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Weiterer Stolperstein für Neckarblick

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Mit dem Detektor in der Hand werden Fledermäuse aufgespürt.  Foto: 

Dass es im Neckarblick, dort wo die Stadt Besigheim seit Jahren Bauplätze ausweisen will, Zauneidechsen gibt, das ist seit Kurzem klar. Gibt es aber auch Fledermäuse, eine ebenso wie die Zauneidechsen besonders geschützte Tierart? Eindeutig Ja, sagen Mitglieder einer lose organisierten Bürgerinitiative, die sich am Dienstagabend im Neckarblick trafen. Mit einem Fledermausdetektor spürte BUND-Mitglied Heinrich Blasenbrei-Wurz, sonst eher als Energieexperte in der Stadt bekannt, den Tieren nach. Die Echolotfrequenzen des Geräts ermöglichen es, die Tiere hörbar zu machen und zu klassifizieren. „Wir haben die Fledermäuse gesehen und gehört“, sagte Christoph Köhler, Anwohner im Neckarblick und erklärter Gegner der Bauplatzausweisung.

Ihm und seinen Mitstreitern geht es darum, die Verabschiedung des Bebauungsplans, der ein halbes Dutzend Bauplätze im landschaftlich wertvollen Neckarblick ausweist, durch den Gemeinderat zu verhindern, bekräftigte Köhler im Gespräch mit der BZ. Dazu scheint ihnen der Nachweis der Fledermäuse ein geeigneter Hebel, da in diesem Fall das Landratsamt entscheiden müsse, ob oder in welchem Umfang eine Bebauung möglich sei. Sollten Nistplätze in dem alten Baumbestand wegfallen, müsste Ersatz in unmittelbarer Nähe geschaffen werden.

Erneute Änderung

Erst Anfang Juli hatten die Stadträte über eine Änderung des Bebauungsplans beraten, der den Bau von vier Einfamilienhäusern und zwei Doppelhäusern erlaubt. Danach musste der Plan erneut öffentlich ausgelegt werden. Am Freitag läuft die Frist ab, innerhalb derer Behörden, Organisationen und auch Privatpersonen Einwände oder Bedenken gegen den Plan erheben können. Bis dahin wird auch Köhler seine Bedenken formuliert haben, kündigte er an. Er will im Übrigen auch den Wendehals auf dem Gelände entdeckt haben, einen  geschützten Vogel. Ein Nachweis von Fledermäusen dürfte die Beratung und Verabschiedung des Bebauungsplans nicht eben erleichtern. Schon der erste Entwurf war gegen sechs Gegenstimmen und eine Enthaltung verabschiedet worden. Mittlerweile hat die Stadt ein Landschaftsbüro beauftragt, das Gebiet auf seltene Tierarten zu untersuchen, auch auf das Vorkommen von Fledermäusen, sagte Heike Eckert-Maier, die Leiterin des Stadtplanungsamtes gegenüber der BZ.

Die Landschaftsplaner haben wenige Zauneidechsen nachweisen können. Sie müssen umgesetzt werden. Trotzdem dürfte die Stadt den Satzungsbeschluss fassen, betonte Eckert-Maier. Die Stadt habe auch die Erlaubnis, ein Biotop auf dem Gelände ­– eine Hecke, die an ein Nachbargrundstück grenzt – zu entfernen und an anderer Stelle ein neues zu errichten. Eckert-Maier geht nach wie vor davon aus, dass der Gemeinderat im Oktober endgültig über den Plan entscheiden kann. Die Erschließung sei gut geregelt, obwohl ein angrenzendes Grundstück nicht einbezogen wurde, weil die Besitzerin sich weigerte zu verkaufen.

Juchtenkäfer lässt grüßen

Jetzt also Fledermäuse: Die Gegner des Baugebiets in der Verlängerung des Neckarblicks setzen alles daran, den mehrfach beratenen Bebauungsplan doch noch zu kippen. Es wird spannend sein zu verfolgen, wie Stadtverwaltung und Naturschutzbehörde auf das neue Hindernis reagieren und ob die Reihen der Befürworter der Randbebauung weiter bröckeln. Schon bei der ersten Abstimmung über das Vorhaben gab es immerhin sechs Gegenstimmen. Welche langwierigen und teuren Folgen der Nachweis geschützter Tierarten mit sich bringen kann, durfte man auch in Besigheim zuletzt beobachten, als über Monate schwarze Planen in der Enzaue auslagen, um Zauneidechsen zu vertreiben. Der Juchtenkäfer, bei Stuttgart 21 zu Berühmtheit gelangt, lässt grüßen.

Es ist nicht das erste Hindernis, das die Stadt umschiffen muss. Eine Besitzerin in dem Gelände weigerte sich beharrlich, an die Stadt zu verkaufen. Prompt wurde der Bebauungsplan um ihr Gelände herum konstruiert. Auch das zeigt, wie lukrativ das eher kleine Baugebiet für die Stadt sein könnte. Die Bauplätze gehören der Kommune und liegen an einem begehrten Platz, dürften also nicht gerade günstig sein. Dass damit bezahlbarer Wohnungsraum geschaffen werden soll, darf man getrost als Schutzbehauptung abtun, um eine Begründung für die Notwendigkeit zu finden.

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Kommentare

24.08.2017 00:06 Uhr

weiterer Stolperstein für Neckarblick

Brauchen wir Naturschutz?

In Besigheim gibt es noch wunderbare Gebiete für Mensch und Natur. Der Neckarhäldenwald, das Hörnle und die Streuobstwiesen im Häslich bilden so eine Einheit. Diese gilt es zu erhalten! Die Nachtigall, der Pirol und der Kuckuck sind bereits verschwunden – die Fledermaus, der Wendehals und der Grauspecht leben noch hier in diesen Streuobstwiesen. Diese Tiere brauchen die Streuobstwiesen, aber brauchen wir diese Tiere? Ja, denn sie fressen Insekten, die wir sonst nur mit Chemie vergiften können. Diese Gifte finden sich dann in der Nahrung und im Trinkwasser wieder.
Wenn wir diese Tiere schützen und ihren Lebensraum erhalten, so bedeutet dies auch Schutz für den Menschen. Aus diesem Grund müssen wir ihren Lebensraum erhalten, diese Gebiete dürfen nicht durch Bebauung zerstört werden, damit wir auch noch unseren Enkeln eine lebenswerte Umwelt hinterlassen!
PS. : Fledermäuse haben ihr Sommerquartier gern in verschiedenen Höhlen ( gern auch Baumhöhlen ) - den Winter verbringen sie in Höhlen, die frostfrei sein müssen. Wenn die Fledermäuse im Sommer durch diese Streuobstwiesen fliegen und Insekten jagen, dann ziehen sie auch dort ihre Jungen groß.
Der Erhalt der Umwelt ist ein lohnenswertes Ziel , deshalb darf nicht jede freie Fläche bebaut werden!

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Besigheim

Einwohner: 12018 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74354
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 202 m ü. NHN
Bürgermeister Steffen Bühler

www.besigheim.de/

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