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Bietigheim: Dauerparker im Visier

Parken ist in allen Städten ein heikles Thema. In Bietigheim-Bissingen sind sich zumindest alle einig, dass sich am System etwas ändern muss. Was genau passieren soll, wird jetzt ermittelt. Ziel ist: weniger Dauerparker in und um die Altstadt.

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Der Parkplatz Holzgartenstraße unter der Auwiesenbrücke: Er fällt durch einen besonders hohen Dauerparkeranteil auf.  Foto: 

Die SPD im Bietigheim-Bissinger Gemeinderat brachte den Stein ins Rollen mit einem Antrag auf ein dynamisches Parkleitsystem für Bietigheim. Das kann jetzt nach einem Mehrheitsbeschluss im Gemeinderat (gegen die Stimmen der FDP) in die Planung gehen. Außerdem wird ein Konzept für eine Parkraumbewirtschaftung und ein Anwohnerparken entwickelt. Das heißt, Autofahrer müssen sich mittel- bis langfristig auf eine veränderte Parksituation in Bietigheim einrichten. Ob mit der sogenannten Parkraumbewirtschaftung auch ein Ende des weitgehend kostenfreien Parkens einhergeht, steht nicht fest. Und sie ist auch eher unwahrscheinlich, denn diesbezüglich hatte sich bereits im Vorfeld die Werbegemeinschaft Innenstadt geäußert. In einem Schreiben an den Gemeinderat befürchten die Einzelhändler auch mit Blick auf das nahe Breuningerland einen "deutlichen Frequenzeinbruch" bis hin zu Leerständen, sollten die Innenstadtparkplätze gebührenpflichtig werden. Argumente, die in die Planungen mit einbezogen werden. Daran knüpften mehrere Fraktionen ihre Zustimmung zu den Planungen.

Grundproblem sind aber weniger die Gebühren, als vielmehr die Dauerparker. Untersuchungen im Auftrag der Stadt haben ergeben, dass rund um die Altstadt der sogenannte Stellplatzumschlag sehr gering ist. Das heiß: Wer dort parkt, bleibt auch dort stehen. Hinzu kommt, dass die Dauerparker meist Fremdparker sind. Beispiel Parkplatz Holzgartenstraße an der Brücke Richtung Viadukt. Dort gibt es 50 uneingeschränkt nutzbare Parkplätze, die laut Untersuchung zu fast 60 Prozent von Dauerparkern belegt werden. Der Anteil an Fremdparkern, also Menschen die nicht in der Altstadt wohnen, beträgt 93 Prozent. Schlussfolgerung der Stadt: "Es ist davon auszugehen, dass hier überwiegend Kraftfahrer parken, die in der Innenstadt arbeiten." Zum Vergleich: Am Japangarten sind es 2,2 Prozent Dauerparker, Auslastung bei beiden an die 100 Prozent. Insgesamt ist das ein Problem für die Anwohner, die mitunter vergeblich ihre Runden drehen, um einen wohnortnahen Stellplatz zu finden. Dem Fremdparken will die Stadt nun mittels eines Anwohnerparksystems begegnen, mit dem bis zu 50 Prozent der Flächen für die Bewohner reserviert werden könnten.

Auch die Einzelhändler stellen sich beim Thema Anwohnerparken nicht quer. "Wer in der Altstadt wohnt, soll auch einen Parkplatz finden", betonte der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Innenstadt, Klaus Kittel. Das Problem der Dauerparker betrachten die Händler hingegen differenzierter. "Viele Kunden kommen aus den umliegenden Ortschaften nach Bietigheim, um einzukaufen, Kaffees, Restaurants und kulturelle Einrichtungen zu besuchen, so dass eine längere Verweildauer auf den Parkplätzen verständlich, ja wünschenswert ist", heißt es. Und Kittel ergänzt: "Unser großer Vorteil ist es doch, dass die Menschen die Stadt über längere Zeiträume genießen." Die Dauerbelegung durch Mitarbeiter will der Handel dagegen selbst in den Griff bekommen - durch gezielte Ansprache und sogar durch Parkverpflichtungen im Arbeitsvertrag.

Die Einzelhändler würden sich ein zeitgemäßes, aber statisches Parkleitsystem wünschen sowie die Schaffung eines Parkrings. Im Gemeinderat beschlossen wurde am Dienstag die Entwicklung eines dynamischen Parkleitsystems nach einem Vier-Zonen-Modell, das geografisch und nicht nach der Nutzung (Altstadt, Einkaufen, Kultur) ausgerichtet ist. Dass dies zu weiteren Diskussionen führen wird, prophezeite im Gemeinderat bereits Oberbürgermeister Jürgen Kessing: "Wir werden keine Lösung finden, die alle zufriedenstellt. Wir können lediglich an einer Optimierung arbeiten." (weiterer Bericht folgt)

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www.bietigheim-bissingen.de/

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