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"Deutsch geht gut": Russin macht sich um deutsche Sprache verdient

Mit Olga Martynova kommt eine Trägerin des renommierten Ingeborg-Bachmann-Preises im Rahmen von "Deutsch geht gut" nach Bietigheim-Bissingen. Die Russin liest aus ihrem Buch "Mörikes Schlüsselbein", mit dem sie ihre Affinität zur deutschen Sprache beweist.

GABRIELE SZCZEGULSKI |

Es war zwar eine knappe Wahl, aber schlussendlich setzte sich die Russin Olga Martynova im Juli 2012 bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt/Österreich gegen Konkurrent Matthias Nawrat, einem Polen, durch. Damit ist sie die erste Trägerin des Ingeborg-Bachman-Preises, die keine Muttersprachlerin ist. Die Jury sah darin, dass zwei Autoren, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, im Wettkampf um einen der wichtigsten Literaturpreise standen, als Trend. Und damit ist das Projekt "Deutsch geht gut", das genau diesen Ansatz verfolgt, seit 12 Jahren Trend setzend.

Olga Martynova las ihren Text "Ich werde sagen Hi" aus ihrem Buch "Mörikes Schlüsselbein", das damals noch nicht erschienen war. Dieses Buch wird die 52-jährige Russin, die mittlerweile in Frankfurt/Main lebt, auch während des Projektes "Deutsch geht gut" lesen. "Die Leichtigkeit des Martynova-Textes erschließe sich zwar nicht sofort, doch sehr bald gehe man in dem geschilderten Städtchen sehr gern überallhin", sagte einer der Juroren. Und tatsächlich: Mit dem Anfang des Martynovaschen Buches tut man sich schwer. Hat man sich aber eingelesen, dann ist das Buch von einer Leichtigkeit, die den Leser durch das Werk rennen lässt. "Mörikes Schlüsselbein" ist kein leichter und schon gar kein leichtfertiger Roman, er ist deutsche Literatur par excellence und - das erstaunte die Klagenfurter Jury auch - geschrieben von einer, die die deutsche Sprache erst erlernen musste. Eine etwas verworrene Handlung will nur eines: die Selbstfindung eines Künstlers darstellen. Alles ist mit allem verbunden, Werbeagenturen in New York mit Schamanen in der kasachischen Steppe oder eben mit Mörikes Schlüsselbein in Tübingen, wenn auch nicht unbedingt sinnvoll. Anlehnungen an Alfred Döblin oder gar Fjodor Dostojewski findet man da und natürlich auch an Mörike. Es ist eine Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen - auch in der Literatur.

"Ein guter Roman muss heute eine mühsame Lektüre sein, unberechnet, vom Geschmack des Publikums nichts wissend. Das war nicht immer so. Aber vieles war früher nicht so." - So definiert Martynova in "Mörikes Schlüsselbein" und beweist ihre These in ihrem Roman: Manchmal ist er mühsam zu lesen, dann kommt wieder ein Überraschungsmoment, aber nie ist es Mainstream, was die Schriftstellerin da vorlegt. Der Klappentext zu "Mörikes Schlüsselbein" täuscht: Das Buch ist kein "liebevoller Familienroman", er ist verschachtelt und manchmal schwer nachvollziehbar. Nichtsdestotrotz ist er ein wichtiges Buch. Schiebt man alle Erwartungen zur Seite, ergibt sich nach der Lektüre ein traumvoller Roman. So mühevoll die Lektüre auch seitenweise ist, so faszinierend sind die Geschichten, die Denkweise, die Vorgänge. Immer wieder will man das Buch in die Ecke werfen, doch dann sorgt es wieder für unvergleichliches Lesevergnügen. Das ist doch wie bei vielen Klassikern: Wer hat nicht Döblins Alexanderplatz des Öfteren verflucht und doch ist es ein hervorragendes Buch. Und auch Dostojewskis Werke sind nicht gerade leichte Bettlektüre.

Trotzdem müssen die Schüler keine Angst vor der Lesung mit Olga Martynova haben, denn es gibt Passagen in dem Buch, die sind so schön verquer und modern geschrieben, dass es eine Freude sein wird, sie von der Autorin vorgelesen zu bekommen. Denn ihr sprachlicher Vortrag, das sagten auch die Juroren des Bachmann-Preises, sei einer der besten gewesen, denn sie je gehört hätten.

Info Olga Martynova, Michal Hvorecky, Anila Wilm, Nevfel Cumart und Fadi Saad lesen am Mittwoch, 5. Februar, 20 Uhr, in der Otto-Rombach-Bücherei in Bietigheim und am Donnerstag, 6. Februar, 18 Uhr, in der Realschule Bissingen.

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