Partner der

Tröpfchen auf heiße Reben

Beim Weinbau müssen viele Faktoren stimmen. Sonne und Wasser sind nur ein kleiner Teil. Ein sensibles Gleichgewicht, das durch klimatische Verschiebungen wie die Hitzewelle dieser Tage ins Wanken gerät.

|
Dr. Götz Reustle Weinberg, der Vorstandsvorsitzende der Felsengartenkellerei Besigheim, zeigt, wie im Weinberg bewässert wird.  Foto: 

. Immer dann, wenn die Leute über einen schwachen Sommer schimpften, seien die Bedingungen für den Weinbau optimal, erklärt Götz Reustle, Vorstandsvorsitzender der Felsengartenkellerei Besigheim. Dann habe man alle für die Reife der Beeren wichtigen Komponenten - wie Lichtgenuss, Temperatur und Wasserversorgung - beisammen. Bedenklich wird es, wenn dieses Gleichgewicht kippt - wie während der Hitzewelle in den letzten Tagen: Hohe Temperaturen und viel Sonneneinstrahlung führen zu Defiziten in der Wasserversorgung. Ein Ungleichgewicht, das sich in den Geschmackskomponenten wiederspiegle, so Reustle.

Trotzdem seien viele Sonnenstunden mehr zu begrüßen als wenige: "Zu wenig Wasser kann der Winzer ausgleichen, indem er die Reben bewässert, zu wenig Sonne nicht", nennt Reustle ein Prinzip, das auch dieser Tage Anwendung findet. Um die Reben vor Wassermangel zu schützen, kommt die Tröpfchenbewässerung zum Einsatz. Hierzu wird ein Schlauch in der Rebzeile angebracht. In diesem befindet sich ein kleines Loch genau über dem Wurzelballen der Rebe: "Der sogenannte Tropfer", erklärt Reustle. Dieser bewässert in regelmäßigen Abständen den Wurzelraum der Pflanze.

"Das Verfahren ist gerade bei terrassierten Steillagen sinnvoll", nennt Reustle den Anwendungsbereich. Denn besonders die in terrassierten Steillagen angebauten Sorten Trollinger, Merlot, Cabernet Sauvignon, Shiraz und Cabernet Franc seien bei extremer Trockenheit anfällig. Das liege an der dünnen Bodenauflage in terrassierten Steilhängen, erklärt Reustle: "Der Boden trocknet schnell aus." Der wesentliche Wurzelraum einer Rebe befindet sich aber in den oberen 30 Zentimetern. Genau dieser Raum wird durch die Tröpfchenbewässerung feucht gehalten.

Sorten wie Shiraz, Cabernet Sauvignon und Franc hätten vor zehn jahren noch nicht in den Felsengärten angebaut werden können: "Seit der klimatischen Verschiebung ist das aber auch hier möglich", erklärt Reustle. Höhere Temperaturen im Frühjahr sorgen für einen früheren Austrieb Anfang April. So verlängert sich die Vegetationszeit, und die Reben haben mehr Zeit zu reifen.

Eine Entwicklung, die auch einheimische Klassiker wie den Riesling betrifft. Die Rebsorte profitierte bisher stark von den klimatischen Bedingungen der Region. Denn der beliebte Weißwein lebt besonders von seiner fruchtigen Säure. Die erhält er mit der Fruchtausprägung in der entscheidenden Reifephase im September und Oktober: "Die kühlen Nächte und sonnigen Tage in diesen Monaten sind vorteilhaft für die Fruchtausprägung", erläutert Reustle den Zusammenhang. Durch die klimatische Verschiebung wird er nun jedoch früher reif. Man überlege daher, den Riesling von der ersten Lage in die zweite - mit weniger Sonnenstunden - umzusetzen, nennt Reustle einen Winzerkniff, um den Reifeprozess der Rebe hinauszuzögern. Dann kann der Riesling weiter von den kühlen Nächten und warmen Tagen im September und Oktober profitieren.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Wappen
Ludwigsburg

Besigheim

Einwohner: 12018 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74354
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 202 m ü. NHN
Bürgermeister Steffen Bühler

www.besigheim.de/

Nachrichten aus Ihrer Gemeinde

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Drehleiter-Einsatz nach Sturm-Schäden

Mehr als 30 Einsätze wegen eines Sturmtiefs verzeichnete das Polizeipräsidium Ludwigsburg am Donnerstagmorgen in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen zwischen 5.20 und 8 Uhr weiter lesen