Partner der

Anschlag auf "Charlie Hebdo": Gesprächsbedarf nach dem Schock

Die Morde von Paris haben Menschen auf der ganzen Welt erschüttert. Auch an vielen Schulen in der Region sind sie derzeit das Thema Nummer eins. Wir haben mit Schulleitern gesprochen.

|

In diesen Tagen dürfte es im Land wohl kein anderes Thema geben, das so breit diskutiert wird wie der Terroranschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" und seine weitreichenden Folgen. In den Schulen der Region ist das Thema sehr präsent. Schulleiter aus Bietigheim-Bissingen haben sich gegenüber dieser Zeitung dazu geäußert, wie man mit dem großen Gesprächs- und Erklärungsbedarf der Schüler im Einzelfall umgeht.

Am Beruflichen Schulzentrum in Bietigheim-Bissingen etwa wurden bereits am Tag nach dem Anschlag auf Anordnung des Staatsministeriums die Flaggen vor der Schule auf Halbmast gesetzt. Unter den 2300 Schülern werde über das Thema sehr viel gesprochen, sagte Rektor Stefan Ranzinger am Montag. Unter anderem habe man vonseiten der Schulleitung in die Wege geleitet, dass für einige Tage auf den Info-Bildschirmen im Schulgebäude ein Solidaritätstext mit folgendem Wortlaut angezeigt wurde: "Aus Anlass des terroristischen Anschlags auf die Redaktion der französischen Zeitung ,Charlie Hebdo' hat Ministerpräsident Kretschmann Trauerbeflaggung angeordnet. Wir sind zutiefst betroffen von diesem Attentat und dem Anschlag auf die Presse. Lassen Sie uns in Solidarität und Toleranz zusammenstehen für ein gutes Miteinander an unserer Schule."

Eine offizielle Vorgabe, das Thema verstärkt im Unterricht zu behandeln, habe es laut Ranzinger an seiner Schule aber nicht gegeben. Er wisse jedoch, dass das Attentat von Paris und dessen Folgen von vielen Lehrern individuell im Unterricht thematisiert würden.

Ebenso verfährt man in diesen Tagen auch an der Realschule in Bissingen sowie an der Realschule im Aurain. Hanspeter Diehl, Schulleiter in Bissingen, setzt ebenfalls auf eine individuelle Behandlung des Themas und berichtet von einer Doppelstunde Ethik, die er selbst am Montagvormittag mit einer zehnten Klasse hierzu gehalten habe. Ursprünglich hätte vom Lehrplan her an diesem Tag das Thema "Umwelt-Ethik" auf dem Programm gestanden - es sei ihm jedoch wichtig gewesen, an dieser Stelle gezielt vom vorgesehenen Lehrplan abzuweichen. Viele Schüler seien geschockt über die Brutalität der Terroristen und verurteilten die Ermordung der französischen Redakteure, Polizisten und Geiseln.

Diehl räumte aber auch ein, dass der Aspekt, dass es sich hierbei zugleich um einen Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit gehandelt habe, für viele Schüler noch schwer greifbar sei. Auch Stefan Ranzinger und Claus Stöckle, Rektor der Realschule im Aurain, wiesen im Gespräch mit dieser Zeitung auf diesen Punkt hin. Laut Stöckle handle es sich hierbei um "ein sehr komplexes Thema", für dessen Aufarbeitung im Schulalltag sowie im Unterricht mehr Zeit benötigt werde. Stefan Ranzinger betonte ebenfalls, die Debatte darüber, dass es sich bei dem Terror-Anschlag in dieser Dimension auch um einen Angriff auf westliche Werte handle, vor allem auf "intellektueller Ebene" geführt werde und Vorwissen erfordere. Dieses Vorwissen hätten vielen Schüler - unter anderem aufgrund ihres Alters - bisher noch nicht.

Gerda Grawunder, Schulleiterin an den Ellental-Gymnasien erläuterte mit Blick auf ihre Schule, dass man in den vergangenen Tagen nicht in besonderer Weise aktiv geworden sei. "Das Thema kommt natürlich im Unterricht vor, wenn ein Schüler danach fragt", sagte sie am Montag. Natürlich seien sowohl Lehrer als auch Schüler sehr betroffen. Dass es die Meinungsfreiheit zu verteidigen gelte, sei eine Selbstverständlichkeit, so Grawunder. Zudem wies sie darauf hin, dass man an den Schulen im Land "durch Unterricht und Aufklärung" täglich daran arbeite, den Schülern eben diese Werte, denen die Attacke galt, zu vermitteln.

Von Seiten mehrerer Schulleiter wurde angemerkt, dass es derzeit natürlich Fächer gebe, in denen das aktuelle Thema derzeit verstärkt zur Sprache käme. In diesem Zusammenhang wurden unter anderem Unterrichtsfächer wie Gemeinschaftskunde, Geschichte, Religion oder Französisch genannt.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Wappen
Ludwigsburg

Bietigheim-Bissingen

Einwohner: 42968 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74321
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 211 m ü. NHN
Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD)

www.bietigheim-bissingen.de/

Nachrichten aus Ihrer Gemeinde

Mehr aus der Region
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Bietigheimer eine Runde weiter

Pishtar Dakaj hat mit seinem Gesang bei der Sendung „The Voice of Germany“ die Juroren überzeugt. weiter lesen