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Transgender im Männerknast

Ein Transgender stand  jetzt wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vor Gericht. Die rechtlich anerkannte Frau sitzt in einem Männergefängnis.

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Es war eine skurrile Geschichte, mit der sich das Ludwigsburger Amtsgericht zu befassen hatte. Skurril nicht wegen des Vorwurfs des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigungen. Sondern wegen der Person des Angeklagten, der ein Mann ist, aber eine Frau sein will, seine Tage allerdings aktuell im Männergefängnis in Stammheim verbringt.

Auslöser des Prozesses war eine polizeiliche Vorführung zu einer anderen Gerichtsverhandlung an das Besigheimer Amtsgericht, bei der sich der als Frau  bereits rechtlich anerkannte Angeklagte gewehrt haben soll.  Die Angeklagte, seit langem wegen der Geschlechtsumwandlung bei Fachärzten in Behandlung, war am 9. Mai dieses Jahres in einer Obdachlosenunterkunft in Ludwigsburg untergebracht, als die Polizei an ihre Tür klopfte. Als die 36-Jährige öffnete, war sie nur mit einem Handtuch bedeckt, da sie gerade aus der Dusche kam. Vor Gericht wurde ihr vorgeworfen, die Polizei daran gehindert zu haben, ihr Handschließen anzulegen und die Beamten als „Nazis und Hurensöhne“ bezeichnet zu haben.

Die Polizeibeamten, sagte die Angeklagte von eher zarter Gestalt, hätten sie bei der Festnahme so grob behandelt, an die Wand gestellt und zu Boden gebracht, dass sie vor lauter Angst in die Hose gemacht habe. Das bestätigte einer der Polizeibeamten als Zeuge. Er und seine zwei Kollgen hätten „alle was abgekriegt“. Unsicher, ob es sich beim Angeklagten um einen Mann oder eine Frau handelt, hätten sie eine weibliche Kollegin mitgenommen, über welche die Angeklagte aber sagte, diese habe nur zugeschaut.

Bestimmt zehn Leute, führte die Angeklagte weiter aus, hätten gesehen, wie sie von der Polizei über den Hof geschleift worden sei. Dabei habe sie nicht einmal eine Hose angehabt. Das Handtuch soll sie allerdings selbst mit einem Hüftschwung abgeworfen haben, so die Beamten. Auch die Sache mit der Hose schilderte ein Polizist ganz anders. Obgleich das Kleidungsstück extra noch geholt worden sei, habe die Angeklagte erst im Auto die Hose endlich anziehen wollen. Vorher habe noch eine Unterlage auf den Sitz gelegt werden müssen, damit das Dienstfahrzeug nicht schmutzig wird.

Die Beamten führten auch aus, sie hätten der Angeklagten gesagt, dass sie Gewalt anwenden müssten, wenn sie nicht mit zum Besigheimer Amtsgericht komme. Sie könnten bei Obdachlosen auch nicht wissen, was alles in den Ein-Zimmer-Wohnungen herum liegt, wie zum Beispiel Küchenmesser, und müssten schon aus Gründen des Selbstschutzes präventiv vorgehen.

Nicht nur das Männergefängnis in Stammheim, auch das Frauengefängnis in Schwäbisch Gmünd hatte  der Transgender schon von innen gesehen, als er aus Stammheim zum Ludwigsburger Amtsgericht gebracht wurde. Im Januar dieses Jahres hatte es nach einem schweren räuberischen Diebstahl nämlich sechs Monate auf Bewährung gegeben und einen Widerruf der Bewährung gesetzt, weil die Auflagen nicht erfüllt wurden. Dazu erklärte die Angeklagte, das Jobcenter habe ihr damals „den Geldhahn abgedreht“, also habe sie ja „lange Finger machen müssen“. Denn die Eltern seien seit Jahren nicht mehr erreichbar für sie.

Erster Staatsanwalt Andreas Henrich stellte bei einem Blick in die Akte fest, dass der Transgender, der unbedingt aus der „Hölle“ in der Ludwigsburger Obdachlosenunterkunft raus will, als solcher noch fünf Monate im Männerknast in Stammheim durchhalten muss.  Solche Zukunftsaussichten gaben ihm und Strafrichter Dr. Florian Bollacher Anlass, das Ludwigsburger Verfahren im Hinblick auf das sowieso schon verhängte halbe Jahr Gefängnis einzustellen.

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Kommentare

04.01.2017 15:29 Uhr

Unfassbar

Mein Gott, in was für ein Land leben wir? Da wird eine Frau in einen Männerknast gesteckt, weil sie als Mann diskriminiert wird und ihr gesetzliches Geschlecht einfach da nicht anerkannt wird?
Und dann noch dieser ekelhafte, transphobe Artikel, der sowas von widerlich ist und von Unwissenheit nur so strotzt? Wenn ich das lese, fühle ich mich in die 50er Jahre zurückkatapultiert. Da die Nitiquette zu wahren, ist aber auch schon viel verlangt und kostet einem Überwindung.'
Und anscheidend ist die Autorin auch noch zu feige um Stellung zu beziehen und hat nicht einmal den Anstand sich zu entschuldigen.

