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Der Spitzenkandidat der FDP über die Bildungsvorschläge seiner Partei

Die Gemeinschaftsschule, die die grün-rote Landesregierung installiert hat, sei ein "Angriff auf das Bildungsniveau". So die These der FDP. Im Hotel Otterbach bot Fraktionsvorsitzender Dr. Hans-Ulrich Rülke einen "Schulfrieden" an.

GABRIELE SZCZEGULSKI |

Nicht nur Dr. Hans-Ulrich Rülke, den Fraktionsvorsitzenden und Spitzenkandidaten für die FDP im Landtag, konnte Dr. Dieter Baumgärtner, FDP-Stadtrat und Landtagskandidat, am Mittwochabend im Hotel Otterbach begrüßen. Auch Kai Buschmann, ebenfalls FDP-Landtagskandidat aus Remseck, war wegen des Themas Bildung gekommen. Der ehemalige Konrektor des Lichtensterngymnasiums in Sachsenheim und mittlerweile Direktor der privaten Waldschule in Stuttgart-Degerloch ist in der FDP der Bildungsexperte, so Baumgärtner.

Einen Ausflug in die Geschichte des Südwestens machte Hans-Ulrich Rülke, um den Standpunkt der FDP in Bildungsfragen zu untermauern. Erst das hohe Bildungssystem hätte das frühere "Armenhaus" zu einer Region mit hoher Lebensqualität gemacht. "Der große wirtschaftliche Erfolg unseres Landes wurde durch das differenzierte Bildungssystem erreicht", so Rülke.

"Differenziertes Bildungssystem" war denn auch der Begriff des Abends, sowohl beim FDP-Spitzenkandidaten als auch bei Kai Buschmann, der im Anschluss Rülkes Ausführungen mit Beispielen untermauerte. "Die Differenzierung im Schulsystem war richtig und Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges für Baden-Württemberg", sagte Rülke und unterstellte gleichzeitig der grün-roten Landesregierung eine "Gleichmacherei des Schulsystems durch eine Schule für alle" und bezichtigte sie "der Lüge, sie wollten alle anderen Schulformen weiter aufrecht erhalten". Der Befund der grün-roten Bildungspolitiker, dass es einen Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildung gebe, sei wohl richtig, so Rülke, aber die Gemeinschaftsschule als Heilmittel für soziale Missstände, diese Theorie halte er für "Voodoo".

Er, so Rülke, plädiere mit der FDP für eine "Differenzierung des Schulsystems", also: "Für jedes Kind die richtige Schule". Ihm fielen da auf Anhieb zehn Schulformen ein, die erhaltenswert seien, das zweigliedrige Bildungssystem, das die Landesregierung wünsche, würde einen Zerfall des Bildungsniveaus mit sich führen. "Die Landesregierung will das Abiturniveau absenken, das Sitzenbleiben abschaffen und in der Folge auch das Gymnasium, sie sagt es nur nicht offen aus taktischen Überlegungen vor der Landtagswahl", sagte der FDP-Spitzenkandidat. Die Realschule, so Rülke, spiele bei Grün-Rot sowieso keine Rolle, er aber sei der Meinung gerade die Realschule und das duale Ausbildungssystem an beruflichen Schulen seien das "Rückgrat" des wirtschaftlichen Erfolgs der Landes. Hier stimmte ihm auch Stefan Ranzinger, Rektor des beruflichen Schulzentrums in Bietigheim-Bissingen, im anschließenden Gespräch zu. Weil die Gemeinschaftsschulen derzeit privilegiert seien, würden sich viele Schulen um diesen Status bewerben, "nicht aus pädagogischen Gründen, weil sie das Konzept so gut finden, sondern aus Standortgründen, weil sie Angst haben, dass sie abgeschafft werden", sagte Rülke.

Käme seine Partei in die Regierungsverantwortung, gäbe es keine weiteren Privilegien für Gemeinschaftsschulen, keine weiteren würden geschaffen. Rülke erläuterte aber auch das Konzept des "Schulfriedens", den die Landes-FDP den anderen Parteien zum Konsens angeboten habe: "Keine neuen Gemeinschaftsschulen, keine bessere Ausstattung als andere Schulen, aber die bestehenden Gemeinschaftsschulen bleiben aufgrund einer Verlässlichkeit für Schüler, Eltern und Lehrer ohne weitere Privilegien erhalten, aber dafür Finger weg von anderen Schularten."

"Die grün-rote Landesregierung opfert den Erfolg der Bildung in der Vergangenheit, um der Illusion hinterher zu rennen, durch ihr Schulsystem soziale Unterschiede abzubauen, behindert aber gleichzeitig Begabte am Erfolg", sagte Rülke, dessen Ausführungen Applaus bei den anwesenden 40 Gästen sowie einhellige Zustimmung auch in den anschließenden Gesprächsbeiträgen erntete.

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