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Tour durch die Kirchengeschichte mit Stadtführerin Katrin Held

Die Stadtführerin Katrin Held hat am Sonntag interessierte Bürger durch die Ottmarsheimer Hippolytkirche geführt - und dabei Geld für die Renovierung gesammelt.

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Rund 60 Teilnehmer lernten am Sonntag ein bisschen mehr über die Hippolytkirche in Ottmarsheim.  Foto: 

Die hoch über dem Ort sich erhebende, mehr als 500 Jahre alte Kirche St. Hippolyt ist bekanntlich renovierungsbedürftig. Gerechnet wird mit Kosten von etwa 200.000 Euro. Die Kirchengemeinde Besigheim muss sich mit 60.000 Euro Eigenmittel daran beteiligen. Deshalb gründete sich die Aktion "Aktives Ottmarsheim".

Am gestrigen Sonntagnachmittag veranstaltete die Besigheimer Stadtführerin Katrin Held in der evangelischen Kirche eine Führung, an der rund 60 interessierte Einwohner des Ortes, aber auch aus der näheren Umgebung teilnahmen. Dabei erläuterte sie unter anderem auch, weshalb der 13. August in der Geschichte von Ottmarsheim ein besonderes Datum darstellt. Einst war das Dorf ein Wallfahrtsort und zu "Sankt Peltin" kamen die am "Kaltweh", damit ist Schüttelfrost gemeint, leidenden Menschen hier zusammen und erbaten sich vom Heiligen Hippolyt, einem römischen Offizier, der als Märtyrer starb, Heilung. Auch ein Jahrmarkt fand an diesem Tag in Ottmarsheim statt.

Der Sonntag vor diesem früheren Feiertag erschien Katrin Held als besonders geeignet, mit einer von der Aktion "Aktives Ottmarsheim" angeregten Kirchenführung, die eingerahmt war in einen gemütlichen Kaffeeplausch auf dem Kirchplatz, dessen Erlös ebenfalls der Kirchenrenovierung zugute kommen wird, nicht nur von der wechselvollen Geschichte des Gotteshauses zu erzählen, sondern auch auf die bevorstehenden Renovierungsarbeiten und deren Kosten hinzuweisen.

Während ihrer Führung berichtete die Besigheimer Stadtführerin äußerst kenntnisreich und zum Teil sehr detailliert über den spätgotischen Bau und seine spätere Erweiterung im Rokokostil. Es darf angenommen werden, dass bereits um 800 an dieser Stelle in Ottmarsheim eine dem Heiligen Hippolyt geweihte Holzkirche gestanden hat. Ein Steinbau folgte im Mittelalter, der nach und nach vergrößert wurde. Auf einer Steintafel am Turm, der als Wehrturm errichtet wurde, ist die Jahreszahl 1502 eingemeißelt worden. Um 1750 waren umfangreiche Renovierungsarbeiten notwendig und bei dieser Gelegenheit, so führte Katrin Held weiter aus, wurde das spätgotische Kirchenschiff im Rokokostil neu gestaltet. Weitere Renovierungen wurden zwischen 1878 und 1882 vorgenommen, und dabei flossen auch wieder neugotische Stilelemente ein. Seit 1845 gibt es in der Kirche die vom Ludwigsburger Orgelbau Walcker geschaffene Orgel.

Auffallend ist das getäfelte Chorgestühl im Altarraum, das im Jahr 1881 von dem Stuttgarter Baurat Heinrich Dolmetsch geschaffen wurde. Er hat auch die Kanzel mit einer Wendeltreppe und reichen Schnitzereien konzipiert. Früher einmal vorhandene Gemälde an Decke und Wänden konnten zum Teil von der im Zuge von Renovierungen erfolgten Übermalung wieder befreit werden und sind deshalb heute sichtbar, unter anderem sind dies fünf um 1750 von Johann Daniel Haug an der Empore gemalte Bilder mit biblischen Themen. Im Jahr 1981 legte der Restaurator Norbert Malek am Tonnengewölbe sechs in Stuckmedaillons gerahmte Fresken frei und stellte sie wieder her.

Nun stehen wieder Renovierungsarbeiten bevor. Dazu zählen neben anderem statische Untersuchungen, die Abdichtung der Fenster, die Erneuerung der Elektroanlage, der Beleuchtung und der Heizungsanlage, auch die Renovierung des denkmalgeschützten Stucks und die Schaffung eines barrierefreien Zugangs.

Die Teilnehmer an der Kirchenführung am Sonntagnachmittag zahlten keinen Eintritt, wurden dafür jedoch im Spenden gebeten, wie überhaupt die Evangelische Kirchengemeinde Besigheim auch weiterhin auf private Zuwendungen angewiesen ist, um die unumgänglich gewordene Renovierung des Gotteshauses demnächst ausführen zu können.

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