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„Hier werden wir nicht angegiftet“

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Gut gebrüllt, Löwe. In sportlicher Hinsicht gibt es daran aktuell wenige Zweifel, denn die Löwen Frankfurt haben alle drei bisherigen Finalspiele gegen die Bietigheim Steelers gewonnen.

Die Löwen sind nicht nur Könige der Tiere, sondern können sich am Freitag auch die sportliche Krone aufsetzen. Die Matches sind heiß umkämpft, die Fans beider Mannschaften unterstützen ihre Teams jeweils lautstark.

Kein Stress durch Ultras

Beim Eishockey sind Beleidigungen oder Anfeindungen in solch brisanten und entscheidenden Situationen keine Seltenheit. Doch zwischen Frankfurt und Bietigheim sucht man sie vergebens. Da brüllt der Fan-Löwe maximal den Schiedsrichter an, aber nicht die gegnerischen Fans. Woran liegt das?

„Frankfurt hat einfach keine Ultra-Gruppen, die Stress machen“, lautet ein Erklärungsversuch von Michael Majer, Mitglied im Steelers-Fanclub „Ice Hawks“. Daniel „Ahua“ Groß, Fan der Löwen Frankfurt, sieht das ähnlich: „Egal ob ein Spiel bei uns stattfindet oder in Bietigheim – es gibt keine Randale. Die Bietigheimer sind unserer Art sehr ähnlich. Es ist kein Nauheim, kein Kassel. Hier werden wir nicht angegiftet.“ Obwohl die Entfernung von Frankfurt und Bietigheim zwar kein echtes Derby zulässt, hat ein Aufeinandertreffen beider Mannschaften für Groß dennoch einen ähnlichen Charakter. Mit am liebsten kommen er und seine Lebensgefährtin in die Bietigheimer EgeTrans-Arena. Daniel Groß hat sogar einen Steelers-Schal, und als die Bietigheimer vergangenes Jahr einen Sonderzug organisierten war der Frankfurt-Anhänger einen Tag zuvor ins Ellental gereist, um mit dem Sonderzug nach Frankfurt zu fahren.

In den Jahrzehnten seien viele Fan-Freundschaften entstanden, die weit über das Sportliche hinausgingen – „und sie bestehen bis heute“, erzählt Daniel Groß. Bei einem Freitagsspiel übernachten er und seine Lebensgefährtin Mareike, die er 2008 in einer Eishockey-Halle kennenlernte, auch hin und wieder bei Bietigheimer Freunden. Vor 15 Jahren stand er auf der Gästeliste der Weihnachtsfeier der „Ice Hawks“, zuletzt waren sowohl Groß als auch seine Bietigheimer Fan-Kollegen bei einer Hochzeit in Bremerhaven eingeladen.

Man versteht sich

Auf einem von den Bietigheimern organisierten Fantreffen vor über 15 Jahren haben sich Fans beider Seiten kennengelernt. „Man sieht sich bei vielen Fantreffen, spricht miteinander, kennt und versteht sich“, sagt Sabine Majer. Warum das ausgerechnet mit den Frankfurtern so gut klappt, kann sie nicht erklären. „Es passt einfach.“ Da sind sich Majer und Groß einig. „Für die Freunde aus Frankfurt machen wir gern unser Klubheim auf“, sagt auch Bernhard Sedlmayr, Schriftführer beim Förderverein der Steelers. Obwohl die Anfrage seitens der Frankfurter vergangene Woche relativ kurzfristig gekommen sei, habe man die Verpflegung der angereisten Fans möglich gemacht.

„Ice-Hawks“-Mitglied Meli Brandt vermutet, dass die gegenseitige Sympathie auf ein gemeinsames Erlebnis zurückzuführen ist: „Der Wechselgesang war wohl der ausschlaggebende Punkt.“ Vor etwa drei Jahren, nachdem die Löwen in die DEL 2 aufgestiegen waren, stimmten die Bietigheimer einen Fan-Gesang an, die Frankfurter in ihrer Kurve gegenüber ergänzten diesen. „Es ging hin und her, am Ende sogar gemeinsam. Das hat sich einfach so ergeben“, sagt Brandt. In der Runde nicken alle zustimmend.

Die „Frankfurt Lions“ waren 2010 aus Lizenzgründen aus der DEL abgestiegen, mussten sich als neu formierte „Löwen Frankfurt“ von der Regionalliga nach oben arbeiten. „Wir haben uns einfach gefreut, dass Frankfurt wieder da war“, erinnert sich Meli Brandt.

Und wie sie zurückgekommen sind. Die Stimmung am Mittwochabend im Ellental kochte, die Fans gönnten sich nur kurze Verschnaufpausen. Strittige Szenen gab es einige, und dennoch zeigten die Löwen- und Steelers-Anhänger, dass sportlich faires Verhalten trotzdem funktioniert – wenn man nur will.

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