietet, unter anderem auch die beiden obersten zusammen, doch mit 13 ist erst rund ein Drittel auch bezogen. „Das war interessant, als man am Anfang fast allein war“, sagt Geiger über seine ersten Wochen im Herbst in seinen gemieteten 76 Quadratmetern. Auf den Wegen durch das Haus war es sehr ruhig, die Baustellen dafür umso stärker spürbar, ebenso Kinderkrankheiten der Technik. Und die ist nötig in dem Hochhaus.

Mehr als 30 Meter unterhalb Geigers Wohnung durchfährt gerade ein Regionalexpress die Gleiskurve Richtung Ludwigsburg. Doch hören tut man ihn nicht, höchstens dann, wenn er am Bahnsteig bremst oder losfährt. Dass es so vergleichsweise leise ist, dafür sorgen zum einen die doppelt isolierten Fenster – und ein „kleines Rauschen“, wie er es nennt: die Klimaanlage, die meistens läuft. Das sei zwar ungesund und erhöhe den Stromverbrauch, weshalb er sie auch nicht immer laufen lasse. Aber es bedeute eben auch Komfort. Und mehr Ruhe. Denn bei geöffneter Balkontüre hört man die Züge, zudem spürt man die Kraft des Windes. „Im Sommer wird‘s interessant zu sehen, ob man trotzdem lüften kann“, sagt er angesichts der schon ausgetesteten Sogwirkung bei offener Balkontüre und Fenster im Schlafzimmer.

Und wie standfest seine Balkonmöbel sind. Für die gibt es eigens Haken in der Mauer, durch die man Ketten zur Befestigung ziehen kann. Nicht alle Möbel kamen infrage, aufgrund eines geringen Gewichts sei schon das eine oder andere ausgeschlossen gewesen. Aber seine Höhenlage habe auch einen Vorteil: Wenn die Sonne scheine, komme schon ordentlich Power von oben. Und draußen sitzen will der Hochhaus-Fan, in dessen Wohnzimmerregal gleich mehrere Miniaturausgaben von berühmten Vorbildern stehen, hier oft.

Was für ihn aber mit am meisten zählte, war die Lage und die Ausstattung, wenngleich die viele Technik die Nebenkosten – ohne Strom – auf drei Euro pro Quadratmeter hochtreibt. Nicht nur, dass er sich das frühe Aufstehen nun sparen kann, um von seinem bisherigen Wohnort Metzingen nach Bietigheim zu kommen. Drei Minuten zum Bahnhof und 16 Minuten bis nach Stuttgart, dazu nur knapp eine Viertelstunde zu Fuß bis zum Arbeitsplatz oder samstags zum Markt. Und das von einem komplett neuen Gebäude aus, das einen für ihn idealen Grundriss hat. Mit viel Glas, zwischendrin Betonpfeilern als „schöner Kontrast“. Herzstück des großen Zimmers ist die Küche: „Ich hatte noch nie eine Wohnung mit einer Kochinsel“, schwärmt er. Noch dazu mit einem Abzug, der direkt auf dem Induktionsfeld sitzt und leicht zu reinigen sei. „Das alles ist echt durchdacht.“ So viel Technik kostet aber auch: pro Quadratmeter bezahlen Eigentümer zwischen 4500 und 5200 Euro.

Und von außen? Zu hoch, unpassend für die Gegend und ein Äußeres, das ein Stadtrat bei der ersten Präsentation mit einem Doppel-Whopper verglichen hat, war an Kritik zu hören. Hochhäuser seien halt einfach nicht so sehr ein deutsches Ding, sagt Geiger, wenngleich die im Buch sogar noch etwas höher seien. Doch für Bietigheim sei das Sky („leider braucht man manchmal englische Begriffe“) ein wichtiges Projekt. „Hier war eine Brachfläche, da musste man ja etwas tun.“ Spreche er mit Menschen von außerhalb, könnten viele mit dem Namen etwas anfangen.

Das Äußere – geprägt durch die leicht versetzt geschwungenen, komplett umlaufenden Balkone auf jeder Ebene – vergleicht er lieber mit dem Marco-Polo-Tower in Hamburg und findet es „einfach schön“, wie er mehrfach sagt. „Manchmal muss es eben auch ein bisschen ungewöhnlich sein.“

17 Stockwerke hoch ist das 67 Meter hohe Sky-Hochhaus am Bietigheimer Bahnhof. Mehr als 200 Betonpfähle mussten als Unterbau zwischen neun und 15 Metern tief in den Boden gerammt werden, insgesamt wurden für den Bau 7000 Kubikmeter Beton und 1250 Tonnen Stahl verarbeitet. Im April 2014 hatten die Bauarbeiten für das Projekt begonnen, im Januar 2016 war Richtfest. Bis in zwei Monaten soll alles inklusive der Außenanlage soweit fertig sein, heißt es beim Bauherrn Bietigheimer Wohnbau.

Die untersten Stockwerke bis einschließlich dem neunten sind für Gewerbe reserviert. Größter Mieter ist die Anwaltskanzlei Cavada & Lüth auf fünf Stockwerken. Noch freie Gewerbeflächen gibt es auf der kleineren Hälfte im Erdgeschoss neben der Fahrschule, ebenso noch unbelegt sind eine Einheit im ersten und zwei im zweiten Stockwerk. Aktuell liefen aber Gespräche, heißt es bei der Wohnbau.

Wohnungen gibt es vom 10. bis 17. Stockwerk, wobei die beiden obersten Etagen einem einzigen Besitzer gehören. Kleinkinder gehören derzeit nicht zu den Bewohnern. Sollten einmal welche einziehen, muss die Wohnbau einen Spielplatz einrichten, der damals gestellte Antrag, von der in der Landesbauordnung vorgesehenen Pflicht dazu befreit zu werden, würde damit hinfällig. jsw

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