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"Ich fänd' es toll, ein Leben zu retten"

Am Sonntag wird in der Vaihinger Waldorfschule eine Typisierungsaktion ausgerichtet. Gesucht wird ein Stammzellenspender für die 15-jährige Meike Kilp. Die Leukämiepatientin und ihre Eltern sind gerührt von der Hilfswelle.

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Meike Kilp hat Leukämie und benötigt eine Stammzellenspende. Nach einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt ist die 15-Jährige momentan wieder daheim bei Mama Claudia und Papa Andreas und den beiden Hündinnen Amy und Lucy, ihren absoluten Lieblingen.  Foto: 

1000 kleine Kraniche aus Papier. Die Elftklässler aus der Waldorfschule in Vaihingen sind seit vielen Tagen mit Basteln beschäftigt. Eine japanische Legende besagt, dass derjenige, der 1000 Kraniche faltet, einen Wunsch erfüllt bekommt. Die Origami-Kunstwerke sind für Meike Kilp bestimmt. Die 15-Jährige aus Untermberg hat Leukämie.

Im Sommerurlaub 2014 ist das Unglück über die Familie hereingebrochen. Die damals 13-jährige Meike bekommt urplötzlich hohes Fieber. Ein kroatischer Arzt drängt die Touristen nach einer Blutuntersuchung, sofort nach Deutschland heimzukehren. Eine Knochenmarkpunktion enthüllt: 80 Prozent Leukämiezellen. Die Chemotherapie beginnt augenblicklich. Krebs. Damit hat die Familie bis zu dem Zeitpunkt nichts zu tun gehabt. "Ich dachte, ältere Leute kriegen so was", sagt Meike rückblickend. Ihre Mutter Claudia erleidet einen Nervenzusammenbruch. "Ich war bei Meike, aber ich war nicht da."

Auch Meike sagt, dass sie wenig Erinnerungen an diese Zeit hat. Präsenter sind ihr der 27. Januar dieses Jahres und alles, was seither passiert ist. Am 27. Januar haben die Ärzte festgestellt, dass der Blutkrebs zurück ist. Die Chemotherapien haben nicht alle Krebszellen getötet. Es geht wieder von vorn los. Zwei Chemoblöcke hat die Zehntklässlerin bereits wieder hin sich. Jetzt, nachdem ihre Blutwerte es wieder zulassen, ist sie daheim. Alle zwei Tage muss sie nach Stuttgart ins Olgahospital fahren und bekommt dort eine ambulante Chemotherapie. Meike nestelt an ihrem Pullover und zieht zwei Kabel hervor, die aus ihrer Brustplatte baumeln wie Kopfhörer aus einem Smartphone. Ein permanenter Zugang für die Medikamente. Die 15-Jährige zieht eine Schnute. Deswegen darf sie momentan nicht duschen.

Es sind diese kleinen Einschränkungen, die dem Teenager zu schaffen machen. Was im Krankenhaus das Schlimmste war? "Dass die Hunde nicht da waren", sagt sie. Lucy und Amy, die beiden aufgedrehten Cockerspaniel-Mischlinge, sind Meikes Lieblinge. Früher ist sie gern geritten. Das darf sie momentan nicht, wegen der ganzen Bakterien. Manche Lebensmittel sind tabu. Und die Schule, die fehlt ihr auch. Vor Kurzem war sie nach längerer Pause mal wieder einen Tag dort. Endlich die Freunde sehen. Zwischendurch arbeitet sie eigenständig den Unterrichtsstoff nach, erklärt sie stolz.

Die Chemo verträgt Meike gut. Übel sei ihr nur selten. "Manchmal bin ich müde danach", sagt sie. Die gerade erst nachgewachsenen Haare fallen ihr langsam wieder aus. Meike kennt das schon. Früher hatte sie eine lange blonde Mähne. Als sie die verloren hat, hat sie aber nur kurz mit einer Perücke überbrückt. Und als im Januar dann der Rückfall kam, hat sie die dunkel nachgewachsenen Haare sofort blond gefärbt. Zum Trotz. Das Ergebnis war ein bisschen rötlich. Die Kilps lachen herzhaft darüber.

"Man rückt eher zusammen", sagt Claudia Kilp über das Familienleben. Die Gespräche mit Meike und ihren beiden Halbschwestern helfen der Mutter, wie sie sagt. Offenheit ist der Familie wichtig. Geredet wird auch über diejenigen, die Meike auf der kinderonkologischen Station kennengelernt hat und die es nicht geschafft haben, erläutert Andreas Kilp, der Vater. "Man weiß gar nicht, woher man die Kraft nimmt", sagt seine Ehefrau.

Energie gibt den Kilps Hilfe von außen. Meikes Lehrer und Mitschüler aus der Waldorfschule in Vaihingen sowie deren Eltern haben eine große Typisierungsaktion ins Leben gerufen. Ziel: einen Stammzellenspender für die Meike finden. Denn die Chemo, die das Mädchen aktuell macht, wird ihm keine Heilung bringen, sondern ist vielmehr dazu da, um den Krebs in Schach zu halten. "Schulmedizinisch gibt es keine Alternative für Meike", sagt ihr Vater Andreas über die Transplantation. Aktuell wird bei der DKMS - kurz für Deutsche Knochenmarkspenderdatei - nach einem genetischen Zwilling für Meike gesucht. Dessen Stammzellen könnten ihr Leben retten. Parallel sollen sich am Sonntag in der Waldorfschule so viele potenzielle Spender wie möglich neu registrieren. Seit Wochen organisieren Freiwillige die Veranstaltung. Meikes Klassenkameraden verteilen Plakate und wollen Kuchen verkaufen. "Ich finde das überwältigend, dass so viel gemacht wird", sagt Claudia Kilp.

Aus dem Krankenhaus kennt Meike einen Freund, der aktuell eine Stammzellentransplantation durchläuft. Mit dem chattet sie viel. Das nimmt ihr die Angst, wie sie sagt. "Direkt davor wird durch eine Chemo alles zerstört", weiß sie. Das körpereigene Abwehrsystem wird plattgemacht. Das heißt: Quarantäne, während sie die rettenden Zellen eines Fremden per Infusion bekommt. Die werden dem Spender in der Regel zuvor einfach aus dem Blut entnommen, seltener aus dem Beckenknochen. Ob sie Verständnis hat für jene, die sich nicht als Spender zur Verfügung stellen wollen? "Ich verstehe das. Manche haben Angst vor Nadeln", sagt die 15-Jährige. Dann lächelt sie. "Ich fänd' es toll, ein Leben retten zu können."

Meike möchte endlich am Silvesterlauf teilnehmen. Dafür hatte sie 2014 trainiert gehabt, dann kam der Krebs. Und sie möchte ihre Halbschwester in Los Angeles besuchen. Und sie möchte wieder auf die Aida. Dort war sie Anfang Januar, um zu feiern, dass die Leukämie weg ist - nur wenige Tage später kam die Nachricht vom Rückfall. Meike Kilp lässt sich dadurch nicht aus der Bahn werfen. "Ich werde wieder auf der Aida sein. Das ist versprochen."

Info Die Registrierungsaktion ist am Sonntag, 20. März, von elf bis 16 Uhr in der Waldorfschule Vaihingen. Neben den Oberbürgermeistern Jürgen Kessing und Gerd Maisch aus Bietigheim-Bissingen und Vaihingen fungiert nun auch Gerlinde Kretschmann, die Frau des Ministerpräsidenten, als Schirmherrin der Aktion.

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