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Zauberwald-Kindergarten: Kinder spüren Natur mit allen Sinnen

Lautes Geschrei auf Fluren und in engen Räumen kennen die Kinder vom Zauberwald-Kindergarten nicht. Sie können sich in der Natur bewegen und lernen etwas über die Tiere und Pflanzen. Der ungewöhnliche Kindergarten wird fünf Jahre alt.

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Zahlenlernen im Freien beim Waldkindergarten in Besigheim: Bettina Bruker (links) hat langjährige Erfahrung in Waldkindergärten, die Kinder machen begeistert mit.  Foto: 

Vielen Kleinkindern aus der Stadt ist die Natur heutzutage eher fremd. Sie stapfen vielleicht mal beim Sonntagsspaziergang mit ihren Eltern durch den Wald. Ansonsten lernen sie die heimische Flora und Fauna allenfalls über den Fernsehkanal oder über den Computer kennen. Nicht so die Kinder vom Zauberwald-Kindergarten am Waldrand neben dem neuen Friedhof. Sie lernen schon im zarten Alter von drei Jahren, was ihre natürliche Umgebung an Reichtum hervorbringt.

Während andere Vorschulkinder oft in beengter Atmosphäre und bei unruhigen Verhältnissen den Tag in einer Betreuungseinrichtung verbringen, ziehen die Zauberwald-Kinder vormittags in die Natur hinaus. "Nur, wenn es eine Sturmwarnung gibt, oder die Temperaturen unter null Grad sinken, bleiben wir mit den Kleinen im Bauwagen", sagte Petra Frank im Gespräch mit der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung. Frank leitet zusammen mit Bettina Bruker den Kindergarten im Freien. Beide teilen sich eine volle Stelle und sind beim Trägerverein angestellt.

In diesem Jahr feiert der Zauberwald-Kindergarten sein fünfjähriges Bestehen. Im Herbst 2009 fing alles mit einer Kleingruppe von neun Sprösslingen an. Im Mai 2010 wurde die Einrichtung in die städtische Bedarfsplanung mit aufgenommen und erhielt von der Stadt eine Betriebserlaubnis für die Betreuung von zunächst 15 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Aufgrund der langen Wartezeiten erhöhte der Trägerverein indes vor einiger Zeit das Betreuungsangebot von 15 auf 20 Plätze. "Wir haben derzeit 18 Kinder und somit noch zwei Plätze frei"", meinte Frank im Blick auf das neue Kindergartenjahr nach den Sommerferien. Bürgermeister Steffen Bühler habe sich von Anfang an für den Waldkindergarten stark gemacht, ergänzte Corina Klink, die seit der Gründung in der Einrichtung beschäftigt ist. Auch die zuständige Mitarbeiterin bei der Stadt, Edeltraud Barth, schätzt die Betreuungsstätte. "Der Waldkindergarten ist in Besigheim eine enorme Bereicherung", sagte sie der BZ. Den größtenteils Besigheimer Eltern gefällt im Rahmen des pädagogischen Konzepts nicht nur, dass ihren Kindern die Liebe zur Natur vermittelt wird. "Unsere Kleinen finden im Waldkindergarten keine vorgefertigten Spielsachen vor, und es geht dort stressfrei zu. Außerdem gibt es die täglichen Rituale", hob der Vater eines Kindes hervor. Die Kinder kommen an jedem Morgen von montags bis freitags zwischen acht und neun Uhr an. Beim Morgenkreis werden sie zunächst gezählt und dann einzeln mit einem Spruch oder einem Namenslied begrüßt. Danach geht es in den Wald. "Wir suchen dort Plätze auf, an denen es bestimmte Pflanzen, Moos oder auch Matsch gibt", berichtete Frank. Gegen 12.30 Uhr treffen die Betreuerinnen mit ihren Schützlingen wieder an den beiden Bauwägen ein, wo die Kinder dann nach dem Abschlusskreis zwischen 13 und 14 Uhr von ihren Eltern in Empfang genommen werden. Die Vorschulkinder werden einmal in der Woche auf ihr Schulleben vorbereitet.

Im vergangenen Winter hegten und pflegten die Sprösslinge einen Igel und lernten dabei etwas über dessen Gewohnheiten kennen. Seit dem Januar nehmen sie sich Monat für Monat einen bestimmten Baum vor und legen dafür einen Steckbrief an. "Bei uns entwickeln die Kinder eine Wertschätzung für die Natur und erleben sie mit allen Sinnen", erläuterte die Anerkennungs-Praktikantin Laura Reichert.

Am alten Standort beim frequentierten Hörnle-Waldspielplatz sei es für die Kinder nicht möglich gewesen, etwas zu bauen und es anschließend stehen zu lassen, machte die Vorsitzende des Trägervereins, Andrea Holoch, deutlich. Unter anderem deshalb sei der Naturkindergarten im Sommer 2012 neben den neuen Friedhof umgezogen, so Holoch. "Hier haben wir unsere Ruhe", bestätigte Frank.

Info Sein fünfjähriges Jubiläum feiert der Zauberwald-Kindergarten am Himmelfahrts-Donnerstag, 29. Mai, von 11 bis 17 Uhr mit einem Tag der offenen Tür. Auf dem Programm stehen dabei unter anderem ein Kindertheater und eine Waldrallye.

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