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30.09.2016 02:46 Uhr

Stellungnahme der Autorin?

Nachdem nun mehr als zur Genüge dargelegt wurde, dass dieser Artikel der wirklich aller größte Bullshit - und das noch im Jahr 2016 - ist: Gibt's vielleicht mal ne Stellungnahme dazu von der Autorin?! Oder trauen sie sich nicht sich den Argumenten hier zu stellen?!

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24.09.2016 00:18 Uhr

Entschuldigung an die Diskriminierte!

Der Artikel ist ja echt zum Kotzen! Die Frau, die diesen Artikel verfasst hat, ist entweder total unverschämt, oder so was von desinformiert. Da bleibt einem glatt die Spucke weg!!! Echt der Hammer! Die Schreiberin sollte ihren Job aufgeben! Vor allem aber sollte der Artikel umgeschrieben, und neu veröffentlicht werden, verbunden mit einer Entschuldigung an die Diskriminierte!

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19.09.2016 23:12 Uhr

An die Redaktion (Teil 2)

...
Dazu machen Sie – wenngleich indirekt – den Genitalstatus einer rechtlich anerkannten Frau zum Gegenstand Ihrer Berichterstattung (obwohl es nicht zum Thema beitrug – es geht damit nicht nur um Transphobie, sondern auch um Trans*misogynie) - und bezeichnen den journalistischen Wert davon als „skurril“ (es gibt mehrere zehntausend Trans*menschen in Deutschland, wenn nicht mehr, und das in allen Alters- und Bevölkerungsschichten und in jeder größeren Stadt). Damit tangieren sie den strafrechtlich relevanten Bereich – und verletzen zudem §10 und §5 des TSG – diese Artikel existieren und schützen die Rechte von Trans*personen: Eine Transfrau ist eine Frau ist eine Frau. Das sollte im Jahr 2016 bei Journalisten – die im Übrigen zur Recherche fähig sein sollten, was auch von Ihnen erwartet wird – angekommen sein. Damit kann man nicht einfach erneut – gerade in einem vermeintlich sachlichen Kontext – eine Frau abermals als Mann konstruieren, nur weil es die Klischees so möchten. Der ganze Artikel grenzt an eine Hetzschrift – es ergießt sich eine regelrecht monströse Kaskade verbaler Gewalt über die Person.

Verletzt werden zusammengefasst Ziffer 1 (Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde), 8 (Schutz der Persönlichkeit), 9 (Schutz der Ehre), 11 (Sensationsberichterstattung) und 12 (Diskriminierungen) des Pressekodex, teilweise gar in mehreren Unterpunkten.

Im Übrigen bleibt bei der ganzen Bereichterstattung das wirklich „Skurrile“ an dem Fall unkommentiert stehen – nämlich dass es möglich ist, dass eine Person in Deutschland, die den Rechtsstatus einer Frau genießt – im Strafvollzug für Männer untergebracht werden kann. Recherchen hätten ergeben können, dass das international in den letzten Jahren ein heiß debattiertes Thema ist, das auch von Amnesty International, Menschenrechtlern, dem Europarat und weiteren Organisationen laut kritisiert wird, denn die Personen sind dort unter anderem gehäuft Vergewaltigungen ausgesetzt und haben aufgrund dieser Situation eine sehr hohe Suizidrate.

Auch hätte man untersuchen können, was mit „Hölle im Obdachlosenheim“ gemeint sein könnte. Es sollte im Rahmen der Flüchtlingsdiskussion bekannt sein, welchen Gefahren Menschen aus dem LGBT*I*-Sektor, speziell Transfrauen dort ausgesetzt sind. Sie genießen besondere Schutzbedürftigkeit und man setzt sie nicht noch weiteren Gefahren aus! Offenbar nimmt die Autorin des Artikels an, sie könne ihre Befindlichkeiten über geltendes Recht stellen.

Siehe auch für den Guide für Medien vom Transgender Network Switzerland: https://www.transgender-network.ch/medien/medienguide/

Ich erwarte eine öffentliche Entschuldigung. Sowohl gegenüber der betroffenen Person als auch gegenüber der Trans*-Community, da sie jede Transfrau mit diesem Artikel diskriminieren. Auch von Seiten der Redaktion, die eine Sorgfaltspflicht bei der Veröffentlichungen von Artikeln der Zeitung – auch online – besitzt, und diesen Artikel offensichtlich in dieser Form als berichtenswert erachtet hat.

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19.09.2016 23:10 Uhr

An die Redaktion (Teil 1)

Sehr geehrte Redaktion der Bietigheimer Zeitung,

ich kann es kaum fassen, dass dieser Artikel ganze zwei Tage nach Erscheinen immer noch, und dazu unkommentiert, im Netz steht.

