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Deutsch geht gut: Sudabeh Mohafez präsentiert zum ersten Mal "Kitsune"

Es ist eine Ehre: Wenn Sudabeh Mohafez in der kommenden Woche bei "Deutsch geht gut" in den Schulen und der Otto-Rombach-Bücherei liest, dann ist das eine Premiere. Denn ihr neues Buch "Kitsune" erscheint erst am 18. Februar.

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Schon einmal war Sudabeh Mohafez, die Autorin mit iranischen Wurzeln, zu Gast bei "Deutsch geht gut". Da wurde klar: Bei der Schriftstellerin, die nach Stationen in Teheran, Berlin, Lissabon und Stuttgart nun im Schwäbischen Wald in der Nähe von Backnang wohnt, geht es um die Kunst der Sprache, nicht um die Spannung um jeden Preis. Die BZ sprach mit Mohafez über ihr neues Buch "Kitsune", das erst am 18. Februar in Backnang der Öffentlichkeit vorgestellt wird, das sie aber in Bietigheim-Bissingen schon präsentieren wird.

"Kitsune" ist ein Buch mit drei "Mikroromanen", wie Sie es nennen. Es besteht aus drei Texten in 60 Kapiteln mit 60 Bildern. Wie kam es zustande?

SUDABEH MOHAFEZ: Das ist eine Geschichte und ein verrücktes Projekt. Als ich von 2005 bis 2007 in Portugal lebte und eine sehr glückliche Zeit hatte, vermisste ich nur eines: den Umgang mit der deutschen Sprache. Da habe ich die Möglichkeiten eines Webblogs entdeckt und eine Plattform auf literarischer Ebene gegründet. Täglich schrieb ich einen Zehn-Zeilen-Text, eine Sammlung ist mittlerweile auch als Buch erschienen. Da tauchte immer wieder ein Kommentator auf, der dieselbe Idee nur mit Aquarellen gehabt hatte. Jeden Tag postete er ein quadratisches Aquarell, dass trotz des anderen Genres sehr literarisch war. An dem Typ musst du dran bleiben, sagte ich mir (Künstler Anton Rittiner alias "Rittiner & Gomez" aus der Schweiz, Anm. der Redaktion). Sein Blog hieß "Isla Volente", die fliegende Insel, auf der ein paradiesischer und utopischer Zustand herrscht. In unseren gegenseitigen Kommentaren entstanden Figuren und schließlich der Text "Das eigenartige Haus", das in "Kitsune" enthalten ist. Zuerst machten wir nur ebendiese Zehn-Zeilen-Texte mit Bild on ihm zusammen, dann kam die Idee längerer Texte, der Mikroromane. Also eine große literarische Form in klein.

Also ist "Kitsune" ein Buch mit drei kleinen Romanen, deren Texte jeweils in Kapitel aufgeteilt und von "Rittiner & Gomez" illustriert sind.

MOHAFEZ: Nicht ganz, denn die Gemälde sind eigenständig, sie illustrieren nicht meine Texte.

Und "Kitsune" ist Namensgeber und zentrale Geschichte des Buches?

MOHAFEZ: Ja. Ich hatte immer Rittiners Aquarelle vor Augen. Das ist eine stille Welt ohne Trubel, aber in den tieferen Ebenen ist schon was los. Ich hatte Anton noch nie gesehen, ich habe ihn mir wie den Vinzent aus "Kitsune" vorgestellt.

Was bedeutet "Kitsune"?

MOHAFEZ: Auf japanisch Fuchs. Aber gemeint ist damit eine in Japan sehr bekannte, mystische Gestalt. Eine Frau, die heilen kann und in Gestalt eines weißen Fuchses auftaucht.

"Kitsune" erzählt von einem Mann, der von einer weißen Füchsin von seinem Trauma geheilt wird.

