Partner der

Plakative Männerriege - Vandalismus nimmt zu

Trotz des Vormarschs des Internets gehört das Plakatieren zu den unverzichtbaren Bestandteilen des Wahlkampfs. Das zeigt auch ein Blick auf die Straßen des Wahlkreises Bietigheim-Bissingen. Ein Problem ist der Vandalismus.

UWE MOLLENKOPF |

Die Plakate an den Straßenrändern sind so etwas wie das Salz in der Suppe des Wahlkampfs, sagt der Grünen-Abgeordnete Daniel Renkonen. Ohne sie würde etwas fehlen. Es gehe dabei vor allem um die Wahrnehmung durch die Bevölkerung im öffentlichen Raum. Hingucker sollen sie sein. Man sende damit das Signal aus "Wir sind bereit", so Renkonen.

Das sieht man auch bei der politischen Konkurrenz so. "Die Menschen werden von den Plakaten auf die bevorstehende Landtagswahl aufmerksam gemacht", sagt der CDU-Kandidat Fabian Gramling. Als Neuling geht es ihm dabei um die Botschaft, frische Impulse setzen zu wollen. Für den SPD-Abgeordneten Thomas Reusch-Frey ist darüber hinaus der Wiedererkennungswert wichtig. "Ich war in den vergangenen Jahren mehrfach in allen Ortschaften meines Wahlkreises, da erinnert das Bild-Plakat am Straßenrand an mich."

Auffallen durch eine "frische und moderne" Plakatgestaltung will die FDP, die auf eine Kombination der Farben Magenta, Blau und Gelb setzt. Hinzu kommen persönliche Botschaften. So macht sich sich FDP-Kandidat und Arzt Dr. Dieter Baumgärtner auf einem seiner Plakate für Ärzte in der Nähe stark.

Für den AfD-Bewerber Dr. Roland Mackert spielt die Plakatkampagne hingegen eine "eher nachrangige Rolle". Er hat 50 Wahlplakate anbringen lassen, weitere 50 sollen noch aufgehängt werden. Von Renkonen hängen dagegen mehr als 700, ohne die großfächigen Plakate des Landesverbandes. Spitzenreiter ist Fabian Gramling, von dem nach eigener Aussage im gesamten Wahlkreis rund 900 Plakate angebracht wurden. 600 Stück hat Thomas Reusch-Frey aufhängen lassen, einige sollen noch folgen. Der SPD-Abgeordnete sagt, man habe im Vorfeld diskutiert, wie viele gut und wie viele nötig seien. "Wir haben uns auf eine zurückhaltende Linie geeinigt und wollen keine Materialschlacht", erklärt Reusch-Frey. Mit ebenfalls 600 ging Dr. Dieter Baumgärtner für die Liberalen ins Rennen, doch das stürmische Wetter oder Vandalismus hätten vielen den Garaus gemacht. Deshalb habe man 250 nachbestellt, die jetzt ebenfalls zum Teil hängen. Auffallend ist, dass im hiesigen Wahlkreis im Gegensatz zur Bundestagswahl hauptsächlich nur die aussichtsreichsten Parteien plakatieren. Vereinzelt ein Plakat der Linken und von Alfa, ansonsten herrscht weitgehend Fehlanzeige.

Bei der Gestaltung der Plakate setzen die Kandidaten - übrigens allesamt Männer - auf professionelle Unterstützung. Für die Großplakate sind die Landesverbände zuständig. Beim Aufhängen sind hingegen fast überall ehrenamtliche Helfer gefragt - mit klarem Vorteil für mitgliederstarke Parteien. "Das klassische Plakatekleben gehört bei uns noch dazu", hebt etwa Thomas Reusch-Frey (SPD) hervor. Die CDU hat laut Fabian Gramling in vier Kommunen eine Firma dafür beauftragt, bei Daniel Renkonen übernimmt das Aufhängen komplett eine Agentur. Mit Blick auf den Vandalismus hat der Grünen-Abgeordnete festgestellt, dass dieser zunehme, auch wenn man noch keine Zustände wie in Stuttgart habe. Er wisse, dass Plakate von ihm beschmiert oder beklebt wurden. Bei Reusch-Frey war's bisher die Ausnahme: "Bisher wissen wir von einem Kandidatenplakat, das aufs Übelste bemalt wurde." Einige Plakate hätten unter dem Wind gelitten. Von vereinzelter Plakatbeschädigung berichtet Fabian Gramling.

Roland Mackert (AfD) schildert, man habe in Bietigheim einen Fahrradfahrer beobachtet, "der sich auf Vandalismus spezialisiert hat". Er habe jedoch nicht identifziert werden können. Auch Dieter Baumgärtner wurde in einem Fall telefonisch darüber informiert, dass gerade ein Plakat der FDP und eines der AfD in Bietigheim verschwunden seien. Der Zeuge habe versucht, dies zu verhindern, der Täter habe diesem jedoch sogar Prügel angedroht. Der FDP-Kandidat hat bei einem anderen Vorfall in Freiberg Anzeige erstattet - herausgekommen sei dabei aber nichts. Ob deswegen oder wegen des Wetters: Fast alle Parteien haben bei den Plakaten noch eine Reserve in petto. Man weiß schließlich nie, was noch kommt.

Wahlwerbung auf dem Videoboard

Videoboard Seit 2002 gibt es am Bietigheimer Bahnhof ein Videoboard. Fast alle Parteien hätten bislang darauf geworben, so eine Sprecherin des Unternehmens Board27. Nur die SPD habe bislang darauf verzichtet.

Wahl 2016 Dr. Roland Mackert von der AfD ist derzeit der einzige Kandidat, der auf dem Videoboard wirbt. Er verspreche sich davon eine größere Breitenwirkung, zumal man bislang wenig plakatiert habe. Eine weitere Partei hat nach Angaben von Board27 eine Schaltung angedacht. Dafür gibt es verschiedene Pakete, der Preis richtet sich nach der Länge des Spots, der Laufzeit und der Frequenz. Je kürzer die Laufzeit, desto höher sollte die Frequenz sein, heißt es.

 

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Themenschwerpunkt

Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg

Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg

Alle fünf Jahre wählen die Menschen in Baden-Württemberg den Landtag. Am 13. März 2016 fiel die Wahl historisch aus: In Baden-Württemberg kommt die erste grün-schwarze Regierung an die Macht.

mehr zum Thema

Zum Schluss

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr

Mückenplage droht – ...

Wo kommt sie vor? Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Deutschland droht eine Stechmückenplage. Der Grund: das feuchtwarme Wetter. Experten bitten darum, Mücken zu fangen und einzusenden. mehr

YouTube-Star Moritz Garth ...

Justin Bieber war der erste, der noch nicht ganz so bekannte Moritz Garth will ihm folgen. Musiker, die auf der Onlineplattform Youtube Erfolge feiern, wagen sich auch in die richtigen Charts vor. mehr