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Adoption: Ein Thema, das bewegt

Zwei volle Vorstellungen brachte der Film "Philomena" in der Reihe "Kino & Kirche" im Bissinger Kino. Auch die sich anschließende Diskussion zeigte: Das Thema Adoption bewegt die Menschen.

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Ein Plakat zum Film "Philomena" mit Judy Dench und Steve Coogan als Journalist. Im Schriftzug heißt es: "Eine Mutter und ihr Sohn, den sie weggeben musste.  Foto: 

Eineinhalb bewegende Stunden Kino gab es am Mittwoch gleich zweimal im Deltakino in Bissingen. "Kino & Kirche" zeigte den Spielfilm "Philomena" aus dem Jahr 2014. Darin geht es um das Thema Adoption. Anschließend an die beiden Filmvorführungen stieß Sozialarbeiterin Sybille Breit von der Evangelischen Beratungs- und Vermittlungsstelle für Adoption in Württemberg auf großes Interesse der Besucher und wurde mit Fragen überhäuft. Adoption - immer noch ein Thema, das bewegt.

Philomena (Judi Dench) wird in den 1950er Jahren in Irland von Nonnen, den Magdalenenschwestern, gezwungen, ihren unehelichen Sohn unfreiwillig zur Adoption frei zu geben. Diese verhindern auch 50 Jahre lang jeglichen Kontakt zu ihm. Als sie dann doch seine Identität herausfindet, ist er tot.

Unfreiwillige Adoptione gab es auch in Deutschland. In den 1950er Jahren wurden viele Mischlingskinder in die USA und vor allem nach Skandinavien zur Adoption geschickt. Ihre Mütter, die von - meist farbigen - US-Soldaten schwanger waren, wurden im Nachkriegsdeutschland verhöhnt und ausgegrenzt und wollten ihren Kindern ein neues, besseres Zuhause geben - nicht immer freiwillig, wie man heute weiß.

Immer noch werden knapp 4000 Kinder im Jahr in Deutschland zur Adoption freigegeben. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg wertet die Zahlen für das Jahr 2014 derzeit aus, kann aber für 2013 genaue Adoptionszahlen nennen. So wurden in Baden-Württemberg 300 Mädchen und 276 Jungen adoptiert. Fast die Hälfte der adoptiereten Kinder waren zwischen drei und zwölf Jahre alt. Ein Drittel der Kinder waren unter drei Jahre. Seit 1990 habe sich die Zahl der Adoptieren im Land beinahe halbiert.

Nur bei 30 Prozent der Adoptionen handelte es sich um eine Adoption, bei der beide "neuen" Elterteile und Kind in keinem Verwandschaftverhältnis stehen, die restlichen 70 Prozent wurden vom neuen Partner eines Elternteils adoptiert. Lediglich 173 adoptierte Kinder von den insgesamt 576 Kindern stammen nicht aus Deutschland, sondern 79 aus europäischen Ländern, 48 aus Asien, 24 aus Amerika und 22 Kinder aus Afrika.

In Baden-Würtemberg wurden 2013 insgesamt 704 Adoptionsanträge gestellt. So kamen auf ein zur Adoption vorgemerktes Kind in diesem Jahr 14 mögliche Adoptiveltern. 25 Mädchen und 26 Jungen waren vorgemerkt. Heruntergebrochen auf den Landkreis Lugwigsburg wurden im Jahr 2013 insgesamt 22 Mädchen und zehn Jungen adoptiert. Neun der insgesamt 32 Kinder kamen in eine ihnen bisher fremde Familie.

Adoptionswillige Eltern werden einer eingehenden Prüfung unterzogen, müssen Führungszeugnisse, Lebenslauf, ärztliches Attest, vorweisen und genau über ihr Lebensumfeld berichten. Meistens werden Ehepaare zu Adoptiveltern, aber auch Alleinstehende können Kinder adoptieren. Mindestens 25 Jahre alt sollte ein Elternteil sein, nach oben ist keine Altersgrenze gegeben, aber Sibylle Breit sagt, dass Eltern über 45 Jahren es schwer haben, ein Kind zu bekommen. "Wir wollen Eltern vermitteln, nicht Großeltern, aber es gibt immer Ausnahmen", sagt sie. Außerdem spielen die Einkünfte eine Rolle, Empfänger von Hartz IV können keine Kinder adoptieren.

Ein Kommentar von Gabriele Szczegulski: Ein mutiger Weg

Immer noch - aller Vorsorge und sozialen Unterstützungen zum Trotz - gibt es ungewollte Schwangerschaften und in der Folge Kinder, die zur Adoption freigegeben werden - auch in Deutschland. Viele Beispiele zeigen, dass Adoption auch in einer modernen Solidargemeinschaft ein Thema ist. Es gibt Fernsehsendungen rund um die Adoption - und zwar nicht nur bei den Privatsendern, sondern auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Darin suchen Kinder vor einem Millionenpublikum ihre leiblichen Eltern oder Mütter ihre adoptierten Kinder. Noch zu oft werden Mütter verdammt, weil sie ihre Kinder weggeben. Aber zu diesem Schritt gehören auch Mut und das Ansinnen, dem Kind einen besseren Platz im Leben verschaffen zu wollen. Viele sind nicht in der Lage, selbst für das Kind zu sorgen. Meist ist es also kein egoistischer Antrieb, sondern das Beste im Sinne des Kindes. Adoptionsvermittler wie Sybille Breit wissen, dass es in erster Linie die leiblichen Mütter sind, die unter der Weggabe ihres Kindes leiden. Vor allem sind sie in ihrem Schmerz isoliert, da Adoption immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft ist.

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