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Biomann für Bioanlage

Das Konsortium, das die geplante Biovergärungsanlage betreiben will, hat sechs Wochen vor dem Bürgerentscheid eine Werbekampagne gestartet.

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Groß prangt das Männchen im grünen Anzug auf der Facebook-Seite, im Mund eine Blume, in der Hand einen grünen Apfel. Es soll als "Sympathieträger" fungieren, um für die Biovergärungsanlage zu werben - das hofft zumindest das Konsortium um die Stadtwerke, das die Anlage im Steinbruch Fink betreiben will. Sechs Wochen vor dem Bürgerentscheid am 17. Juli haben die Beteiligten nun eine Kampagne gestartet.

Das Konsortium dreht dabei am großen Rad. Denn für die Kampagne wurde eigens eine Agentur aus München beauftragt, Kosten unbekannt. "Absolut sachlich, ohne jegliche Aggression", wolle man die Aktion durchführen, sagte deren Chef Dietrich von Gumppenberg, der sich im Internet als "ausgewiesenen Experten für Krisenkommunikation" beschreibt. "Wir wollen auf gar keinen Fall eine Konfrontation mit irgendjemandem", sagte er, wenngleich er anmerkte, dass es "sehr verhärtete Fronten" gebe.

Wohl auch deshalb wurde der "Sympathieträger" mit dem Namen "Biomann" gewählt, der "immer ein freundliches Lachen im Gesicht" hat. Zu sehen sein wird er nicht nur auf Facebook und Buttons. Denn während einiger Markttage - bereits am 4. Juni - sollen Mitarbeiter der Agentur in ihren grünen T-Shirts an Infoständen für die Anlage werben, zudem wird ein Bürgerbrief an alle Haushalte verteilt.

Darin werde man berichten, wie eine solche Anlage funktioniere und werde auch Gutachten zusammenfassen. In der ersten der drei Ausgaben etwa eines zum Thema Lärm, der die Richtwerte für Gewerbeanlagen erheblich unterschreite. Weitere Themen werden die Sorgen um den Wertverfall der Immobilien in der Nähe und der Verkehr sein.

Gerade letzterer hatte für viel Kritik gesorgt, auch weil wie berichtet Biomüll aus Karlsruhe vergoren werden soll. "Der Begriff "Müll-Import" ist übertrieben", sagte dazu Reiner Glock, Geschäftsführer der am Konsortium beteiligten BEM Umweltservice. Zumal es im Moment auch so sei, dass der Kreis Müll exportiere. Teilweise werde auch Kompost von der Anlage in Schweinberg wieder zurücktransportiert, sagte Martin Westermann von der KWB. Schon seit mehreren Jahren verwerte man Müll der AVL, künftig wolle man diesen auch energetisch nutzen.

Der Standort im Steinbruch Fink sei dafür ideal, sagte auch Rainer Kübler, Chef der Stadtwerke und der Biogutvergärung Bietigheim, und verwies unter anderem auf das entsprechende Fernwärmenetz. Angesprochen auf die jüngste Kritik von Regionalräten am Standortsuchlauf, konterte von Gumppenberg, dass dies "sehr subjektive Wahrnehmungen" seien. Wer gegen die Biovergärungsanlage sei, trage dazu bei, die Energiewende zu verhindern. "Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass man irgendwo in der Region einen Standort ohne Beeinträchtigungen findet", sagte Bürgermeister Joachim Kölz. Als Stadt habe man lange abgewogen, auch was die Verlagerung des derzeit ungünstig gelegenen Häckselplatzes in den Steinbruch angeht.

Wie alle Beteiligten hofft er, dass die Mehrheit der Bürger am 17. Juli mit "Nein" und damit letztlich für die Anlage stimmt. Denn sollten die Anlagen-Gegner gewinnen, gibt es keinen Plan B. Der Steinbruch würde wie vor Jahren beschlossen rekultiviert - derzeit läuft der Rückbau des Turms des Splittwerks-, wo die Anlage dann hin könne, wisse man nicht - der große Zeitdruck zumindest scheint weg nach der Einigung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (die BZ berichtete). Man werde erst nachdenken, wenn es keine Mehrheit gebe, so Kübler.

Mehrfach hatte er bei der Präsentation die Bedeutung der Energiewende betont. Auch Katastrophen wie die jüngsten Hochwasser zeigten, wie wichtig Maßnahmen gegen den Klimawandel seien - das wollten viele dann aber nicht vor der eigenen Türe. Dabei seien Lösungen wie die Anlage nicht nur der eigene Wunsch, sondern auch der des Kreises und der Landespolitik. Man erwarte deshalb auch von diesen Seiten Unterstützung. Beim Landratsamt hieß es allerdings dazu auf BZ-Anfrage nur, man begrüße das Projekt. Es laufe aber unabhängig vom Landkreis", sagte ein Sprecher. Den Landrat wird man also eher nicht im grünem T-Shirt sehen.

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Bioanlage

In Bietigheim-Bissingen soll eine Biomüllvergärungsanlage entstehen. Über den Standort wird aber noch diskutiert. In diesem Schwerpunkt sind alle bisher erschienenen Artikel rund um die Bioanlage in Bietigheim-Bissingen zu finden.

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