Ihnen scheint offensichtlich nicht bewusst zu sein, welches „Ei“ Sie bzw. Ihre Redakteurin hier gelegt hat. Der Artikel ist nicht nur menschenverachtend, er sprengt auch den Kontext dessen, was im Rahmen einer Kriminalberichterstattung (Pressekodex-Richtlinie 8.1) zulässig ist. Denn Dinge, die sonst unter die Privatsphäre der Angeklagten fallen, dürfen hier nur veröffentlicht werden, wenn sie unmittelbar das Verfahren bzw. das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit betreffen.

Was intime Angelegenheiten einer Person mit den Anklagen wegen Diebstahls zu tun haben sollen, müssen Sie mir erklären. Es handelt sich hierbei offensichtlich um reine Sensationalisierung (Richtlinie 11.1) eines Details, welches zur engsten Privatsphäre einer Person zu zählen ist. Damit verletzen Sie bereits zwei Punkte des Pressekodex. Des weiteren wird der medizinische Behandlungsstatus der Person offenbart, denn eine fachärztliche Behandlung wegen „Transsexualität“ beinhaltet in diesem Land auch eine psychische Behandlung (Richtlinie 8.6) und hätte somit nicht offenbart werden dürfen.

Richtlinie 8.8 besagt, dass der Aufenthaltsort der Person besonderen Schutz genießt. Die Information über den Aufenthalt in einem Obdachlosenheim, zusammen mit der Information über den Ort und den trans*-Status der Person sollten leider nicht nur den Aufenthaltsort der Person erschließbar machen, sondern darüber hinaus wird damit auch die Anonymität der Person verletzt, denn aus den genannten Informationen lässt sich vor Ort mit Sicherheit sehr schnell auf die tatsächliche Person schließen.
Eine Person, die zu einer der am meisten diskriminierten Gesellschaftsgruppen überhaupt zählt, ziehen Sie in dem Artikel nicht nur verbal aus, entblößen und denunzieren sie öffentlich – Sie setzen sie damit auch Diskriminierung, wenn nicht gar Gefahr für Leib und Leben, aus!

(Teil 2 folgt)

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19.09.2016 18:40 Uhr

Menschenverachtende Berichterstattung

Eure Berichterstattung hier ist menschenverachtend und verstösst gegen grundlegende journalistische Normen (u.a. gegen Ziffer 1 und Ziffer 12 des Pressekodex). Ich habe deswegen eine Beschwerde beim Presserat eingereicht.

In dem Artikel wird die geschlechtliche Identität einer Transfrau bewusst in Frage gestellt ("ein Mann ist, aber eine Frau sein will"; später ist auch von "dem" Transgender die Rede: "Nicht nur das Männergefängnis in Stammheim, auch das Frauengefängnis in Schwäbisch Gmünd hatte der Transgender schon von innen gesehen"). Nicht nur identifiziert sich die angesprochene Frau selbst als Frau, sie ist auch (wie im Artikel berichtet wird) rechtlich als Frau anerkannt. Die Behauptung dass sie eigentlich "ein Mann ist" ist also eine unwahre Unterrichtung der Öffentlichkeit. Im übrigen wird damit die Würde und geschlechtliche Selbstbestimmung der Frau untergraben.

Eine solche Art von Berichterstattung untergräbt auch die Würde von Trans*menschen allgemein, weil hier der Eindruck erweckt wird, Trans*menschen verstehen ihre eigene Geschlechtsidentität nicht und/oder führen andere darüber in die Irre. Ein solches Negativbild trägt dazu bei, dass Trans*menschen, und insbesondere Transfrauen, in Deutschland immer noch Opfer von Gewalt und Diskriminierungen werden (siehe EU Bericht "Being Trans in the European Union, http://fra.europa.eu/sites/default/files/fra-2014-being-trans-eu-comparative_en.pdf).

Zudem wird in dem Artikel die Geschlechtsidentität von Trans*menschen ganz offen lächerlich gemacht und als "skurril" bezeichnet ("Skurril nicht wegen des Vorwurfs des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigungen. Sondern wegen der Person des Angeklagten, der ein Mann ist, aber eine Frau sein will, seine Tage allerdings aktuell im Männergefängnis in Stammheim verbringt.")

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18.09.2016 19:18 Uhr

Wie widerlich kann man eigentlich schreiben?

Die Verurteilte ist eine Frau. Sie ist rechtlich als solche anerkannt.
Was braucht es denn noch, damit Schreiberlinge wie die Autorin dieses Artikels die richtigen Bezeichnungen wählen?
Noch einmal langsam zum Mittippen:
Sie ist kein "Mann, der eine Frau sein will" sondern eine Frau.
Sie unterzieht sich keiner "Geschlechtsumwandlung" sondern gleicht ihren Körper ihrem Geschlecht an.
Das nennt man Geschlechtsangleichung.
Weiterhin ist "transgender" kein Substantiv wie "Franzose" oder "Gärtner". Es ist ein englisches Adjektiv. Wenn ihr medizinischer Status überhaupt erwähnt werden muss, dann doch bitte "transsexuelle Frau".

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