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Brand in Bissinger Bahnhofstraße: Beim Rollerklau Feuer gelegt

Der Prozess wegen des Feuers in der Tiefgarage in der Bissinger Bahnhofstraße Anfang März 2014 ist eröffnet: Angeklagt ist ein heute 26-Jähriger wegen schwerer Brandstiftung. Er legte vor dem Gericht ein Geständnis ab.

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Im Angesicht des Infernos: Bei dem Tiefgaragen-Brand am Abend des Samstags, 1. März 2014, entstand in der Bahnhofstraße ein Sachschaden in Höhe von ungefähr einer halben Million Euro.  Foto: 

Lang ist die Liste der Anklagepunkte, die der Staatsanwalt vorträgt, doch am Ende wird sich alles um diesen einen drehen: Um den  Brand in der Bissinger Bahnhofsstraße , den der hochgewachsene junge Mann, damals ein Bietigheim-Bissinger, am 1. März 2014 in einer Tiefgarage gelegt haben soll: Wegen des immensen Sachschadens im Wert von einer halben Million Euro wird diese Tat den Prozess beherrschen - es dürfte vor allem um das Delikt der schweren Brandstiftung gehen. Allein zwölf beschädigte, zum Teil völlig demolierte Autos und gewaltige Zerstörungen am Gebäude sind angefallen. Drei Bewohner haben Rauchvergiftungen erlitten und mussten schwer verletzt ins Krankenhaus. Alle 16 Wohnungen mussten evakuiert werden.

Gegen dieses immens teure Inferno sind die 21 anderen Taten, die dem heute 26-Jährigen zum Auftakt der Verhandlung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Heilbronn vorgeworfen werden, Kleinkram: Er soll mehrere Zweiräder - Motorroller und Motorräder - geklaut, ausgeschlachtet und die Einzelteile auf der Internet-Auktionsplattform Ebay zum Verkauf angeboten haben. Mit offenbar mäßigem Erfolg. All dies soll er getan haben, um seine Drogensucht zu finanzieren, die ihn seit der siebten Klasse im Griff hatte. Bereits mit 16 habe er Heroin probiert und sei vom ersten Tag an süchtig gewesen. Am Ende, vor dem Brand in Bissingen, habe er Heroin und in hohen Dosen auch Kokain konsumiert.

Er gesteht, dass er den Brand - unabsichtlich - gelegt hat. Er gesteht auch die meisten anderen Anklagepunkte - sofern er sich vor Gericht daran zu erinnern vermag.

Ziemlich zugedröhnt will er an dem besagten späten Samstagabend im März 2014 gewesen sein, nämlich voll auf "Benzos", Beruhigungsmittel, als er den Roller in der Einfahrt der Tiefgarage stehlen wollte: Er schloss ihn kurz und stellte fest, dass kein Benzin im Tank war. Also klaute er welches - laut Staatsanwalt aus einem Auto, laut dem Angeklagten war es ein Motorrad. Derlei Details waren für den Vorsitzenden Richter nicht in Erfahrung zu bringen, denn: "Ich war total neben der Spur", sagt der 26-Jährige mit fester Stimme auf der Anklagebank. Jedenfalls erinnere er sich noch daran, dass er checken wollte, ob er auch genug Benzin abgezapft hatte - mit einem Feuerzeug.

An seine Panik könne er sich noch gut erinnern: "Auf einmal stand alles in Flammen. Irgendwas habe ich noch geschrien." Dann rollte er den Motorroller zum Ausgang der Garage, aus dem schnell dichter Rauch quoll. Weit kam er mit der Beute nicht: Ein Zeuge sprach ihn an, er stellte den Roller auf der gegenüberliegenden Straßenseite ab und verzog sich. Ohne einen Versuch, das Feuer zu löschen und ohne die Feuerwehr gerufen zu haben. "Da waren ja schon viele Menschen. Von denen würde schon einer die Feuerwehr rufen", habe er sich gedacht.

"Sie fliegen gerne, offensichtlich", kommentierte der Vorsitzende Richter die berufliche Laufbahn des Angeklagten: Zwei Ausbildungen zur Fachkraft für Lagerlogistik sind wegen der Sucht ebenso gescheitert wie mehrere Drogentherapien. Die Drogen, die Beschaffungskriminalität gehören offensichtlich zu den wenigen Konstanten in seinem Lebenslauf. Für insgesamt mehr als zwei Jahre hatten sie ihn schon ins Gefängnis gebracht: "Sagen wir mal so: Ihr Bundeszentralregister ist ziemlich voll", sagt der Vorsitzende Richter.

Derzeit versucht der Angeklagte sich an seiner zweiten christlichen Drogentherapie: mit viel Arbeit, Beten und sehr strengen Regeln. "Das darf man nicht spöttisch sehen", sagt seine Verteidigerin. Die festen Strukturen und die kleinen Gruppen gäben ihm einen Halt, den er in klassischen Drogentherapien nicht erhalten habe: "Ehrlich gesagt, in staatlichen Therapien gibt es zu viele Freiheiten", sagt der Angeklagte. Nun habe er seinen Weg zu Gott gefunden. Dieser fülle die Leere, die er seit frühester Jugend in sich gespürt und mit Drogen zu füllen versucht habe. Für die Zukunft könne er sich eine Lehre als Autolackierer vorstellen. Seit fast einem Jahr nehme er keine Drogen mehr.

Doch egal, welches Urteil fallen wird: Er wird hoch verschuldet sein, derzeit steht er mit etwa 5000 Euro in der Kreide, wie er schätzt. "Oh, das wird nicht dabei bleiben", sagt der Vorsitzende Richter. In diesem Verfahren in Heilbronn geht es nur um den strafrechtlichen Aspekt der Taten. Schadensersatzforderungen fallen ins Zivilrecht und dürften Gegenstand weiterer Prozesse werden.

Info
Für den Prozess sind fünf Tage angesetzt, die nächste Sitzung ist an diesem Freitagmorgen.

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