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Disziplin statt Bretterklopfen

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  • Hoch das Bein: Das Bild entstand bei den ersten Karatemeisterschaften des Judo-Clubs in der Hillerhalle Ende der 1970er Jahre. Mit dem Rücken zur Kamera: Uwe Careni, heute Erster Vorsitzender. 1/2
    Hoch das Bein: Das Bild entstand bei den ersten Karatemeisterschaften des Judo-Clubs in der Hillerhalle Ende der 1970er Jahre. Mit dem Rücken zur Kamera: Uwe Careni, heute Erster Vorsitzender. Foto: 
  • In der Halle der Hillerschule trainierten die Karateka des Judo-Clubs mehr als 40 Jahre. Für die BZ erinnern sich Uwe Careni (links), Erster Vorsitzender, und Ulli Moser, der Abteilungsleiter Karate. 2/2
    In der Halle der Hillerschule trainierten die Karateka des Judo-Clubs mehr als 40 Jahre. Für die BZ erinnern sich Uwe Careni (links), Erster Vorsitzender, und Ulli Moser, der Abteilungsleiter Karate. Foto: 
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Noch immer steht die Zahl an der Wand der Sporthalle der Hillerschule. Etwas verblasst zwar, damals mit Stiften auf die Wand geschrieben, aber man kann das Datum noch entziffern: „18.04.1975“. Der Tag, and dem das erste Karatetraining des Judo-Club Bietigheim dort stattfand, vor mehr als 40 Jahren.

Der erste Vorsitzende des Vereins, Uwe Careni, der zusammen mit dem Abteilungsleiter Karate Ulli Moser zurückblickt, erinnert sich noch gut an das damalige Training in der Halle, die bald nicht mehr da ist: Die Halle soll ab Mitte September abgerissen werden, derzeit laufen die Vorbereitungen im Innern.

Die Schlägertypen gingen bald

Durch die asiatischen Eastern-Filmszene der 1970er, die Kampffilme unter anderem mit Bruce Lee hervorbrachte, waren viele motiviert, die Kampfkunst zu erlernen. „Ich kam damals mit dem Fahrrad an und habe mir schon gedacht: Hoppla, was sind das für Leute“, erinnert sich Careni, der damals 14-jährig an dem Training teilnahm. „Paradiesvögel“ seien es gewesen, tätowierte Rocker, harte Typen, Schläger, die sich Bruce Lee auf ihre Sportkleider gemalt hätten. Ihre Erwartungen an Karate: „Bretter klopfen“, schmunzelt der Vorsitzende, eine „skurrile Szene ist das gewesen, jeder der sich gut schlagen können wollte, war da“.

Schnell hätten die „primitiven Schlägertypen“ im viermonatigen Anfängerkurs aber gemerkt, dass es beim Karate auf ganz andere Dinge ankommt: Respekt, Disziplin, auch Unterwerfung unter Hierarchien. „Karate kann man nicht verbiegen“, weiß Careni. Und: „Diese Kneipenschläger unterwerfen sich nicht.“

Die Erkenntnis sei schnell gekommen, die Teilnehmerzahl habe sich entsprechend verringert. Auch Freunde des jungen Careni, ebenfalls durch die Eastern-Filmszene motiviert, hätten bald das Handtuch geschmissen. Zu groß die Diskrepanz zwischen Film und Realität.

Karate wurde immer beliebter

Das Training in der Hillerhalle ging dagegen weiter, die Abteilung Karate wuchs, Anfang der 1980er-Jahre zählte man zwischen 80 und 100 Mitglieder, in den Nuller-Jahren waren es zwischen 150 und 200. Verschoben hat sich das Altersspektrum eher auf Jünger, die Samurai- Minis und die ältere Generation. Die 20- bis 30-Jährigen, die am Anfang sehr präsent waren, sind nicht mehr so stark vertreten. Die Abteilung Karate aber entwickelte sich wie der gesamte Verein durch viele Wettkampferfolge weiter. Heute hat der Judo-Club 890 Mitglieder, die Abteilung Karate ist mit 370 Mitgliedern die größte des Vereins.

Die Halle war dabei eine konstante Begleiterin, viele Anekdoten sind zu erzählen. So hatte die Halle zu Beginn noch ein Flachdach, durch das es einmal während eines Sturzregens in den 1970er-Jahren reinregnete: „Die Halle war unter Wasser“, erinnert sich Careni. Die 30 Karateka ließen sich dadurch aber nicht abschrecken. Das Training habe stattgefunden – barfuß und „durch Pfützen und an den aufgestellten Eimern vorbei“.

Ein andermal habe man festgestellt, dass während des Trainings regelmäßig in den Umkleideräumen gestohlen wurde. Ein Wachposten wurde deshalb an der Tür postiert und der Dieb, als er sich wieder in die Umkleiden schlich, kurzerhand eingeschlossen, bis die Polizei kam. Von der mussten sich die Kampfsportler aber erstmal eine Rüge wegen Freiheitsberaubung anhören.

Auch machte die Heizung im Winter oft Probleme – sie ging nicht. Das Freitagabendtraining um 19 Uhr war bei dem Sport, bei dem traditionell barfuß trainiert wird, entsprechend unangenehm. Doch das Training fand statt, allen Widrigkeiten zum Trotz, auch bei Umbaumaßnahmen in der Halle, beispielsweise dem neuen Giebeldach, das nach den Überschwemmungen gebaut wurde.

Zurück blicke man nun mit einem weinenden und einem lachenden Auge, betonen Careni und Moser: Weinend, weil man mit der Halle nun eine langjährige und liebgewonnene Trainingsstätte verliert. Lachend, weil man in anderthalb Jahren hoffentlich eine neue beziehen kann.

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