MOHAFEZ: Genau. Ich komme ja aus der Ecke der Gewaltprävention und Traumabehandlung. Da kenne ich mich auch. Vinzent hat ein Trauma, er ist alleine, er zog sich in eine Isolation, innen wie außen, zurück. Dann fasst er Vertrauen zur weißen Füchsin, erzählt ihr von seinem Trauma. Es ist immer heilsam, etwas Schmerzhaftes mitteilen zu können. Aber man kann es oft nicht erzählen. Und es gibt nicht viele Menschen, die diesen großen Schmerz hören wollen. Entweder sie sind Voyeure und ergötzen sich an dem Grauen oder sie können das erzählte Grauen nicht ertragen. Oft löst ein erzähltes Trauma ein neues beim Zuhörer aus.

Ist das der Grund, warum Vinzents Trauma nur angedeutet, nicht ausgesprochen wird?

MOHAFEZ: Ja. Leser sind empathische Zuhörer, denn auch Heilung von einem Trauma geschieht nicht kognitiv, sondern nur über die Empathie, denn ich will Traumata nicht duplizieren. Ich bin eine Gegnerin von zu direkten Darstellungen des Grauens, da können Worte oft schlimmer sein als jeder Film.

Das Thema "Trauma" ist immer wieder in Ihren Bücher sehr zentral.

MOHAFEZ: Es ist ein Thema, von dem ich durch meinen Ursprungsberuf in einem Frauenhaus sehr viel weiß, sehr viel gelernt habe. Und es ist so aktuell wie nie. Viele Menschen leiden unter einem Trauma. Ich werde nicht müde, darüber zu schreiben. Es ist doch beglückend, dass ich mit meiner Schriftstellerei, durch die Kunst der Sprache, den Weg zurück ins Glück weisen kann. Das geht nämlich nur durch Liebe, Vertrauen, Verbundenheit.

Ihre Geschichten sind stille Geschichten ohne viel Action oder spannender Handlung?

MOHAFEZ: Das tue ich gerne, keine Action schreiben, meine ich. Das kann man gar nicht oft genug tun. Mir geht es um die Kraft der Sprache, was diese alles tun kann. Mir geht es nicht um Spannung.

Wie in "In der Ferne die Felsen" aus "Kitsune"?

MOHAFEZ: Ja. Da passiert auf jeder Seite nichts, aber es wird viel erzählt. Diese Geschichte ist eine Hommage an "Rittiner & Gomez". Sein Webblog ist ja auch diese Insel, auf der nix passiert und doch viel erzählt wird und die gerade darum so paradiesisch ist. Es gibt so viele zärtliche Details zu entdecken, das ist doch wundervoll, fast wie Meditation.

In "In der Ferne die Felsen" ist man etwas verwirrt. Der Leser versteht nicht, was passiert, weil nichts passiert und dann - wer ist dieses "Wir", das sich in der Geschichte zu Wort meldet?

MOHAFEZ: Da behindert die Erwartungshaltung des Lesers, den Lesefluss. Warum müssen wir bei der Lektüre immer etwas erwarten? Die deutsche Sprache ist so schön, so kraftvoll. Manchmal fließt ein Text erst, wenn wir aufhören, etwas zu wollen, etwas zu erwarten. Dann kann die Kraft der Sprache wirken. Wir sind so auf Handlung getrimmt, auf den Plot orientiert. Das ist die reine Konsumhaltung. Aber "In der Ferne die Felsen" ist der Text der Leser, sie sollen sich eigene Bilder machen können, ihren eigenen Genuss haben, weil sie im Kopf mitmachen müssen. Warum muss immer beim Leser ein Unbehagen entstehen, wenn Geschichten sich den gängigen Plots, der Action, verweigern?

Info
Sudabeh Mohafez, "Das Zehn-Zeilen-Buch", Edition Azur, farbig 17,90 Euro. "Kitsune" (ab 18. Februar), Edition Azur, 21,90 Euro.

Sudabeh Mohafez beendet die Reihe der Vorstellungen der Autorinnen, die vom 16. bis 18. Februar in den Schulen Bietigheim-Bissingens im Rahmen von "Deutsch geht gut" lesen. Öffentliche Lesungen der Autorinnen gibt es am Mittwoch, 17. Februar, 20 Uhr, in der Otto-Rombach-Bücherei, und am Donnerstag, 18. Februar, 18 Uhr, in der Sandschule (ohne Sudabeh Mohafez, weil sie in Backnang "Kitsune" präsentiert).

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