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Bietigheimer Manufaktur baut eine Orgel für die Stadtkirche in Marbach

Die Orgelbaumanufaktur von Friedrich Lieb arbeitet dieser Tage unter Hochdruck. Noch zwei Wochen, dann soll eine neu gebaute Orgel in der Stadtkirche in Marbach ihren künftigen Platz erhalten.

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  • Friedrich Lieb (rechts) von der Orgelwerkstatt Lieb aus Bietigheim-Bissingen baut für die Stadtkirche Marbach eine neue Orgel. Die Grundkonstruktion ist bereits fertig. Hier auf dem Bild zu sehen sind der Unterbau der Orgel ohne die Front (rechts) und im Hintergrund der Oberbau. Die zweitgrößte Pfeife können die Handwerker nur gemeinsam halten, hier hilft der Schreinergeselle Jonas Eiling. 1/2
    Friedrich Lieb (rechts) von der Orgelwerkstatt Lieb aus Bietigheim-Bissingen baut für die Stadtkirche Marbach eine neue Orgel. Die Grundkonstruktion ist bereits fertig. Hier auf dem Bild zu sehen sind der Unterbau der Orgel ohne die Front (rechts) und im Hintergrund der Oberbau. Die zweitgrößte Pfeife können die Handwerker nur gemeinsam halten, hier hilft der Schreinergeselle Jonas Eiling. Foto: 
  • Eine Skizze auf der Werkbank zeigt die Größe des Oberbaus mit den Pfeifen des beeindruckenden Instruments. 2/2
    Eine Skizze auf der Werkbank zeigt die Größe des Oberbaus mit den Pfeifen des beeindruckenden Instruments. Foto: 
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. Es riecht nach Holz in der Werkstatt des Orgelbaumeisters Friedrich Lieb in der Kammgarnspinnerei. Und nach Knochen, die er und seine Kollegen fräsen, um diese in die Klaviatur einer neuen Orgel einzubringen - quasi der Endspurt. Denn: In nur 14 Tagen soll das Bauwerk mit einem 7,5-Tonner abgeholt und seiner Bestimmung in der evangelischen Stadtkirche in Marbach übergeben werden. Seit knapp einem Jahr arbeitet Lieb an dem Auftrag, der Marbacher Kirchengemeinde eine neue Orgel zu bauen. "Das lief über eine ganz normale Ausschreibung", erinnert sich Lieb. Seitdem arbeiten er und seine Mitarbeiter ausschließlich an diesem Projekt. Ein Großspender macht diese Arbeiten möglich, denn die neue Orgel wird die Kirchengemeinde stattliche 330.000 Euro kosten, ein ganzes Jahr Arbeit für die Bietigheimer Manufaktur.

"In der Marbacher Stadtkirche stand die alte Orgel mitten im Chorraum und war komplett um die Fenster herumgebaut", sagt der gelernte Orgelbauer. Das sei kein idealer Standort gewesen. Zum einen, da die im Kirchenschiff Sitzenden das Orgelspiel nur gedämpft hören konnten, da der Chorbogen viel Klang schluckte, und zum anderen, da "man nirgends hinkam", wenn Reparaturen anstanden.

Grund genug für die Verantwortlichen, die aus den 50er-Jahren stammende Orgel durch eine neue zu ersetzen, die nun rechts vom Chorbogen im Kirchenschiff platziert wird. Doch nicht durch irgendeine, sondern durch eine "norddeutsche Orgel mit früher barocker Klanggestaltung, aber in modernem Gewand". "Das fühlte sich von Anfang an spannend für uns an", erzählt Lieb, der auf historischen, traditionellen Orgelbau spezialisiert ist.

Der Grund der Marbacher, sich für keine heimische Orgel zu entscheiden, lag an der historischen "Voit"-Orgel, die die Alexanderkirche am Marbacher Bahndamm vor elf Jahren erhalten hatte. Diese aus dem 18. Jahrhundert stammende Orgel sei restauriert und neu aufgebaut worden und töne in romantischem Klang. Dem wollten die Verantwortlichen einen Kontrapunkt setzen - und entschieden sich für eine Orgel mit norddeutscher Klangfarbe. "Hier im süddeutschen Raum gibt es diese Art Orgel überhaupt nicht. Sie hat einen ganz spezifischen Klang", ergänzt der Fachmann, dies sei das Reizvolle an dem Auftrag gewesen.

Der große Unterschied zwischen Orgeln aus dem Süden und dem Norden ist das Holz. "Alles aus Eiche - das ist typisch norddeutsch. Aber auch sonst ist vieles anders, das fängt bei den Pfeifen an und hört bei der Legierung auf." Es sollte jedoch keine Stilkopie werden, daher die Entscheidung der Marbacher für ein moderneres Design. Daraus geworden ist ein schlichtes Gehäuse mit einer großen Rundung, die Leichtigkeit in das 3,20 Meter breite und 5,56 Meter hohe sowie 1,25 Meter tiefe Bauwerk bringen soll.

Dieses steht in Ober- und Unterteil getrennt und in vielen Einzelteilen zerlegt in der Werkstatt des Orgelbauers und erhält den letzten Feinschliff - sprich, die Klaviatur aus Rinderknochen (für die Untertasten) und Ebenholz (für die Obertasten) sowie der "Prospekt", die Frontseite, werden noch angebracht. "Die Menschen sind immer wieder erstaunt, was sich hinter der Fassade verbirgt, wenn sie in die Werkstatt kommen und sehen, was alles zu einer Orgel dazugehört", sagt Lieb. Lasiert - "gefasst", wie es in der Fachsprache heißt - wird das Instrument, wenn es in der Kirche aufgebaut wird. Für den kompletten Aufbau nehmen sich die Bietigheimer vor Ort acht Wochen Zeit, auch, weil der Platz beengt ist und die Orgel erst auseinandergebaut werden muss, damit sie überhaupt durch die Türen passt. "Man hätte sich mehr Platz gewünscht", sagt Lieb.

Den Zuschlag erhielt er wohl auch deshalb, da er sich von Anfang an auf diesen speziellen Wunsch eingelassen habe. Zudem kann Lieb auf alte Verbindungen zurückgreifen: Rowan West, ein Kollege aus der Zeit seiner Meisterschule, wohnt im Norden, ihn konnte Lieb zu Details über typisch norddeutsche Orgeln befragen. "Er hat mir die Informationen gegeben, das ist nicht immer selbstverständlich", ist der ehemalige Kirchenorganist dankbar für die Zusammenarbeit. West wird auch bei der Intonation in der Kirche mitwirken, wenn die Orgel ihren letzten Klang-Schliff bekommt - sozusagen den klanglichen Segen aus dem hohen Norden.

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