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Cara zeigt das ruhige, wilde Irland

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Über diesen Stoff hätte so mancher Künstler eine Oper komponiert. Eine junge schöne Frau hat sich des Geldes wegen mit einem älteren Lord verheiratet, trifft sich aber heimlich mit dem attraktiven Ritter Musgrave; aus Rache tötet der Lord den Ritter. Musikalisch wurde daraus keine abendfüllende Oper, sondern der Folk-Song „Little Musgrave“. Das Quintett Cara präsentierte am Mittwochabend neben vielen weiteren Stücken eine Coverversion des Strophenlieds. Mit ihrer Tour „Yet we sing“ waren sie in der Bietigheimer Kelter zu Gast.

Bei Irish Folk kommen einem gleich die wild gespielte Fiddle und der stampfende Rhythmus in den Sinn. Cara folgte dieser Ästhetik über weite Strecken. Doch die Gruppe zeigte, dass auch langsamere, ja bisweilen traurig anmutende Lieder zum Genre gehören – und entschleunigten jeweils nach den wilden Einlagen zuvor. Mit immer neuen Impulsen schraubte sich das Tempo dann stetig nach oben.

Viel Abwechslung

Schnelle Läufe der Fiddle und der Uilleann Pipes mischten sich mit dem Bodhrán, einer Rahmentrommel, als treibenden Rhythmusgeber und dem Klang von Akustik-Gitarre und Klavier. Da mussten die Zuhörer nicht animiert werden mitzuklatschen – sie taten es von selbst. Einlagen mit diesem eingängigen Sound wechselten sich mit ruhigeren Songs ab, bei denen auch gesungen wurde. Dann tauschte Gudrun Walther die Fiddle gegen das Akkordeon. Zudem gab es Soli. Der 26-jährige Hendrik Morgenbrodt beherrschte die Uilleann Pipes – ein Dudelsack, der durch einen Blasebalg am Ellenbogen bedient wird – bravourös; Rolf Wagels zeigte, was auf der Rahmentrommel möglich ist.

Eigene Erfahrungen verarbeitet

In der 2003 gegründeten Gruppe gab es vor wenigen Jahren Besetzungs-Wechsel, seitdem ist Kim Edgar dabei. Die Schottin am Klavier hat eine wunderbar weiche, erzählerische Stimme. Sie eröffnete den Abend mit „Leaf For A Sail“. Meist sang Gruppenkopf Gudrun Walther, deren Timbre an Amy McDonald erinnert. Bei „Anchor In The Sky“ vervollkommneten sich die beiden Frauenstimmen gegenseitig. Davon hätte man gern mehr gehört. Die meisten Songs schreibt die deutsche Gruppe selbst, oftmals spielen eigene Erfahrungen dabei eine Rolle, wie Gudrun Walther in ihrer unterhaltsamen Moderation preisgab. So bezieht sie sich in „The Land Of The Midnight Sun“ auf einen Lappland-Urlaub und „The Naked Man In The Whirlpool“ darauf, wie Gitarrist Jürgen Treyz das Lied komponierte.

Viele Songs des Programms stammten aus Caras aktuellem Album. „The Ardkeen Boat Song“ gehört nicht dazu, doch es wurde schnell klar, warum das Quintett nicht auf diese „Rarität“ verzichten wollte. In ihrer Anmoderation meinte Gudrun Walther, es sei das einzige irische Seemannlied, in dem der Seemann am Ende noch lebe. Ihr Gesang verströmte bei dieser schwelgerischen Ballade Wärme und Geborgenheit. Das Publikum stimmte beim Refrain selig mit ein: „Haul away, boy, haul away.“ Auch zum Ende des zweieinhalbstündigen Konzerts walteten sanfte Töne und wehmütiger Ausdruck. „Follow the Heron“ wurde nochmals zur Plattform für die Harmonie der beiden Frauenstimmen.

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