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Bewährungsstrafen für Handel mit Anabolika

Wegen Einfuhr und Vertrieb von verbotenen Anabolika für Sportdoping wurden sechs Angeklagte aus Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen nach Geständnissen milde bestraft.

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Die Anklage der Stuttgarter Schwerpunktstaatsanwaltschaft der Abteilung Doping gegen die vier Männer und zwei Frauen aus Ludwigsburg und Bietigheim hatte es in sich: 40-facher besonders schwerer Verstoß gegen das bundesdeutsche Arzneimittelgesetz und Beihilfe dazu. Es ging um zahlreiche Paketsendungen aus China, dem Land, in dem vielfach Grundsubstanzen der im Sport geächteten, hierzulande genehmigungspflichtigen Doping-Anabolika hergestellt und vertrieben werden. Diese Grundstoffe hatte ein 30-jähriger Ludwigsburger, der ein Geschäft für Sportzubehör betreibt, per Internet bestellt und über das Zollamt erhalten.

Die Zollbehörden konnten im Fall des 30-Jährigen zwischen Januar 2010 bis Mai 2012 mehrere Pakete abfangen und vernichten. Aber nicht alle Pakete. Damit die Einfuhr nicht auffiel, hatte der 30-Jährige als Empfänger-Anschriften verschiedene und auch fingierte Adressen angegeben und verschiedene Abholer beauftragt - etwa seine ehemalige und nun mitverurteilte Freundin aus Bietigheim. Sie erhielt als Abholerin einiger Pakete wegen Beihilfe zum Besitz verbotener Arzneimittel elf Monate auf Bewährung.

Ein weiterer 27-jähriger Beteiligter der Gruppe und seine Ehefrau, beide aus Bietigheim-Bissingen, die gleichwohl im Auftrag des 30-Jährigen Pakete in Empfang nahmen und an ihn ablieferten, sind jetzt dank ihrer umfassenden Geständnisse zu Geldstrafen von 4500 Euro und 2700 Euro verurteilt worden.

Schließlich hat die 5. Große Strafkammer, die das Verfahren seit dem 18. September führte, noch ein weiteres Ludwigsburger Ehepaar wegen Beihilfe zu den Taten zu Geldstrafen von zusammen 9600 Euro abgeurteilt. Die Paketabholer hatten sich ihre Tätigkeit belohnen lassen. So hatte der 30-jährige Hauptangeklagte für die Reparatur eines Autos ihnen angeboten gehabt, man könne das Reparatur- und Abschleppgeld über diese Art der Gegenleistung abarbeiten.

Den Gesamtwert der Anabolika beziffert das Gericht auf 60.000 Euro, und rückte daher per Einstellung einiger Anklagepunkte von den ursprünglichen 110.000 Euro ab. Der Hauptangeklagte hatte gestanden, die Grundsubstanzen in seinem Labor in verkaufsfertige Röhrchen abgefüllt und in der Ludwigsburger Bodybuilding-Szene verkauft zu haben. Er hatte mehr zugegeben, als ihm vorgeworfen wurde. Auch dies wertete die Stuttgarter Strafkammer als Strafmilderungsgrund. Von den 40 Fällen waren bei ihm jetzt per Urteil noch 33 Fälle übrig, darunter 13 Versuche.

Die Schuldsprüche der 5. Kammer waren per "Verständigungsverhandlung" (Deal) ausgesprochen worden. Dadurch wurde der Justiz eine kostenintensive und zeitaufwändige Beweisaufnahme erspart. Dennoch werden die Verteidiger vermutlich in Revision gehen, da es zwischen dem Bundesgerichtshof und dem Europäischen Gerichtshof Diskrepanzen über die verbotene Einfuhr von Medikamenten und Arzneimittel zum Zwecke des Dopings gibt. Hier bestünde noch gesetzlicher Handlungsbedarf, sagte in einer Pause einer der Anwälte.

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