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Der Reiz der Provinz - Helmut Klass engagiert die Bands für die KSK Musik Open

Helmut Klass ist der Mann, der für die KSK Music Open im Sommer die Bands auf die Bühne im Ludwigsburger Schlosshof engagiert. Der altgediente Veranstalter gewährt Einblicke in sein Geschäft.

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    Helmut Klass mit einem Werbeplakat für die diesjährigen KSK Music Open in Ludwigsburg. Foto: 
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Schon in den 1960er-Jahren hat der Bietigheimer Helmut Klass Bands auf die Bühnen der Region gebracht. Der Geschäftsführer der Ludwigsburger Veranstaltungsagentur Eventstifter macht das noch heute, im Alter von 68 Jahren: Für die KSK Music Open hat er unter anderem Pur, Dieter Thomas Kuhn und den Deutsch-Rapper Sido auf den Ludwigsburger Schlosshof geholt. Klass gelingt es, den Standort gegen die Verlockungen der Großstadt für Künstler zu behaupten, denn diesen erliegen große oder zumindest beliebte Künstler doch recht schnell. "Eine Sarah Connor hat Ludwigsburg erst mal nicht im Tournee-Plan", sagt Klass in seinem Haus in Untermberg. "Dagegen kämpfen wir an."

In der Regel schreibe er etwa 15 Künstler an, um sechs Zusagen zu bekommen. Die Buchungen sind ein Jahr vor dem Konzert abgeschlossen. Für den Auftritt im Schloss umwirbt Klass die Künstler auch mit dem Ambiente: "Man kann sie heiß machen auf das Gelände", sagt er. "Die Stimmung ist immer riesig." Auch auf der Party danach im Schloss. "Das ist eine richtig intime Atmosphäre. Das spricht sich rum unter den Künstlern."

Bei der Übernachtung der Künstler siegt dann aber doch oft die größere Stadt: Wenn zum Beispiel eine Künstlerin, die beim Open-Air im Schlosshof auftritt, einen Fitnessraum im Vier- bis Fünf-Sterne-Hotel verlangt, sei das in Ludwigsburg "nicht so einfach" zu finden. Nicht selten würden die Künstler in Stuttgart untergebracht.

Was die Ausstattung auf der Bühne angeht, so gelte der Grundsatz: "Die größte Band gibt den Standard an." In diesem Jahr ist das der Lokalmatador Pur, aber auch die Band Revolverheld und der Schlagersänger Dieter Thomas Kuhn werden mitzureden haben. "Diese Bands kriegen, was sie wollen, der Rest hat sich daran zu orientieren", sagt Klass bestimmt. Wie zugkräftig Pur und Kuhn sind, zeigt, dass ihre Konzerte bereits ausverkauft sind. Der Berliner Deutsch-Rapper Sido hinkt in dieser Hinsicht dagegen noch ein bisschen hinterher. Klass betont aber: Bis zum August ist noch viel Zeit. "Wir kämpfen auch gegen große Festivals an. Da geben die jungen Leute eben heute ihr Geld aus." Dort treten mehrere Bands auf einmal auf - die Tickets für diese Veranstaltungen seien daher erst einmal begehrter.

Ein weiteres Problem, das Festivals gegenüber Einzelkonzerten wie jenen im Schlosshof haben: "Festivalleiter wollen ihre Bands exklusiv haben. Wenn wir eine Band gerne hätten, die aber zu dieser Zeit bei einem Festival spielt, kriegen wir die in der Regel nicht." Nicht selten würden die gefragten Bands von den Machern großer Festivals mit einem "kleinen Zuschlag" (Klass) zu dieser Exklusivität überredet.

Dennoch gelingt es Klaas, auch zu den KSK Music Open jedes Jahr Hochkaräter zu holen, im vergangenen Jahr zum Beispiel den Deutsch-Rapper Casper, der problemlos mehr Leute anzieht, als auf den Schlosshof passen (10.000). Casper, sagt Klass, habe 2015 bewusst kleinere Open-Air-Konzerte gegeben - noch 2014 sei Casper vermehrt bei Festivals aufgetreten, etwa beim "Southside" im schwäbischen Tuttlingen. "Das Management von Casper ist auf uns zugekommen", sagt Klass.

Direkt mit den Künstlern hat Klass bei den KSK Music Open nur wenig zu tun: "Die einzigen Künstler, mit denen wir persönlich zu tun hatten, waren Unheilig." Mit der Band des "Grafen" habe man sich im Jahr 2013 beraten, ob das Konzert wegen der starken Regenfälle überhaupt stattfinden solle. Die Band hat sich entschlossen weiterzuspielen - wobei das Konzert eine halbe Stunde vorgezogen wurde, um dem schlimmsten Unwetter zu entgehen. Sofern Polizei und Feuerwehr keinen Strich durch die Rechnung machen, seien Künstler verpflichtet, "bei Wind und Wetter" aufzutreten. So laute eine Standard-Floskel in den Verträgen.

Planbar ist der Erfolg im Gewerbe des Konzertveranstalters kaum. "Es gibt nur das Gefühl, das kann gutgehen." Konkret bedeutet das: "Wenn bei Sido nur 3500 Leute kommen, haben wir viel Geld verloren." Allerdings ist beim Schloss Open Air die Kreissparkasse der Hauptsponsor, der mögliche Verluste zumindest etwas deckelt.

An den unterschiedlichen Gagen-Vorstellungen ist es gescheitert, dass in den vergangenen Jahren Herbert Grönemeyer oder der kanadische Altrocker Neil Young nicht zu den KSK Music-Open gekommen sind. "Bei Grönemeyer haben wir um 50.000 Euro gefeilscht", sagt Klass. Wie hoch die Gagenforderung Grönemeyers war, will Klass nicht sagen.

Helmut Klass und die KSK Music Open

Klass Seit über 50 Jahren veranstaltet Helmut Klass Konzerte. In den 1960er-Jahren war er mit seinem Geschäftspartner Karl "Carlo" Enchelmaier in der Region eine wichtige Größe und leistete Pionierarbeit für die Beat-Szene des Landkreises. Später hat er Bands mit großem Namen auf die Bühne gebracht: Manfred Mann's Earthband, Spencer Davies Group, Pink Floyd oder Deep Purple. Ike und Tina Turner hat er als Erster nach Deutschland geholt. Zwischendurch hat er sich aufs Schallplattenverkaufen konzentriert und betreibt heute zudem seine Merchandising-Firma CMerch in Ottmarsheim. Mittlerweile ist er wieder ins Veranstalter-Geschäft eingestiegen. Er lebt in Untermberg.

Open-Air In seiner Firma Eventstifter kümmert sich Klass für die KSK Music Open um die Bands und die Kalkulation. Folgende Bands treten in diesem Sommer auf: Pur, Freitag, 29. Juli (ausverkauft); Zaz und Radio Doria, Sonntag, 31. Juli; Atomic Rock Orchestra spielt Pink Floyd's The Wall, Mittwoch, 3. August; Dieter-Thomas Kuhn und Band (ausverkauft), Freitag, 5. August; Revolverheld, Samstag, 6. August; Sido, Kollegah und Kool Savas, Sonntag 7. August.

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