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Das Schotterwerk Fink gibt auf. Wie geht es nun weiter?

Das Schotterwerk Fink gibt wegen des Unmuts über die Ausbaupläne und den Verkehr zu der auf dem Firmengelände geplanten Biovergärungsanlage zum Jahresende 2017 auf. Wie geht es nun weiter?

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Der Bau des Enzpark-Carrés bringt höhere Lärmschutzanforderungen mit sich - zu hohe für das Schotterwerk Fink (hinten im Bild).  Foto: 

"Hören Sie die Frösche?", fragt Hellmut Fink, während er am Rand des Steinbruchs steht. Doch für den ungeübten Besucher ist kein Quaken auszumachen - die Geräusche der Lastwagen auf dem im Rücken liegenden Gelände, zum Schotterwerk und der Asphaltanlage der Makadamwerk Schwaben, übertönen zu sehr. Verkehr und Lärm waren es auch, die den Ausschlag dafür gaben, dass nach 2017 hier keine Lastwagen mehr fahren, zumindest keine der beiden Firmen. Denn Fink verkündete, seine Ausbaupläne zurückzunehmen - das Aus für das Unternehmen mit rund zehn Mitarbeitern. Dabei war es zunächst die als günstig erachtete Verkehrslage, weshalb man mit den Betreibern zusammengekommen war und einen Teil des Geländes an die Biogutvergärung GmbH und die Stadt verkaufte.

"Uns hat es auch überrascht, wie viel Verkehr prognostiziert wurde", sagt Wolf Walter Klepser, einer der beiden Geschäftsführer des Schotterwerks, angesichts eines Gutachtens, das im Zuge der Planungen für die Biovergärungsanlage erstellt wurde. Bis zu 70 tägliche Lastwagenfahrten erwartet dieses, dazu kommen 1200 Autofahrten für den von der Stadt daneben geplanten Häckselplatz. Angesichts dieser Zahlen könne man niemandem böse sein, der gegen die Pläne sei, sagt Klepser. "Es gibt viele Vorschriften", ergänzt sein Vetter Hellmut Fink, der immer wieder darauf verweist, dass man sowohl streng kontrolliere, was für die laufende Steinbruchverfüllung angeliefert werde, als auch viel für den Naturschutz mache. Derzeit würden die seltenen Wechselkröten aus dem zu verfüllenden Teil in einen Teich oben am Rand umgesiedelt, zudem gebe es Böschungen für Wildbienen. Doch auch wenn man alle Vorgaben einhalte: "Es bringt nichts, an einem Vorhaben festzuhalten, wenn die Bevölkerung so sehr dagegen ist."

Die Pläne sahen neben dem Weiterbetrieb der bestehenden Anlagen einen neuen Umschlagplatz für Schüttgüter und eine Baustoffrecyclinganlage vor. "Ein Standort der Nachhaltigkeit", so Fink, hätte das Gelände, auf dem seit 1912 ein Steinbruch war, werden sollen. Doch dazu hätte es einiger Genehmigungen bedurft - und dafür Investitionen. Hintergrund ist der Bau des Enzpark-Carrés auf der anderen Seite der Enz in Bissingen. Denn für Senioreneinrichtungen gelten erhöhte Anforderungen in puncto Lärmschutz, vergleichbar denen in einem Kurgebiet. Fink hätte mindestens eine Schutzwand auf dem Gelände errichten müssen, und nachts wäre ein Betrieb gar nicht möglich gewesen. Wirtschaftlich sei das dann nicht mehr darstellbar gewesen, sagt Klepser, und: "Wir haben alles versucht, um den Weiterbetrieb zu ermöglichen."

Daran will das zweite Unternehmen auf dem Gelände noch arbeiten. "Wir wollen nicht so einfach sagen, Ende 2017 ist Schluss", sagt Volker Schneider, Geschäftsführer der in Filderstadt ansässigen Makadamwerk Schwaben. Man sei davon ausgegangen, über 2017 hinaus auf dem Gelände als Mieter bleiben zu können, zumal das Vorhaben schon seit Längerem von der Stadt begleitet werde. Ein Aus füge dem Unternehmen, das im Land sieben Anlagen betreibt und 40 Mitarbeiter beschäftigt, Schaden zu. Den Markt rund um Bietigheim-Bissingen - Makadam betreibt das Asphaltmischwerk seit 1961 mit aktuell drei bis vier Mitarbeitern - würde man komplett verlieren. Kunden würden zur nicht weit entfernten Konkurrenz gehen, die man dann so schnell nicht wieder gewinnen könne, wenn man einen Alternativstandort gefunden habe. Und da sei fraglich, ob die Suche gelinge.

Denn die Anforderungen an Neugenehmigungen seien hoch, wie etwa im Beispiel mit den Senioreneinrichtungen in Bissingen. Er verstehe nicht, dass da dieselben Lärmgrenzwerte gelten wie in einem Kurgebiet, sagt er mit Blick auf die örtlichen Gegebenheiten. An diese Stelle könne man dann eben kein Pflegeheim hinsetzen, sagt er.

Und noch etwas habe sich im Lauf der Jahre gewandelt. Aufgrund der steigenden Verkehrsbelastung gehe das Land dazu über, größere Straßenabschnitte verstärkt nachts sanieren zu lassen. Also müsse auch der Asphalt nachts geliefert werden - das sei mit den Anforderungen an den Lärmschutz von Bissingen aus aber nicht mehr gegangen. Das Land führe damit eigene Regeln quasi ad absurdum, sagt Schneider. Mit Blick auf die Zukunft in Bietigheim-Bissingen prüfe man daher die Möglichkeiten - "die aber im Moment nicht schön aussehen".

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Bioanlage

In Bietigheim-Bissingen soll eine Biomüllvergärungsanlage entstehen. Über den Standort wird aber noch diskutiert. In diesem Schwerpunkt sind alle bisher erschienenen Artikel rund um die Bioanlage in Bietigheim-Bissingen zu finden.

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