Partner der

Auslaufmodell Austausch?

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Schild am Tor zu Bietigheim-Bissingen mit den Partnerstädten: Sucy-en-Brie, Surrey Heath, Kusatsu, Szekszard, Overland Park, Patenstadt Zuckmantel.  Foto: 

Eigentlich sollte man bei der Stadt und den beteiligten Institutionen und Vereinen in Feierlaune sein. Schließlich stehen dieses Jahr gleich zwei Partnerschaftsjubiläen mit Städten im Ausland an: seit 50 Jahren besteht die Freundschaft mit dem französischen Sucy-en-Brie, seit 55 Jahren mit dem japanischen Kusatsu, ein zwar kleiner, aber doch mit am besten gepflegter Austausch, vor allem ausgehend von der Bissinger Realschule. Doch groß gefeiert wird in Bietigheim-Bissingen nicht.

Das liegt zum einen daran, dass das in diesem Jahr die jeweiligen Partnerstädte übernehmen, und nur Gemeinderatsdelegationen dorthin reisen, erst 2018 wird dann größer hier gefeiert. Zum anderen aber, weil es oft immer schwieriger wird, den Austausch zu pflegen, wurde bei der Sitzung des Arbeitskreises Städtepartnerschaft am Dienstagabend deutlich. Und das liegt weniger an den Kosten für die Teilnehmer, denn die Zuschüsse lägen im üblichen Rahmen. Insgesamt 40 000 bis 50 000 Euro gibt die Stadt jedes Jahr aus, mehr, wenn ein Jubiläum ansteht und Gäste kommen. Viel mehr liegt es nach Einschätzung der Arbeitskreismitglieder daran, dass vielerorts nicht mehr die engagierten Verantwortlichen von früher dran sind.

Mit Surrey Heath werde es immer schwieriger, ein Programm auf die Beine zu stellen, informierte die Pressesprecherin und Städtepartnerschaftsbeauftragte Anette Hochmuth in der Sitzung. Das zeigt sich auch in der Vorschau: einziger Punkt unter „Austauschbegegnungen mit Surrey Heath“ ist der Besuch einer Delegation beim Pferdemarkt.

Weniger wird es auch mit Sucy, wo es einen mehrfachen Wechsel der Betreuer gegeben habe, wenngleich Gemeinderat und Bürgermeisterin immer noch hinter einem regelmäßigen Austausch stünden, so Hochmuth. Bei den Schulen werde es ebenso immer schwieriger, Interessenten zu finden. Immerhin: 14 bis 19 Personen sind jeweils für den gegenseitigen Austausch zwischen den Ellentalgymnasien und dem Lycée Christoph Colomb in diesem Jahr angemeldet. Und auch beim TSV ist man desillusioniert. „Es gibt nichts Positives zu berichten. Heute sind viele Jüngere am Ruder, für die ist Bietigheim kein Thema“, so Helmut Lipka. Es gebe aber durchaus noch private Kontakte zu älteren Mitgliedern des dortigen Gymnastikclubs, die hervorragend seien.

Weitaus besser läuft dagegen die Freundschaft zwischen dem Schwäbischen Albverein und dem Verein Sucy Loirsirs Accueil, in diesem Jahr, dem zehnten der Freundschaft, wandern beide gemeinsam in Baiersbronn. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, so Inge Schumacher.

Auch mit Ungarn ist es nicht gerade einfach. Zwar war unlängst eine Delegation um den Bürgermeister hier (die BZ berichtete), und es gibt eine Gegeneinladung zum neuen St. Martins-Weinfest im November. Doch die Verbindung zwischen der Chorvereinigung und einem dortigen Chor „wird wohl sterben“, formulierte es der CDU-Stadtrat Ewald Wildermuth. Hauptgrund sei, dass es dort keinen jungen Chor gebe, wie hier die Chorporation. Zu wenig Interessenten auf Bietigheimer Seite gab es dagegen für den geplanten Austausch des Jugendblasorchesters der Musikschule mit Szekszard, berichtete der Musikschulleiter Reimund Schiffer. Auch ein späterer Termin hätte nur rund 30 potenzielle Teilnehmer gebracht. Konstanz gebe es nur beim Austausch mit Overland Park. „Die Menschen haben mittlerweile so viele Möglichkeiten, ins Ausland zu fahren, dass ein Austausch nicht mehr so attraktiv ist.“

Ein weiterer Grund generell könnte die Langfristigkeit sein. „Vielleicht müssen wir überlegen, ob wir mehr auf internationale Begegnungen ausweichen“, so Hochmuth. „Wir bräuchten irgendetwas, bei dem man einmal im Jahr etwas macht, und dann ist es gut“, sagte Hochmuth. Sie erinnerte dabei an die einwöchigen Sommercamps mit Jugendlichen aus allen Partnerstädten, die es mal gegeben hatte, dann aber nach dem Weggang einer Mitarbeiterin eingestellt wurden. 2019, nach den Jubiläumsfeiern in Bietigheim, seien solche Camps wieder denkbar. Vor allem, wenn sich vielleicht doch ein Verein dieser „riesigen Aufgabe“ stellen würde. Dass diese etwas andere Art des Austausches funktioniere, zeige das Beispiel Besigheim mit den „Juxspielen“, berichtete Ulrike Wallisch (Ellental-Gymnasien). „Unverbindlich ist eben das, was die Menschen wollen.“

Eine Alternative haben aber schon die Schulen selbst gefunden: Sie bieten nun einige Sprachreisen an. So ist einst auch die heute gut gepflegte Verbindung mit Aranjuez einst entstanden, über einen Kurs der VHS.

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www.bietigheim-bissingen.de/

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