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Ein Kommunikationsexperte bewertet die Wahlkampfmaterialien zum Bürgerentscheid

Der "Wahlkampf" vor dem Bürgerentscheid ist in der heißen Phase. Doch wie gut verständlich sind die eingesetzten Materialien – oder verfehlen sie ihre Wirkung? Ein Kommunikationsprofessor bewertet.

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  • Kommunikationsprofessor Frank Brettschneider. 1/2
    Kommunikationsprofessor Frank Brettschneider. Foto: 
  • Materialien zum Bürgerentscheid: Bürgerbriefe des Konsortiums, Flyer und ein neuer Aufkleber der Bürgerinitiative sowie die Infobroschüre. 2/2
    Materialien zum Bürgerentscheid: Bürgerbriefe des Konsortiums, Flyer und ein neuer Aufkleber der Bürgerinitiative sowie die Infobroschüre. Foto: 
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Nein, übersehen kann man es derzeit nicht, dass an diesem Sonntag die Bürger in Bietigheim-Bissingen zu einer Wahl aufgerufen sind. An vielen Stellen hängen Plakate von Gegnern und Betreiberkonsortium der geplanten Biovergärungsanlage, Flyer liegen aus, Bürgerbriefe und eine Infobroschüre steckten in den Briefkästen. Doch kommen diese Informationen auch tatsächlich beim Leser an und bringen sie auf den Punkt, was die jeweilige Seite will? Ja, sagt Kommunikationsprofessor Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim, wenngleich er nicht nur Lob für die Materialien verteilt, was Gestaltung und Verständlichkeit anbelangt.

Bei den Plakaten des Betreiberkonsortiums etwa fehlte ihm der Bezug zu Bietigheim-Bissingen und die Darstellung des Nutzens. Die Figur des „Biomanns“ sei zwar in Ordnung, aber Slogans wie  „Energiewende betrifft uns alle“ seien zu wenig. „Das Plakat der Gegner halte ich für gelungener. Das Stoppschild ist sehr plakativ“, sagt er, das gelte auch für das Schlagwort „Müll-Stadt“ und das große Ja, das zeigt, wie man im Sinne der Bürgerinitiative gegen das Projekt abstimmen solle. Hier hat das Betreiberkonsortium übrigens nachgebessert, seit Kurzem prangt auf seinen Plakaten ein großes Nein.

Bei den weiteren Printmaterialien punktet dagegen das Konsortium. Der „Bürgerbrief“ – ihm lagen die ersten beiden Ausgaben vor – greife immer wieder Fragen auf, die diskutiert werden und gebe weiterführende Hinweise auf Internetseiten. „Von der Gestaltung her ist das sehr gut gemacht.“ Der Flyer der Gegner sei im Vergleich dazu „handgestrickt“, wirke dadurch aber authentisch. Auffällig für ihn sei, dass der Flyer sehr emotional geprägt sei, und weniger auf Aufklärung denn auf Angstmachen setze. Ähnlich urteilt er auch mit Blick auf die Facebook-Seiten der Kontrahenten.

Am meisten punkten konnte bei ihm aber die Informationsbroschüre, in der die gegensätzlichen Positionen von Stadt und Bürgerinitiative im gleichen Umfang vertreten sind. Hier seien auch die Gegner sachorientierter als in ihren eigenen Materialien, erläuterten und begründeten mehr. „Gut finde ich auch, dass die Positionen der Gemeinderatsfraktionen mit deren Worten wiedergegeben werden“, so Brettschneider.

Der auch dadurch entstandene große Umfang der Broschüre mit 40 Seiten ist für ihn kein Problem, ebensowenig die Reihenfolge, in der die Stadt auf Befürworterseite und die Bürgerinitiative vertreten sind. „Es ist vielleicht ein bisschen zu lang, aber es sind auch viele Aspekte enthalten. Und ich finde es gut, wenn an einer Stelle viele Informationen zu finden sind.“ Wenn man Bürgern die Chance gebe, sich zu beteiligen, könne man auch erwarten, dass diese sich informieren.

Allerdings, so ein wenig Kritik, hätten manche Begriffe besser erklärt werden müssen, etwa, was ein Bebauungsplan ist. Auch gebe es relativ viele Schachtelsätze. Da gefällt dem Kommunikationsprofessor, der gerade zu solchen Themen viele Untersuchungen leitet, natürlich die Fragestellung des Bürgerentscheids absolut nicht. Denn wer gegen den Standort ist, muss mit Ja stimmen, also für den Stopp des Bebauungsplans für den Steinbruch. Es sei aber gut, dass in der Infobroschüre auch dazu eine Seite enthalten sei.

Info
Brettschneiders Studenten haben einzelne Bauvorhaben kommunikationswissenschaftlich untersucht – darunter auch das in Bietigheim-Bissingen. Mehr dazu gibt es im Internet.

komm.uni-hohenheim.de/case_studies

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Themenschwerpunkt

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www.bietigheim-bissingen.de/

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