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Ganz am Anganf stand der Schnaps

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  • 1992 wird ein unterirdischer Gang entdeckt, der als Fluchtweg für die Bewohner der Burg diente. 1/3
    1992 wird ein unterirdischer Gang entdeckt, der als Fluchtweg für die Bewohner der Burg diente. Foto: 
  • Im Februar 2001 graben Mitglieder der Historischen Gesellschaft in Bönnigheimer Kellern nach Nachgeburtstöpfen. Die Funde erregen international Aufmerksamkeit.  2/3
    Im Februar 2001 graben Mitglieder der Historischen Gesellschaft in Bönnigheimer Kellern nach Nachgeburtstöpfen. Die Funde erregen international Aufmerksamkeit. Foto: 
  • Kurt Sartorius ist seit 40 Jahren Vorsitzender der Historischen Gesellschaft. 3/3
    Kurt Sartorius ist seit 40 Jahren Vorsitzender der Historischen Gesellschaft. Foto: 
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Es waren hehre, aus heutiger Sicht möglicherweise gestelzt wirkende Worte, mit denen die damalige Bönnigheimer Stadtarchivarin Elisabeth Zipperlen vor 40 Jahren die Notwendigkeit begründete, einen Geschichtsverein zu gründen: „Uns ruhelosen, in Alltagssorgen allzu verstrickten Menschen, geht all die noch heimliche Schönheit verloren, die uns überall Tag für Tag begegnet oder wenigstens begegnen könnte.“ Es waren allerdings auch Worte, die am 30. September 1977 bei 30 der 41 Teilnehmer der Versammlung im Gatshaus „Rößle“ den Entschluss bewirkten, dem Geschichtsverein beizutreten und die 15 Mark Jahresbeitrag zu bezahlen.

Zu seinem Vorsitzenden wählte der neu gegründete Geschichtsverein den Lehrer Kurt Sartorius, auf den die Idee zur Gründung auch zurückging. Der Bönnigheimer Heimatforscher hat dieses Amt bis heute inne. Auslöser für die Gründung des Vereins war der Wunsch, die Schnapsbrennerei Krebs vor der Verschrottung zu bewahren, erinnert er sich. Denn die noch aus dem Jahr 1885 stammende Brennerei lief Gefahr, wegen der Betriebsauflösung zerstört zu werden. Die Anlage sollte als Beispiel eines örtlichen Gewerbes in ein Heimatmuseum integriert werden, so schwebte es Sartorius vor.

Die Brennerei landete schließlich im Museum im Steinhaus, wie später noch so manche anderen Gegenstände aus der Geschichte der Stadt. „Das Sammeln, Bewahren, Archivieren und Konservieren von alten Gegenständen aus der näheren Umgebung ist bis heute der Schwerpunkt der Historischen Gesellschaft geblieben“, sagt Sartorius. Etwa Ende der 80er-Jahre spezialisierte sich das Museum als erstes schwäbisches Schnapsmuseum. „Mit 84 Schnapsbrennereien haben wir heute die größte alkoholgeschichtliche Museumssammlung Deutschlands“, wird Sartosius nicht müde zu betonen.

 Daneben geht es ihm und seinen Mitstreitern darum, die Geschichte der Stadt zu erforschen und den Sinn für Geschichte und Heimatkunde zu vermitteln, sagt er. Jährlich erscheinen die Ganerbenblätter mit neuen Berichten und Erkenntnissen über die Bönnigheimer Geschichte. Regelmäßig trifft sich der Arbeitskreis Museum, um Ideen für weitere Projekte zu besprechen. Neben Sartorius selbst machen seine Frau Marianne, Meike Junginger und Gerhard Zimmer als Stadtführer Besucher mit der Geschichte Bönnigheims bekannt. Um die Museumsarbeit zu unterstützen, wurde ein Förderverein gegründet, den Mike Etzel leitet. Förderverein und Historische Gesellschaft haben nach Sartorius’ Angaben bisher bereits mehr als 400 000 Euro in das Museum investiert. Um den kulturhistorischen Blick über den Tellerrand hinaus zu schärfen, organisierte die Historische Gesellschaft Studienreisen nach St. Petersburg, Schottland, Sizilien und Andalusien,

An vielen Ausgrabungen und Entdeckungen auf der Bönnigheimer Markung war die Historische Gesellschaft maßgeblich beteiligt, so beispielsweise an der Entdeckung eines unterirdischen Ganges im Jahr 1992, der als Fluchtweg der historischen Burg gedient haben dürfte. Mit dem Fund der Stadtgrabenbrücke im Jahr 1983 konnte zum ersten Mal die Bönnigheimer Befestigung rekonstruiert werden. In den Jahren 1986 und 1990 wurden zwei alamannische Friedhöfe an der Erligheimer Straße entdeckt, woraus sich wichtige Erkenntnisse für die Bönnigheimer Frühgeschichte ergaben. Ein echter Coup, sogar eine „geschichtliche Sensation“, wie er selbst meint, gelang Sartorius mit der Entdeckung und Ausgrabung  von Nachbegurtstöpfen, dem ersten Fund dieser Art in Deutschland. In 34 Kellern in Bönnigheim konnte der Brauch der Bestattung von Nachgeburten in Töpfen nachgewiesen werden. Die Veröffentlichung über diesen Brauch in den Ganerbenblättern sei auf internationale Resonanz gestoßen.

Für Sartorius steht fest: „Das Museum im Steinhaus mit dem Schwäbischen Schnapsmuseum ist heute der wichtigste Werbeträger der Stadt Bönnigheim.“ Womöglich würde Elisabeth Zipperlen diese Leistung mit den Worten kommentieren, mit denen sie 1977 auch die Gründungsversammlung beschloss: „Wer seine Heimat liebt, spürt, dass sie Kräfte gibt, die nie versagen.“

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