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Der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm ist eine Woche lang in der Stadt

Mit dem Roman "Agnes" hatte Peter Stamm 1998 seinen schriftstellerischen Durchbruch. Jetzt ist das Werk Sternchenthema für das Deutsch-Abitur und wird von der Theater-AG der Ellental-Gymnasien aufgeführt. Ein Grund für den Schriftsteller, nach Bietigheim-Bissingen zu kommen.

GABRIELE SZCZEGULSKI | 0 Meinungen

Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Schriftsteller zur Premiere einer Schulaufführung kommt. Auch wenn es sich um sein eigenes Werk handelt. Eigentlicher Grund für den Aufenthalt von Peter Stamm (50) in Bietigheim-Bissingen ist die Aufführung von "Agnes" durch die Theater-AG der Ellental-Gymnasien. Deutschlehrer Markus Weiss und seine Schüler führen Stamms Roman auf, weil er sogenanntes Sternchenthema ist.

"Ich bin gerne ein Sternchenthema", sagte der Schweizer Autor am Montagabend bei einer Lesung in der Buchhandlung Osiander in Bietigheim. "Man sagt, Günther Grass hätte sich gewehrt und war dagegen, Sternchenthema in Deutsch zu werden, ich bin stolz darauf. Jeder freut sich doch, wenn er Leser bekommt und wenn es Zwangsleser sind", so Peter Stamm. Denn er gebe sich keiner Illusion hin, dass "so viele Schüler wegen mir kommen, ihr kommt doch nur weil ich ein Sternchenthema bin", so der Schweizer. Lehrer Markus Weiss nahm mit dem Autor Kontakt auf und erreichte, dass Peter Stamm der Theaterpremiere beiwohnt und einige Lesungen in der Region macht, wie an diesem Montagabend bei Osiander.

Natürlich stand "Agnes" - obwohl schon vor 15 Jahren geschrieben - im Mittelpunkt der Lesung, schließlich waren deshalb viele Schüler gekommen. Im selben Ton wie in all seinen Romanen und Erzählungen gestaltete Peter Stamm auch seine Lesung: distanziert, in einfachen, schnörkellosen Worten. Reduziertheit bis hin zur Belanglosigkeit ist sein Stilmittel, ausschmückende Füllwörter nicht sein Ding. Nachdem er nicht nur "Agnes", sondern zwei Erzählungen, eine aus seinem Buch "Seerücken", vorgestellt hatte, nahm er sich viel Zeit, um alle Fragen zu beantworten.

Beispielsweise die, ob der Ich-Erzähler in "Agnes" autobiografische Züge trägt. Stamm: "Ich will nicht über mich schreiben. Mein Leben ist normal, ich glaube nicht, dass das zu Literatur taugt. Dürrenmatt sagte einmal, er schreibt aus beruflichen Gründen, das gefällt mir." Die Ideen zu seinen Büchern kämen plötzlich, im täglichen Leben, hart sei dann die Schreib-Arbeit. Eines Tages, so erzählt er, hätte er sich gefragt, was passieren würde, wenn er seine Kinder nicht aus der Krippe holen würde. Aus dieser Grundidee wäre eine Erzählung in dem Band "Wir Fliegen" geworden, allerdings, so Stamm, ginge es am Ende um den Kinderwunsch einer Kindergärtnerin und hätte nichts mehr mit ihm und seiner Familie zu tun.

Natürlich wollten vor allem die Gymnasiasten mehr zum Inhalt von "Agnes" wissen: "Der Verkäufer im Buch trifft Aussagen wie Mephisto im "Faust", sagte eine Schülerin. "Ehrlich?", so die erstaunte Antwort des Schriftstellers, "das ist mir neu, aber es ist sicher so, wenn Sie es sagen". "Der Autor ist bei der Interpretation des Werkes nicht wichtig. Interpretieren ist Suchen nach Bedeutung im Text, interpretieren ist legitim", so Stamm, der "relativ offen" sei für Deutungen jeder Art, "denn sie beschädigen mein Werk ja nicht". Ob Agnes, wie der erste Satz des Buches suggeriert, tatsächlich tot sei, fragte eine andere Schülerin. "Das ist nicht klar, später heißt es ja immer, sie sei gegangen, ich weiß es auch nicht genau, suchen Sie doch selbst, ich mache doch nicht Ihre Hausaufgaben", witzelte Stamm. Warum der Roman in Chicago spiele, fragte eine ältere Zuhörerin. Das war ein Zufall, so Stamm. Er hätte einmal für eine Woche einen Freund dort besucht und so wäre dessen Wohnung nun die Wohnung des Ich-Erzählers. "Ich finde es gar nicht wichtig, dass man den Ort eines Romans gut kennt", sagte der Schriftsteller. Am Ende, so Stamm, hätte das Bietigheimer Publikum zwei der drei am häufigsten an ihn gestellten Fragen auch formuliert: Ist Agnes tot? Warum spielt das Buch in Chicago? Die dritte, "Warum hat der Ich-Erzähler keinen Namen", könne er sowieso nicht beantworten. "Das war wirklich interessant", meinte am Ende der Lesung eine Schülerin aus Ludwigsburg, "man denkt immer, Schriftsteller haben für alles, was in ihrem Buch geschieht, eine Erklärung, dabei sind nur wir Leser es, die danach verzweifelt suchen."

Info Das Theaterstück "Agnes" der Theater-AG der Ellental-Gymnasien hat am Donnerstag, 28. Februar, 19.30 Uhr, im Kronenzentrum Premiere. Weitere Aufführungen: 1., 2. und 3. März jeweils 19.30 Uhr, 3.März auch um 11 Uhr. Karten gibt es bei der Stadtinformation.

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