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Ruhig agieren, langsam sprechen

Das Bietigheimer Unternehmen Spillmann hat kürzlich eine spezielle Schulung für Busfahrer zum Umgang mit Fahrgästen mit Demenz durchgeführt. Die Fahrer wissen von vielen Fällen aus ihrem Berufsalltag zu berichten.

MICHAEL KRAUTH |

Es gibt Fahrgäste, die über einen langen Zeitraum im Bus sitzenbleiben und ohne erkennbares Ziel umherfahren oder solche, die mit Hausschuhen bekleidet beim Busfahrer für längere Zeit nach ihrem Kleingeld suchen - viele Busfahrer des Unternehmens Spillmann können von Erlebnissen mit Menschen berichten, die an Demenz erkrankt sind und sich im öffentlichen Nahverkehr plötzlich einer hilflosen Lage wiederfinden. Um auf solche Situationen richtig und effektiv reagieren zu können, hat Spillmann zusammen mit der Alzheimergesellschaft Baden-Württemberg und dem Landratsamt eine spezielle Schulung zum Thema Demenz durchgeführt

Laut Tobias Hähnle, der bei Spillmann für den Bereich ÖPNV-Planung und Qualitätsmangement zuständig ist, sei das Interesse der rund 70 Busfahrer, die tagtäglich auf den Straßen der Region unterwegs sind, sehr groß gewesen - vor allem, weil so gut wie jeder dieser Mitarbeiter bereits mehrfach mit diesem Thema in Berührung gekommen sei.

Gisela Blanz ist eine von ihnen - sie arbeitet schon seit zehn Jahren als Spillmann-Busfahrerin und ist derzeit unter anderem oft auf einer Route zwischen dem Ellental und dem Kronenzentrum im Einsatz. Da auf dieser Strecke sehr viele Senioren unterwegs in die Innenstadt seien, kenne sie zahlreiche ältere Fahrgäste bereits seit vielen Jahren. Es komme immer wieder vor, dass einem über einen längeren Zeitraum hinweg auffalle, "wie mancher Fahrgast im Alter immer weiter abbaut". Das fange beispielsweise damit an, dass mancher Fahrgast, der einige Monate zuvor noch problemlos bei Ticketkauf mit seinem Kleingeld umgehen konnte, hiermit plötzlich sehr große Schwierigkeiten habe und Hilfe benötige.

Konkrete Fälle, bei denen sich demente Fahrgäste urplötzlich in einer problematischen Lage wiederfanden, habe sie in den vergangenen Jahren auch erlebt, sagt Blanz. "Im Stadtteil Buch ist einmal eine Frau eingestiegen, die alle Stationen mitgefahren ist", erklärt Blanz - und an der Endhaltestelle plötzlich überrascht gesagt habe, dass sie sich dort überhaupt nicht auskenne. Hieraufhin informierte Blanz die Bus-Zentrale, woraufhin die Polizei hinzugezogen wurde, um der Frau zu helfen.

Auch in Metterzimmern habe sie einmal eine ältere Frau mitgenommen, die ihr Urin nicht mehr halten konnte - und von der sich letztendlich herausstellte, dass sie als vermisst gemeldet worden war. Da man als Busfahrer unvermittelt mit einer solchen Situation konfrontiert werden könnte, sei die angebotene Schulung genau das Richtige gewesen, sagt Gisela Blanz.

Geleitet wurde dieses dreistündige Angebot von Ute Hauser von der baden-württembergischen Alzheimergesellschaft. "Unter anderem ging es darum, Hintergrundwissen über die Ursachen und Symptome einer Demenzerkrankung zu vermitteln", sagt Hauser, die vor einiger Zeit auch ähnliche Schulungen bei Banken oder Einzelhandelsgeschäften durchgeführt hat. Die Situation sei überall dieselbe: Ältere Menschen, deren Demenzerkrankung bisweilen schleichend voranschreitet, kommen im Alltag regelmäßig mit einem ihnen bekannten Mitarbeiter am Bankschalter, an der Supermarktkasse oder eben im Bus in Kontakt. Wenn diese Mitarbeiter für dieses Thema sensibilisiert und entsprechend geschult seien, so könnten sie im besten Fall ein Demenz sogar schon im Frühstadium bemerken - und den Betroffenen hierauf aufmerksam machen, so Hauser. Häufig sei es jedoch so, dass Busfahrer in Fällen reagieren müssten, in denen die Demenz schon weit vorangeschritten sei. Während der Schulung wurden Kommunikationsstrategien wie langsames Sprechen, Blickkontakt herstellen und Gelassenheit ausstrahlen vermittelt und an Fallbeispielen diskutiert. Vermittelt wurde auch, wen man im Ernstfall kontaktieren könne - neben der Polizei etwa den örtlichen Pflegestützpunkts.

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